Mit dem Rendite-Anstieg kamen die Tränen

Seitdem die US-Notenbank an der Zinsschraube dreht, ist die Zeit des eitlen Sonnenscheins bei Rentenfonds passé. Was sich am europäischen Rentenfondsmarkt in diesem Jahr getan hat.  

Ali Masarwah 05.11.2018

Bond-Anleger und Fondsanbieter werden sich mit Wehmut an das vergangene Jahr erinnern. Wer in Euro-Hochzinsanleihen investierte, konnte eine mittlere einstellige Performance einstreichen. Qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen glichen locker die Inflation aus, und selbst Staatsanleihen konnten nominal eine positive Performance einstreichen. Schwellenländer-Bondanleihen konnten in EUR eine ordentliche Performance verbuchen, und auch Dollar-Papiere brachten eine leicht positive Bilanz zustande. 

Auch die Fondsindustrie dürfte an 2017 wohlige Erinnerungen haben. Das Jahr dürfte als das Jahr der Rentenfonds in Erinnerung bleiben. Mit 288 Milliarden Euro erreichten Rentenfonds ein Rekordniveau bei den Zuflüssen. Ungeachtet der auch damals niedrigen Renditen waren alle Fondskategorien gefragt: Die riesige Nachfrage wurde vor allem von Produkten getrieben, die auf höherverzinsliche Segmente des Rentenmarktes abzielen. Auch das Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank, mit dem monatlich 60 Mrd. Euro in den Anleihenmarkt gepumpt wurden, verbreitete offenbar Zuversicht über die Stabilität des Bondmarkts. 

Doch 2018 ist alles anders. Heute ist eher Katzenjammer angesagt. Die US-Notenbank hat bereits dreimal die Zinsen erhöht, was den Dollar gestärkt hat, und die unschöne protektionistische Rhetorik der Trump-Administration lässt auch die Anleihemärkte erzittern. Vor allem Schwellenländer-Bonds mussten in diesem Jahr schwere Rückschläge aufgrund der steigenden Renditen bei US-Treasuries hinnehmen.

Nur dank des schwächelnden Euro konnten Schwellenländer-Bonds ein minimales Plus in diesem Jahr (per 2. November) auf Eurobasis erzielen. EUR-gehedgte Emerging Bonds waren dagegen in tiefrotem Terrain, und auch EUR-Hochzinsanleihen, EUR-Investmentgrade Bonds und EUR-Staatsanleihen mussten Kursverluste hinnehmen. Nicht nur die US-Fed sorgt unter Anlegern in der Eurozone für Unsicherheit – auch die Tatsache, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm auf 30 Mrd. Euro pro Monat reduziert hat und per Jahresende ganz beenden wird, dürfte nicht zur Beruhigung von Bond-Anlegern beigetragen haben.

Die untere Tabelle zeigt die Performance der für Anleger wichtigen Bond-Kategorien per Anfang November. Die Sortierung ist absteigend nach der Performance der ersten zehn Monate dieses Jahres. Neben dem Namen der Kategorie finden Sie den Vergleichsindex, den wir der jeweiligen Kategorie zuordnen. Es folgen die Performance-Daten auf Basis der Tagesdaten per 2.11.

Tabelle: Die Performance der wichtigsten Bond-Fondskategorien in diesem Jahr 

Wie die obere Tabelle zeigt, haben die auf US-Dollar lautenden Fondskategorien die mit Abstand beste Performance in diesem Jahr erzielt. Dollar-Hochzinsfonds legten in diesem Jahr um knapp 5,9 Prozent zu, gefolgt von globalen Hochzinsfonds, die typischerweise ebenfalls in Dollar-Anleihen investieren. Sie rentierten mit 4,5 Prozent. Es folgen Dollar-Inflationsfonds, diversifizierte Dollarfonds und Fonds, die in US-Staatsanleihen investieren mit Zuwächsen von bis zu 2,6 Prozent. Bedenkt man indes, dass der Dollar in diesem Jahr bisher um gut sieben Prozent zulegte, dann wird deutlich, dass hier die Währungsseite den Ausschlag gab. 

Weitaus bescheidener fiel in diesem Jahr die EUR-Performance aus. EUR-Fonds, die in Langläufer investieren schlugen sich mit einem Plus von 0,6 Prozent per Anfang November noch am besten. Doch hiernach ging es recht schnell in negatives Terrain. EUR-Staatsanleihefonds verloren knapp ein Prozent, und auch Fonds für EUR - Unternehmensanleihen (Hochzinsprodukte und auch Fonds, die in Investment-Grade Bonds investieren) mussten leichte Verluste hinnehmen. Am schlechtesten kamen Schwellenländer-Fonds weg, die in EUR Anleihen investieren bzw. für Euro-Anleger gehedgt sind. 

Schwaches Bond-Sentiment schlägt sich auf die Kauflaune nieder 

Das alles hat das Interesse von europäischen Anlegern an Rentenfonds merklich gedämpft. Nach den Rekordzuflüssen 2017 ist die Nachfrage regelrecht eingebrochen. Per Ende September war die Absatzbilanz für Rentenfonds nur dank der hohen Nachfrage im Januar mit einem Plus von 8,8 Milliarden Euro positiv. Im September musste die Branche zum zweiten Monat in Folge Abflüsse hinnehmen. Im bisherigen Jahresverlauf gab es vier Monate mit negativen Vorzeichen im Vertrieb. 

Besonders bemerkenswert ist, dass die sinkenden Absatzzahlen bei Rentenfonds in Europa auf die Rückgabe von Anteilsscheinen von aktiv verwalteten Rentenfonds zurückgingen. So mussten in diesem Jahr aktiv verwaltete Produkte per Ende September Abflüsse von gut 13 Milliarden Euro hinnehmen. Renten-Indexfonds setzten dagegen in diesem Jahr ihre Erfolgsgeschichte fort. Sie verbuchten Zuflüsse in Höhe von knapp 22 Milliarden Euro. Mit einer organischen Wachstumsrate von 7,2 Prozent war das Wachstum der Indextracker dynamisch, zumal im Vergleich mit aktiv verwalteten Rentenfonds, deren organische Wachstumsrate bei minus 0,6 Prozent lag. 

Neben Hochzinsfonds wurden flexible Rentenfonds bei den aktiv verwalteten Produkten besonders stark verkauft. Anleger setzen also auch bei Rentenfonds zunehmend auf billiges Markt-Exposure. Skeptischer werden dagegen offenbar die unsicheren Alpha-Perspektiven von aktiv verwalteten Fonds beurteilt. Die häufig geäußerte These, wonach Index-Investments in Zeiten tiefer Renditeniveaus zu riskant seien, scheint in diesen Zeiten offenbar nicht mehr zu gelten. 

Tabelle: Die Absatzbilanz der größten Rentenfondskategorien in diesem Jahr

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.