Korrekturzeit – Valuezeit? Drei Europa-Fonds mit positiven Morningstar Analyst Ratings

In unsicheren Zeiten können günstig bewertete Unternehmen, die zu Unrecht in Ungnade bei Investoren gefallen sind, einen Halt bieten. Wir stellen Ihnen drei Fonds vor, die sich durch disziplinierte Value-Strategien auszeichnen.

Ali Masarwah 16.10.2018

Value und Europa – das sind auf den ersten Blick zwei todsichere Underperformance-Ingredienzien, zumal dann, wenn man die Rendite von europäischen Value-Aktien mit der von US-Technologie-Aktien vergleicht. Doch etliche US-Highflyer sind ambitioniert bewertet, und die zwischenzeitlich heftige Korrektur an der Nasdaq hat gezeigt, dass beliebte Investments ziemlich riskant sein können und eben nicht zwingend das Oma-Blatt sind, das man als Aktieninvestor beliebig lange und oft ausspielen kann. 

Wir haben uns deshalb Value-Fonds mit Fokus auf europäische Aktien angeschaut, die positive Morningstar Analyst Ratings haben. Dabei haben wir nur solche Fonds berücksichtigt, die günstige Kosten aufweisen. Schließlich weiß jeder Value-Investor, dass der Gewinn im Einkauf liegt. Übrigens sind die Fondsnamen mit Hyperlinks versehen, die Sie zum Fondsportrait auf morningstar.de führt.

Metropole Sélection 

Das Managementteam dieses Fonds ist sehr erfahren und gut aufeinander abgestimmt. Es besteht aus sieben Fondsmanagern, die kollegial zusammenarbeiten. Sie managen alle Aktienfonds von Metropole Gestion mit der identischen Value-Strategie, die sie mit großer Disziplin implementieren. Leiterin ist Isabel Levy, eine der Gründungsmitglieder von Metropole Gestion. Sie weist eine Investmenterfahrung von über 30 Jahren auf. Als Teil einer langfristigen Nachfolgeplanung wurden Ingrid Trawinski (2012) und Cédric Hereng (2018) zu Co-Leitern des Fondsmanagerteams ernannt. 

Der Fonds wird sehr konzentriert gemanagt, es finden sich typischerweise nur 25 bis 35 Positionen im Portfolio, die aufgrund ihrer speziellen Value-Eigenschaften gekauft werden. Der Fonds zeigt regelmäßig große Sektorabweichungen im Vergleich zu Vergleichsfonds und zum Index. Natürlich ist so ein Ansatz risikoreich. Anleger müssen bereit sein, hohe Schwankungen auszuhalten. Seit 2010 durchlief der Fonds drei sehr schwache Jahre. Das lag unter anderem daran, dass der Fonds aus Bewertungsgründen wenig Exposure zu den defensivsten Sektoren des Marktes, Healthcare und defensive Konsumgüter, aufwies. Auch die zyklischen Aktien, wie etwa Banken, bedingten die zeitweilige Underperformance. (Auch italienische Banken waren mit von der Partie.) 

Die langfristige Erfolgsbilanz des Fonds ist unbestreitbar stark. Sowohl der Durchschnitt der europäischen Standardwerte-Value Fonds als auch die Benchmark MSCI Europe Value wurden auf Sicht von fünf, zehn und 15 Jahren übertroffen (per Ende Juni 2018). Der Fonds hält unverändert das zweitbeste Morningstar Analyst Rating „Silver“, eignet sich allerdings nur für risikobereite Investoren. 

Brandes European Value 

Der Fonds weist viele Eigenschaften auf, die uns gefallen. Anleger profitieren von einem konsequent angewendeten Value-Ansatz und einem erfahrenen Team, die Muttergesellschaft agiert anlegerfreundlich, und die Gebühren sind im Vergleich zur Kategorie günstig. 

Brandes verfolgt einen Teamansatz. Der Fonds wird von einem erfahrenen fünfköpfigen Management-Team verwaltet. Sie alle sind mit dem Value-Stil der Firma bestens vertraut und arbeiten seit mehr als zehn Jahren zusammen. Auch beim gesamte Management- und Analysten-Team gab es in den vergangenen Jahren kaum Fluktuation. Alle Kauf- und Verkaufsentscheidungen bedürfen einer Mehrheitsentscheidung. Was dem Team dadurch möglicherweise an Agilität fehlt, wird aus unserer Sicht durch eine solide Überprüfung jedes Investmentfalls aus verschiedenen Perspektiven bequem kompensiert. 

Außerdem ist der Fonds nicht darauf ausgerichtet, schneller als die Konkurrenz beim Besetzen von Themen zu sein. Das Team sucht vielmehr geduldig nach Schnäppchen und hat einen sehr langfristigen Anlagehorizont. Der Prozess ist diszipliniert und die Erfolge sind wiederholbar. Die Sektoranalysten des Unternehmens prüfen das europäische Aktienuniversum regelmäßig auf Aktien, die mit einem großen Discount zu ihrem fairen Wert notieren. 

Nach einer gründlichen Fundamentalanalyse werden Kaufkandidaten dem Anlageausschuss zur Überprüfung vorlegen. Jedes Ausschussmitglied legt dann seine eigenen Fair-Value-Berechnungen für die Aktien vor. Dieser rigorose Prozess soll die Genauigkeit der endgültigen Schätzung verbessern. Es werden nur Aktien gekauft, die eine größere Sicherheitsmarge aufweisen. Interessant ist, dass die Positionsgrößen der Aktien in dem Fall begrenzt werden, in denen es größere Abweichungen zwischen den Einschätzungen der Fondsmanager gibt. 

Im Ergebnis steht ein Portfolio, bei dem es keine Beschränkungen gibt mit Blick auf die Gewichtungen von Aktien gegenüber der Benchmark. Im Portfolio dominieren häufig zutiefst unbeliebte Aktien, und häufig werden Small und Mid Caps übergewichtet. Auch die Sektorgewichte können über die Zeit stark variieren. Zum Beispiel wurden in der Vergangenheit osteuropäische (einschließlich russische) Aktien mit bis zu zehn Prozent gewichtet. Aktuell sind Energie und Basiskonsumgüter übergewichtet. Daher weist der Fonds hohe Risiken aus, die sich in einer signifikanten Underperformance 2017 konkretisierten. Doch Höhen und Tiefen gehören zum Geschäft bei diesem ebenfalls mit „Silver“ bewerteten Fonds. 

M&G European Strategic Value 

Diese disziplinierte Value-Strategie wird konsequent umgesetzt, was zu einer starken langfristigen Erfolgsbilanz führt. Fondsmanager Richard Halle verfügt über langjährige Erfahrung mit europäischen Aktien und hat den größten Teil seiner 19-jährigen Karriere bei M&G verbracht. Er ist der Spiritus Rektor dieser Strategie und verantwortet sie seit ihrer Einführung im Jahr 2008. Er wird von zwei Analysten unterstützt, die auch die US-Version der Strategie unter der Leitung von Daniel White mit Ideen versorgen. White ist wiederum der Backup-Manager, liefert aber nur einen begrenzten Beitrag zu diesem Fonds. Zudem kann Halle auf das fünfköpfige globale Sektoranalystenteam von M&G zurückgreifen, aber er selbst liefert die wichtigsten Research-Impulse für den Ansatz. 

Obwohl die Ressourcen also nicht so groß sind wie bei einigen Wettbewerbern, so sind sie mit Blick auf diese Strategie angemessen. Das Anlageuniversum besteht aus europäischen Aktien mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 250 Mio. EUR. Der Prozess trägt dazu bei, das Research auf ein viel engeres Spektrum von Möglichkeiten zu konzentrieren. Zunächst wird ein quantitatives Screening durchgeführt, um die Aktien des billigsten Quartils innerhalb jedes Sektors zu identifizieren, gemessen an ihrem Kurs-Buch-Wert. Anschließend werden die finanzielle Stärke, die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und das Managementverhalten bei den Kandidaten analysiert, um Unternehmen zu vermeiden, die aus guten Gründen günstig bewertet sind. 

Im Ergebnis besteht das Portfolio aus 60 bis 100 Aktien, aufgrund des wachsenden Vermögens lag die Zahl der Unternehmen eher am oberen Ende dieses Spektrums. Mit einem Volumen von 2,7 Mrd. EUR ist der Fonds sicherlich weniger agil als zuvor, vor allem wenn man bedenkt, dass in den vergangenen Jahren zunehmend in Nebenwerte investiert wurde. Sie stellten zeitweilig Ende 2017 die Hälfte des Portfolios dar. 

Die starke Erfolgsbilanz des Fonds, die Halle aufgebaut hat, zeugt von seinen Fähigkeiten im Portfoliomanagement. Seit seiner Auflegung bis Ende Februar 2018 hat der Fonds sowohl den Kategorie-Durchschnitt als auch den MSCI Europe Value Index ohne übermäßige Volatilität deutlich übertroffen. Daher behält der Fonds das Morningstar Analyst Rating „Bronze“.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.