Mischfonds im Allwettertest

Im letzten Teil unserer Serie zu flexiblen Mischfonds untersuchen wir das Verhalten der Fonds in den unterschiedlichen Marktphasen seit 2003. 

Ali Masarwah 07.12.2012

Mit dem dritten Teil setzen wir den Schlusspunkt zu unserer großen Mischfonds-Analyse. Heute werden wir der Frage nachgehen, welche Fonds am ehesten dem Anspruch der Fondsbranche gerecht werden, mit „Allwetterfonds“ das Optimum für den Anleger herauszuholen. Denn wer diese Fonds kauft, setzt auf das Können der  Fondsmanager, die besten Opportunitäten an den Aktien- und Bond-Märkten wahrzunehmen. Erlaubt ist bei flexiblen Mischfonds, die Aktienquote zwischen 0 und 100% zu steuern.

Die Suche nach dem optimalen Mischfonds hat sich bisher als außerordentlich schwierig erwiesen. Zur Erinnerung: Wir haben im ersten Teil unserer Serie die Gruppe der flexibel in Aktien und Bonds investieren Fondsgruppe in ihrer Gesamtheit unter die Lupe genommen. Das Rendite-Risiko-Profil der Fondskategorie ist äußerst ungünstig und sollte Anleger vor zu viel Vertrauen in die Fähigkeiten der Fondsmanager warnen. Die vermeintlichen Alleskönner haben im Durchschnitt in keiner Phase seit 2003 Mehrwert gegenüber einer starren 50:50-Aktien-Renten-Benchmark geschaffen (lesen Sie hier mehr).

Im zweiten Teil haben wir uns die Fonds mit der besten Performance zwischen April 2003 und September 2012 vorgenommen. Wir wollten sehen, ob sich aus den Fonds des ersten Quartils der flexiblen Mischfonds bestimmte Muster ablesen lassen, die Anleger als Richtschnur bei ihrer Fondsauswahl verwenden können. Das Ergebnis war auch hier ernüchternd. Zum einen zeigte die Untersuchung, dass die langfristig besten Fonds sehr heterogen sind und kaum Gemeinsamkeiten aufweisen. Zudem basiert ihre Outperformance gegenüber einem 50:50-Index auf einem überproportional hohen Risiko. Eine Randnotiz: Die langfristig erfolgreichsten Fonds hatten seit dem vergangenen Herbst große Probleme, an ihre Erfolgsbilanz anzuknüpfen  (lesen Sie hier mehr).

Da wir nicht die Flinte ins Korn werfen wollen, läuft unsere Suche nach der Outperformance-Formel also auf die Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen hinaus. Wir untersuchen nunmehr alle 81 Fonds der Morningstar Kategorie „Mischfonds flexibel“ mit einer Performance-Historie seit April 2003. Dabei prüfen wir das Verhalten der Fonds in jeder der folgenden Marktphasen:

April 2003 bis Ende 2007: Die Liquiditätshausse in Reinform: Die Zeit des billigen Geldes nach dem Platzen der Dot-Com-Blase treibt die Aktienmärkte in Richtung alte Rekordhochs. Der Dax steigt bis Ende 2007 wieder auf 8.000 Punkte. Der gut vierjährige Trend liefert den Stoff, aus dem Outperformer-Heldengeschichten gemacht sind. Doch da die Erinnerung verblasst, werden wir diese Phase nicht länger vollwertig gewichten: Fonds, die zwischen 2003 und 2007 zurückgeblieben sind, aber hiernach ein günstiges Rendite-Risiko-Profil aufweisen, werden wir nicht per se auf der Suche nach dem Alleskönner-Fonds ausschließen.

Anfang 2008 bis März 2009: Die Liquiditätsparty erhält bereits im Mitte 2007 einen ersten Dämpfer. Mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA und dem Anfang der Liquiditätsklemme geht es seit dem Sommer 2007 volatiler zu. Ab Januar 2008 wird endgültig das Lied von der Baisse gespielt. Vom Herbst 2008 bis zum Frühjahr 2009 geht es so richtig zur Sache. Allerdings kam der Crash weder markttechnisch noch makroökonomisch überraschend. Gelegenheiten gab es für die Asset-Allocation-Profis genug, vor dem Herbst 2008 den "risk-off"-Knopf zu drücken. Nicht vielen gelang das. Diese Phase hat für die Suche nach dem Alleskönner-Fonds große Bedeutung.

Interessanterweise lieferte die Finanzkrise 2008/09 eine Blaupause für das Verhalten vieler Fonds in der kurzen, scharfen Baisse im Sommer und Herbst 2011. Einige Fonds konnten adäquat auf beide Phasen reagieren (etliche andere freilich nicht).

April 2009 bis Juli 2011: Die rasante Erholung an den Märkten ab April 2009 nimmt die Wirtschaftserholung nach Verabschiedung der Konjunkturprogramme weltweit vorweg. Viele Auguren sind von der Robustheit des Aufschwungs überrascht. Die zwischenzeitlichen Korrekturen 2009, 2010 und 2011 sorgten - auch bei den Vermögensverwaltern - für Verwirrung, aber im Ergebnis legten die Märkte eine fulminante Erholung hin. Auch wenn wir grundsätzlich eine erfolgreiche Risikokontrolle in der Baisse für wichtiger halten als eine Outperformance in der Hausse, sollten flexible Mischfonds nicht gänzlich an der Außenlinie (sprich: im vierten Quartil) zwischen April 2009 und Juli 2011 gestanden haben.

August 2011 bis November 2011: Die eskalierende Schuldenkrise in der Eurozone sorgt für Turbulenzen. Diese kurze Korrektur lässt sich salopp als Miniatur-Finanzkrise bezeichnen. Während sich die Krise 2008-2009 über 15 Monate entfaltete (und sich bereits im Sommer 2007 ankündigte), gab die Eurokrise 2011 Fondsmanagern nur wenige Wochen bzw. Tage Zeit, ihre Portfolios wetterfest aufzustellen. Das war schwierig, aber gerade wer hier erfolgreich agierte, hat sein Können unter Beweis gestellt.

Dezember 2011 bis September 2012: Auf die Eskalation der Euro-Krise bis November 2011 folgte die Erleichterung über das Banken-Rettungsprogramm der Europäischen Zentralbank (LTRO I und II) im Dezember 2011. Die Freude währte allerdings nicht lange: Ab Mitte März dieses Jahres sackten die Aktienkurse bereits wieder ab, und im Sommer erreichte die Verunsicherung erneut einen Höhepunkt. Das Blatt wendete sich erneut, als EZB-Präsident Mario Draghi Ende Juli das Bekenntnis abgab, den Euro „um jeden Preis“ retten zu wollen. Bis Ende September, dem Ende unserer Untersuchung, schossen die Aktienkurse nach oben. Dieser Sägezahnmarkt war eine immense Herausforderung und brachte nicht nur die Trendfolger, sondern so manchen diskretionär agierenden Fondsmanager aus dem Konzept.

Wir wollen nun flexiblen Mischfonds mit Blick auf ihr Verhalten in den oben geschilderten Marktphasen zuleibe rücken. Dabei haben wir nicht nur die Fonds des ersten Performance-Quartils für die Zeit von April 2003 bis September 2012 betrachtet, sondern alle 81 Fonds, die eine Performance-Historie seit März 2003 aufweisen.

In unserem Ranking landen dabei nicht notwendigerweise die Fonds mit der höchsten Performance für den Gesamtzeitraum oben, sondern Fonds, die ein möglichst ruhiges Bild bieten: eine konstant gute Performance bei möglichst wenig Volatilität. Nicht berücksichtigt werden Fonds, die einmal im vierten Performance-Quartil gelandet sind. Angesichts der großen Bedeutung der Verlustvermeidung haben wir auch die Produkte, die in einer der beiden Baisse-Phasen im dritten Quartil landeten, ebenfalls aussortiert. Insgesamt durften sich die Fonds als „Ausrutscher“ nur eine Platzierung im dritten Performance-Quartil in einer von 2 Hausse-Phase erlauben. Eine schlechte Performance in der Hausse-Phase zwischen 2003 und 2007 war dann kein Ausschlusskriterium, wenn das Fonds-Risiko unterdurchschnittlich war. 

An dieser Stelle noch eine kurze Anmerkung zur Benchmark der flexiblen Mischfonds. Wer nach einem vermögensverwaltendem Fonds Ausschau hält, muss sich im Klaren sein, dass es sich nicht um einen Aktienfonds handelt, der einfach nur in Krisenzeiten „das Richtige“ macht. Flexible Mischfonds gegen einen Aktien-Indizes zu messen, führt unseres Erachtens in die Irre. Derartige Produkte sind erfahrungsgemäß zu volatil und erfüllen selten jene Schutzfunktion, die Anleger im Sinn haben, wenn sie einen derartigen Fonds kaufen.

Spiegelbildlich dazu bringen sehr konservativ agierende Fonds nur unterdurchschnittliche Ergebnisse, was die Frage aufwirft, ob Anleger, die einen ordentlichen Schuss Rendite brauchen, mit solchen Produkten gut bedient sind. Aus diesen Gründen war uns ein konstant gutes Rendite-Risiko-Profil bei der Auswahl wichtig: Beta-Jockeys und verkappte Rentenfonds landeten nicht auf dem Treppchen.

Hier geht es weiter zu den Ergebnissen unserer Mischfonds-Analyse

 

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Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich