Drei Strategien für das neue Zinsumfeld

Auch in der Eurozone werden zumindest mittelfristig die Renditen steigen. Nach Jahren expansiver Geldpolitik sollten sich Bond-Anleger hierzulande darauf einstellen. Drei Szenarien für ETF-Anleger.

Jose Garcia-Zarate 06.11.2018

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die monatlichen Anleihenkäufe auf ein Volumen von nunmehr 30 Milliarden Euro pro Monat gekürzt, und sie wird das Quantitative Easing Programm aller Voraussicht nach zum Jahresende auslaufen lassen. Auch wenn die Konjunktur in der Eurozone nicht mehr so robust wie zu Jahresanfang erscheint, stehen die Zeichen auf steigende Renditen und auch steigende Zinsen am kurzen Ende. In der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres dürfte der Abschied von der Nullzins-Politik endlich erfolgen. 

Die neue EZB-Politik hat Konsequenzen für auf Euro lautende festverzinsliche Anlagen. Höhere Zinsen drücken den Kurs bestehender Anleihen nach unten. Typischerweise gehen die Anleihekursschwankungen den politischen Entscheidungen voraus, da die Marktteilnehmer ihre Erwartungen im Voraus einpreisen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Anleger die Bond-Allokation auf ein Szenario mit höheren Zinsen ausrichten können. In diesem Beitrag diskutieren wir drei Strategien, die mit ETFs umgesetzt werden können. Die Strategien folgen unterschiedlichen Anlagezielen, und ihre Umsetzung hängt auch von der Risikobereitschaft der Anleger ab. 

1. Die Duration verkürzen 

Die Duration misst die Sensitivität von festverzinslichen Vermögenswerten gegenüber Zinsänderungen; sie gibt die ungefähre Kursänderung einer Anleihe als Reaktion auf eine Zinsänderung von 1,00 Prozent an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Duration zu berechnen. Man unterscheidet zwischen der effektiven Duration, der modifizierten Duration und der Macaulay-Duration. Die Unterschiede zwischen ihnen sind jedoch minimal und sollten uns nicht von der Grundidee ablenken, dass Anleihekurse und Zinssätze in einem inversen Verhältnis zueinanderstehen. Unterstellen wir also, dass ein Zinsanstieg von einem Prozent bei einem Portfolio mit einer durchschnittlichen Duration von acht Jahren einen Preisabschlag von acht Prozent nach sich zieht. 

Angesichts dieser Beziehung optimieren einige Anleger die Duration ihres Bond-Portfolios als Reaktion auf erwartete Zinsänderungen. Eine Verkürzung der Duration in Zeiten steigender Zinsen dämpft den Abwärtstrend der Anleihekurse, während eine Verlängerung in Zeiten fallender Zinsen den Aufwärtstrend verstärkt.  

ETFs sind praktische Werkzeuge, um Durationsstrategien zu implementieren. Es gibt viele kostengünstige ETFs, welche die Performance von abgegrenzten Laufzeitsegmenten von Staats- und Unternehmensanleihenmärkten messen. Diese ETFs können verwendet werden, um die Duration eines Portfolios präzise zu adjustieren. 

Schauen wir uns ein einfaches Beispiel an. Ein Investor hält 10.000 Euro in einen ETF auf Staatsanleihen der Eurozone. Die iShares Core EUR Government Bond, Lyxor EuroMTS All-Maturity Investment Grade und die Xtrackers Eurozone Government Bond ETFs – allesamt halten das Morningstar Analyst Rating „Gold“ - bilden Indizes mit einer durchschnittlichen Laufzeit von gut 9,3 Jahren ab. 

Durch die Umschichtung von 5.000 EUR in einen ETF, der ein Laufzeitsegment von 1 bis 3 Jahren abbildet - zum Beispiel der iShares EUR Government 1-3y, Lyxor EuroMTS 1-3y oder Xtrackers Eurozone Government Bond 1-3y mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 1,8 Jahren – würde die Gesamtdauer auf 5,6 Jahre sinken. Dadurch würde der Kursrückgang des Bondportfolios bei einem Zinsanstieg von 1,00 Prozent um fast 3 Prozentpunkte verringert werden. Indes würden die Diversifikationsvorteile einer Anlage in festverzinsliche Papiere im Portfolio erhalten blieben.  

Tabelle: Die zehn größten EUR-Kurzläufer ETF am Markt

2. Das Zinsrisiko gänzlich eliminieren

Einige Anleger schaudern beim bloßen Gedanken an steigende Zinsen, wollen aber dennoch die potenziellen Vorteile höherer Renditen nutzen. Anleger, die das Zinsrisiko eliminieren wollen, können Floating Rate Notes (FRNs) oder Rentenfonds mit eingebautem Zinssicherungsgeschäft in Betracht ziehen. Beide sind im ETF-Wrapper erhältlich.

Floating Rate Notes (FRNs) sind Anleihen mit einem variablen Kupon, der an einen Standard-Geldmarktsatz plus einen festen Spread gekoppelt ist. Der Kupon passt sich periodisch an Zinsänderungen an. Infolgedessen haben FRNs eine Laufzeit von nahezu Null, so dass die Anleger ausschließlich dem Kreditrisiko der emittierenden Unternehmen ausgesetzt sind. Logischerweise steigt die Nachfrage nach FRNs in Zeiten steigender Zinsen. FRNs werden meist von Unternehmen ausgegeben. In Europa sind die wichtigsten Emittenten Finanzinstitute.

Für dieses Szenario bieten sich inzwischen vier ETFs an, die ein Engagement im auf Euro lautenden Investment-Grade-FRN-Markt anbieten: der Lyxor Barclays Floating Rate EUR 0-7y und der Amundi Floating Rate Euro Corporate 1-3y. Beide bilden die Indizes synthetisch ab. Wer diese Strategie bei US-Bonds umsetzen will, kommt wegen des Währungsrisikos in ganz andere Risikogefilde, profitiert aber von den deutlich höheren Zinsen in den USA - und vielleicht finden manche Anleger eine Währungsdiversifikation reizvoll?

Tabelle: ETFs, die auf Floater setzen

Da ein Investment in FRN jedoch ein gewisses Timing-Risiko beinhaltet - kein Mensch kann die tatsächliche Zinsentwicklung voraussagen -, können sich Anleger, die das Zinsrisiko prinzipiell absichern wollen, auf ETFs setzen, die ein Engagement auf dem Markt für festverzinsliche (d.h. traditionelle) Unternehmensanleihen ermöglichen. Hier gibt es sowohl Produkte für Dollar- als auch für Euro-Bonds. 

Tabelle: ETF für die Null-Durations-Lösung

 3. Nichts tun

Das klingt vielleicht nicht so sehr nach einer Strategie. Anleger, die Anleihen lediglich als Gegengewicht (d.h. als Versicherungspolice) zur Aktienvolatilität und nicht als Renditetreiber nutzen, können es sich leisten, nicht auf Zinsschwankungen zu achten.

Für diese Art von Anleger könnte ein passiver One-Stop-Shop-Fonds mit breiter Laufzeit und niedrigen Kosten wie der iShares EUR Aggregate Bond ETF oder der SPDR EUR Aggregate Bond ETF attraktiv sein. Dies ist der ultimative "Buy and forget about it"-Produkttyp, der es Investoren ermöglicht, alle ihre Energien auf den Aktienteil des Portfolios zu konzentrieren. Das setzt voraus, dass Anleger sich in ihren Renditeerwartungen bescheiden geben müssen. Für diese konservativen Investoren verbietet sich dann auch das Thema Fremdwährungen, weil diese das Bond-Risiko überlagern und dem Bond-Portfolio eine ganz andere Risiko-Note geben. Aber wem das Thema Diversifikation wichtig ist, ist vielleicht bereit, die Performance-Kröte zu schlucken, die mit einem breit diversifizierten Bond-ETF für die kommenden Jahre verbunden ist?

Tabelle: Breit diversifzierte ETFs für die Aktiendiversifikation

 

 

 

 

 

Über den Autor

Jose Garcia-Zarate  is an ETF analyst with Morningstar UK.