Schwellenländer-Renten: Rückkehr zum Realismus

Nachdem sich Schwellenländer-Anleihen in den vergangenen Jahren zu Anlegerlieblingen gemausert hatten, war in diesem Jahr Katzenjammer angesagt. Doch ungeachtet teils herber Rückschläge lohnt ein Investment in dieses Marktsegment. Wir haben einige interessante Investment-Möglichkeiten herausgefiltert.

Ali Masarwah 09.11.2018

Die Schwellenländer-Story wird regelmäßig als eine der größten wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten der letzten drei Jahrzehnte hervorgehoben. Weitgehende Liberalisierungsmaßnahmen haben dazu beigetragen, dass ausländische Finanzinvestoren an dieser Wachstumsstory partizipieren können, und dazu zählen auch Anleihen aus den Schwellenländern, die inzwischen längst keinen Exotenstatus in heimischen Portfolios mehr haben. 

Angelockt werden Fondsanleger von den höheren Renditen, die Schwellenländer-Bonds bieten. Insbesondere die expansive Geldpolitik der Notenbanken in den Industrieländern hat in den vergangenen zehn Jahren einen regelrechten Run auf Emerging Markets Bonds bewirkt. Fonds, die in Hartwährungsemissionen investieren, sind in Europa inzwischen die elftgrößte Fondskategorie mit einem verwalteten Vermögen von 149 Milliarden Euro (per Ende September). Rentenfonds, die in lokale Währungen investieren, landen mit 84 Milliarden Euro zwar nur auf Rang 31, aber die Zuflüsse waren in den vergangenen Jahren auch hier überdurchschnittlich hoch. 

Vor allem in diesem Jahr wurden Investoren durchgeschüttelt 

Doch überdurchschnittliche Renditen sind bekanntlich nicht ohne Risiken zu haben. Das hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, und zwar vor allem dann, wenn die Zinsen in den Industrieländern anstiegen bzw. wenn Anleger mit steigenden Renditen rechneten und sich entsprechend in heimische Bondmärkte zurückkehrten. So zuletzt geschehen im Sommer 2013, Winter 2016 und in diesem Jahr. Die steigenden Zinsen in den USA haben in diesem Jahr Investoren in Schwellenländer Bonds kräftig durchgeschüttelt, vor allem solche, deren Fonds in lokalen Währungen engagiert sind und die sowohl von fallenden Kursen und einbrechenden Währungen beeinträchtigt wurden. 

Zwar gelten generell die Länder mit diversifizierten Volkswirtschaften, Leistungsbilanzüberschüssen und beträchtlichen Devisenreserven als widerstandsfähig. Dennoch sind die typischen Schwellenländer-Risiken auch in solchen Volkswirtschaften nicht verschwunden – im Zweifel heißt es: mitgehangen, mitgefangen. 

Es spricht einiges dafür, dass Investoren ihre bisherige Investmentthese für Schwellenländer überdenken sollten. Der bisherige wirtschaftliche Erfolg beruhte auf einem exportorientierten Modell. Seit 2008 haben Schwellenländer, die über eine ausreichend diversifizierte Struktur verfügen - d.h. mehr als nur Rohstoffe produzieren - den Fokus auf inländische Wachstumsquellen gelegt. Der Übergang zu einem neuen Wirtschaftsmodell ist schwierig und wird wahrscheinlich viele Jahre dauern. Dies erklärt die vergleichsweise niedrigeren erwarteten Wachstumsraten für viele Schwellenländer in Zukunft. Es gibt heute also andere Gründe als früher für Investitionen in Schwellenländern. 

Darüber hinaus können Maßnahmen dieser Länder zur Ankurbelung der Inlandsnachfrage zu höheren Staatsausgaben führen, was die Bewertungen von Anleihen belasten könnte. Unabhängig davon, ob die Emission von Anleihen in US-Dollar oder lokaler Währung erfolgt, müssen Anleger in Schwellenländern die Entwicklung des Devisenmarktes genau beobachten, nicht zuletzt deshalb, weil der geldpolitische Normalisierungsprozess der Geldpolitik in den USA Schwellenländer weiter unter Druck setzen könnte. Anleger sollten sich also mit dem Gedanken anfreunden, dass sich die nach wie vor lohnenden Märkte in Zukunft von ihrer ruppigen Seite zeigen werden – was für Value-orientierte Investoren freilich Chancen bringt.

Im Folgenden präsentieren wir Ihnen eine Auswahl an Rentenfonds, die in Schwellenländer Bonds investieren und positive Morningstar Analyst Ratings halten. Die obere Tabelle deckt den Markt für Hartwährungsfonds ab, die untere enthält empfehlenswerte Fonds für lokale Währungen. Beide Tabellen umfassen aktiv verwaltete Fonds und Indextracker. Auch diese Fondskategorien werden zunehmend von günstigen Indextrackern erschlossen. Bei Hartwährungs-Fonds beläuft sich die Indexfondsquote inzwischen gut 11,5 Prozent. Bei Fonds für lokale Währungen liegt sie sogar bei knapp 14 bei Prozent. Und in beiden Kategorien steigt der Marktanteil der passiven Investments stetig. In beiden Tabellen haben wir die Fonds und die wesentlichen Kennzahlen aufgeführt. Die Sortierung erfolgt absteigend nach verwaltetem Vermögen. Die Hyperlinks hinter dem Fondsnamen führen zu den Fondsportraits auf morningstar.de. 

Tabelle: Eine Auswahl gut bewerteter Fonds für Hartwährungsanleihen

 

Templeton Emerging Markets Bond 

Der Fonds verliert zum Jahresende mit Sonal Desai einen erfahrenen Manager. Desai wird künftig als CIO der Fixed-Income-Gruppe des Unternehmens fungieren. Der Fonds bleibt indes unter der Leitung von Michael Hasenstab, der bereits 1995 zu Templeton kam und als ausgezeichneter Bond-Spezialist gilt (er wurde 2010 als Morningstar U.S. Fixed-Income Fund Manager of the Year ausgezeichnet). Neben diesem Fonds managt er mit Erfolg den Templeton Global Bond („Silver“-Rating) und den Templeton Global Total Return („Bronze“). 

Die Erfahrung des sechsköpfigen Analystenteams sowie die umfangreichen Handels- und Risikomanagement-Ressourcen der Templeton Gruppe sind beachtlich. Seit den Anfängen verfolgt Hasenstab einen benchmarkunabhängigen Ansatz und baut das Portfolio mittels einer antizyklischen, fundamental ausgerichteten Strategie auf. Sie ist davon geprägt, Gelegenheiten in ungeliebten und illiquiden Märkten zu finden. Dabei gibt das Team den Investmentthesen unter Umständen mehrere Jahre, sich zu entfalten. So blieb das Team beispielsweise 2014/15 bei seiner fast zehnprozentigen Beteiligung an vom Konflikt mit Russland schwer getroffenen Ukraine, auch, als das Land seine Schulden umstrukturierte. Auch hielt der Fonds während der jüngsten politischen Turbulenzen an argentinischen lokalen Anleihen (15 Prozent des Portfolios) fest. 

Eine solche Strategie fordert von Anlegern einiges ab an Geduld. Sie müssen bereit sein, längere Perioden mit schlechter Performance zu überstehen, wie dies in den Jahren 2014, 2015 und 2018 bis September der Fall war. Trotz hoher Gebühren und relativ schlechter Performance in den letzten Jahren wird dieser Fonds von einem kompetenten Manager geleitet, der einen robusten Ansatz verfolgt. Der Fonds bleibt eine solide Option für risikotolerante Anleger. Vor allem aufgrund der hohen Gebühren kommt der Fonds indes nicht über ein Morningstar Analyst Rating „Bronze“ hinaus.

iShares J.P. Morgan $ EM Bond UCITS ETF 

Das zweithöchste Analyst Rating „Silver“ zeigt, dass Schwellenländer-Investments nicht immer aktiv verwaltet sein müssen. Auch wenn die Verfechter aktiver Investmentansätze bei Schwellenländer Bonds von passiven Ansätzen abraten, haben breit diversifizierte Indizes Vorteile. Dieser ETF hat in der Vergangenheit einen diversifizierten und soliden Zugang zu Dollar-denominierten Schwellenländeranleihen geliefert und dabei viele aktive Pendants outperformt. 

Der ETF bildet eine wichtige Standard-Benchmark der Fondskategorie ab, den J.P. Morgan EMBI Global Core Index, der die Performance der liquidesten staatlichen und semi-staatlichen Emissionen (in USD) mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde USD und einer Restlaufzeit von mindestens 2,5 Jahren widerspiegelt. Infrage kommen Staaten mit niedrigem oder durchschnittlichem Pro-Kopf-Einkommen oder solchen, die in den vergangenen Jahren eine Umschuldung vornehmen mussten. Der Index wird physisch repliziert, wobei iShares die Sampling-Methode anwendet, also eine repräsentative Auswahl an Indexbestandteilen in den ETF aufnimmt. Im Ergebnis hält dieser ETF rund 700 Bonds mit einem Gewicht von zwischen 0,02 und 2,0 Prozent; das Ländergewicht liegt zwischen einem und sieben Prozent. 

Die Kosten dieses ETFs in Höhe von 0,45 Prozent sind sehr niedrig im Vergleich zu den Kosten aktiv verwalteter Fonds, sie befinden sich allerdings in der oberen Kostenspanne für ETFs dieser Kategorie. Neue ETFs in dieser Kategorie kosten typischerweise zwischen 0,25 und 0,3 Prozent pro Jahr. Insgesamt halten wir diesen ETF für eine gute Wahl und erwarten, dass er auch künftig seine Vergleichsgruppe, die überwiegend aus aktiv verwalteten Fonds besteht, über einen gesamten Marktzyklus übertreffen kann. 

Vontobel Emerging Markets Debt

Dieser Fonds ist vor allem wegen der von Lead Manager Luc D'hooge entwickelten Strategie empfehlenswert. Auch tragen die unterdurchschnittlichen Gebühren zur Attraktivität des Fonds bei, der das Morningstar Analyst Rating „Bronze“ hält. D'hooge und Co-Manager Wouter van Overfelt verwalten diesen Fonds seit seiner Auflegung 2013. Zuvor hatte D’hooge bereits bei Candriam von 2002 bis 2013 Hartwährungsanleihen mit überdurchschnittlichen Ergebnissen verwaltet. Obwohl es nicht zu den größten Teams in der Kategorie gehört, glauben wir, dass die Vontobel-Manager über ausreichende Ressourcen verfügen. Zu bedenken ist allerdings, dass das Team in der jetzigen Zusammensetzung aufgrund einiger Umstrukturierungen noch nicht lange zusammenarbeitet, was der Person D'hooge eine umso größere Bedeutung verleiht. Wir schätzen die Tatsache, dass die Manager persönlich in dem Fonds investiert sind, was dazu beiträgt, ihre Interessen mit denen der Anleger in Einklang zu bringen. 

Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten, die auch lokale Währungen beimischen, konzentriert sich dieser Fonds weitgehend auf Hartwährungsanleihen. Der Fonds investiert nur in Papiere, von denen die Manager überzeugt sind. Dabei setzen sie auf Relative-Value-Wetten, was bedeutet, dass sie immer auf der Suche nach fehlbewerteten Wertpapieren, Währungen, Zinskurven und Emittenten sind. Mit dem stark bottom-up getriebenen Prozess konnte der Fonds eine lange und überzeugende Erfolgshistorie aufbauen; seit Auflegung im Juni 2013 hat der Fonds den Durchschnitt der Kategorie und auch die Benchmark übertroffen. Die Suche nach werthaltigen Investments hat unter anderem dazu geführt, dass Emittenten von weniger liquiden Frontier-Märkten höher gewichtet wurden, was das Risiko des Fonds erhöht. Wir werden dies in Zukunft aufmerksam verfolgen, zumal die Strategie erheblich an Größe gewonnen hat. 

Tabelle: Eine Auswahl gut bewerteter Fonds für lokale Währungen 

GAM Multibond Local Emerging Bond

Der Fonds wird von einem der erfahreneren und stabileren Teams in dieser Kategorie geleitet. Lead Manager Paul McNamara verantwortet die Strategie seit ihrer Auflage im Jahr 2000. Die Manager orientieren sich am J.P. Morgan GBI Emerging Markets Global Diversified Index und bauen selektiv Über- und Untergewichte für bestimmte Länder auf. Insgesamt ist die Strategie flexibel, was die Off-Benchmark-Wetten zeigen, etwa die rund zehnprozentige Position in indischen Staatsanleihen, die 2015 aufgebaut wurde. Dennoch neigen die Manager bei den riskanteren und weniger liquiden Ecken des Marktes, wie nigerianischen oder uruguayischen Anleihen, dazu, ihre Positionsgrößen auf wenige Prozentpunkte zu beschränken. 

Auch wenn McNamaras Team es vorzieht, die Fremdwährungsrisiken des Fonds direkt durch Investitionen in lokale Anleihen aufzubauen, haben sie die Freiheit, Exposure durch Devisentermingeschäfte aufzubauen. In der Vergangenheit hat das Engagement in diesen Instrumenten maximal etwa 20 Prozent der Vermögenswerte des Fonds erreicht.  

Langfristig hat der Fonds durchweg solide Ergebnisse erzielt. Über drei, fünf, zehn und 15 Jahre liegt der Fonds in oder in der Nähe des Top-Performance-Quintils seiner Kategorie. Der Erfolg hat die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gezogen, und inzwischen ist die Strategie mit einem Vermögen von mehr als 8,7 Milliarden US-Dollar eine der größten Lokalwährungsstrategien weltweit. Wenig erfreulich ist die hohe Gebühr des Fonds, die fast 50 Basispunkte über dem Median der Morningstar Kategorie liegt. Diese hohe Gebühr hindert uns daran, das Morningstar Analyst Rating über die Note „Bronze“ zu erhöhen. 

iShares J.P. Morgan EM Local Govt Bond UCITS ETF

Die Argumente für einen passiven Ansatz bei der Investition in Staatsanleihen, die in lokalen Währungen denominiert sind, überzeugen, und dieser iShares ETF stellt eine interessante Anlageoption dar. Im Juli 2017 wurde der ETF vom Barclays EM Local Currency Core Government Bond Index auf den JP Morgan EM GBI-EM Global Diversified 10% Cap 1% Floor umgestellt. iShares erachtete den vorherigen Index als nicht genügend diversifiziert. 

Der JP Morgan Index umfasst eine größere Anzahl von Ländern und begrenzt das Länderexposure auf zehn Prozent, was eine Konzentration in einem einzigen Land vermeidet und bedeutet, dass nur ein begrenzter Teil der Schulden eines Landes in die Indexkalkulation einfließt. Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen die Bonds ein Mindestvolumen von einer Milliarde US-Dollar für lokale Emissionen oder 500 Millionen US-Dollar für globale Emissionen aufweisen und zum Zeitpunkt der Aufnahme eine Mindestrestlaufzeit von 13 Monaten aufweisen. Der Index stellt keine Anforderungen an die Bonität, was bedeutet, dass er auch Emittenten ohne Investment-Grade-Rating aufnimmt. Der Index wird monatlich angepasst. 

Unsere positive Einschätzung des Benchmarkwechsels sowie eine wettbewerbsfähige laufende Gebühr von 0,50 Prozent stimmen uns zuversichtlich, dass der Fonds in der Lage sein wird, langfristig risikoadjustierte Renditen zu erzielen, die über dem Kategoriedurchschnitt liegen. Wir haben auch eine positive Sicht auf das Management-Team von iShares. Der ETF hält ein Morningstar Analyst Rating „Silver“. 

SPDR® Bberg Barclays Emerging Markets Lcl Bd

Auch dieser ETF hält das Morningstar Analyst Rating „Silver“. Wir haben eine positive Einschätzung der Fähigkeiten des Management-Teams von State Street. Der ETF bildet eine diversifizierte Benchmark ab und seine laufende Gebühr von 0,55 Prozent, obwohl nicht die günstigste für einen passiven Fonds, ist im Vergleich zu den anderen Fonds der Morningstar-Kategorie wettbewerbsfähig. 

Der Barclays Emerging Markets Local Currency Liquid Government Bond Index misst die Performance von festverzinslichen Staatsanleihen in lokaler Währung, die von Schwellenländern mit den liquidesten Märkten ausgegeben werden. Die Bonds müssen ein Mindestmarktvolumen in lokaler Währung in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar haben. Der Index umfasst sowohl Investment-Grade- als auch Non-Investment-Grade-Emittenten. Zu seinen Bestandteilen zählen nicht nur die Länder, welche vom IWF oder der Weltbank als Schwellenländer definiert werden, sondern auch Länder, die zwar nicht offiziell als Schwellenländer eingestuft sind, aber von Anlegern aufgrund von Investitionshürden, Kapitalverkehrskontrollen und/oder geografischen Erwägungen so gesehen werden. Die Anleihen müssen eine Mindestrestlaufzeit von einem Jahr und ein ausstehendes Volumen in Höhe von mindestens einer Milliarde Dollar aufweisen. Der Index wird nach der Schuldenkapitalisierung gewichtet, wobei ein Emittenten-Cap von zehn Prozent gilt. Der Index wird monatlich angepasst. 

Der Index, den SPDR verfolgt, ist die Brutto-Version, die keine Berücksichtigung bei Steuerzahlungen findet, welche der ETF indes leisten muss. Das ist der Grund, warum das Tracking des ETF auf den ersten Blick nicht beeindruckend erscheint.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.