Mischfonds im Allwettertest (Fortsetzung)

Bei flexiblen Mischfonds punkten nur wenige Fonds in allen Marktphasen. DWS Multi Opportunities II, LBBW Multi Global R und RAM liegen vorn. Der Abschluss unserer Mischfonds-Serie. 

Ali Masarwah 07.12.2012

Wir stellen Ihnen nun das Ergebnis unserer Suche nach den besten Allwetterfonds vor. Wir haben Mischfonds anhand ihrer Rendite-Risiko-Profile während verschiedener Marktphasen untersucht (hier gelangen Sie zu den Erläuterungen zur Einteilung der Marktphasen).

Unsere Untersuchung hat ergeben: Auch wenn es den perfekten „Wohlfühlfonds“ so nicht gibt, kommt die untere Fonds-Gruppe recht nah an diese Umschreibung heran. 10 von 81 flexiblen Mischfonds zeigen ein überdurchschnittliches, teilweise hervorragendes Rendite-Risiko-Profil.

Die Tabelle listet die Fonds auf, die in keiner der letzten 2 Hausse-Phasen (2009-2011; seit Dezember 2011) und in keiner der beiden letzten Baisse-Perioden (2008-2009; Sommer-Herbst 2011) im vierten Quartil gelandet sind. Fonds, die in Baisse-Phasen ins dritte Performance-Quartil gerutscht sind, haben wir ebenfalls nicht berücksichtigt. Die Fonds durften sich nur einen „Ausrutscher“, eine Platzierung im dritten Performance-Quartil, in einer der beiden Hausse-Phase erlauben. Eine schlechte Performance in der Hausse-Phase zwischen 2003 und 2007 war dann kein Ausschlusskriterium, wenn das Risiko unterdurchschnittlich war.

Tabelle: Die Top 10 Allrounder-Fonds 

Unsere Übersicht zeigt die flexiblen Mischfonds mit den höchsten Allrounder-Qualitäten. Nur 10 Produkte konnten uneingeschränkt überzeugen. Nur diese Fonds landeten in allen Marktphasen zwischen 2008 und 2012 in den ersten beiden Performance-Quartilen. Wer sich an die Tabelle der Fonds mit der besten Performance 2003 bis 2012 in Teil II unserer Serie erinnert, stellt fest, dass sich hier nur wenige Überschneidungen finden. Eine gute Performance ist eben nicht alles: viele der langfristigen Top-Performer zehren noch heute von ihrer Outperformance 2003 bis 2007, fallen aber wegen der hohen Volatilität durch unser Raster. Beta-Jockeys sind also kaum unter den Allrounder-Fonds zu finden.

DWS- und LBBW-Fondsmanager überzeugen mit solidem Handwerk

Besonders beeindrucken die beiden Fonds LBBW Multi Global R (Landesbank Baden-Württemberg) und der Multi Opportunities II (DWS). Sowohl mit Blick auf die Performance als auch die Volatilität landeten beide Fonds in jeder der letzten 4 Marktphasen in den ersten beiden Quartilen. Das schaffte kein anderer Fonds.

Im Vergleich der beiden Top-Fonds fällt die niedrigere Volatilität des von Jochen Wolf und Thomas Rademacher verantworteten LBBW-Fonds gegenüber dem von Arend Schmidt und Henning Potstada gemanagten DWS-Dachfonds Multi Opportunities II auf. Der DWS-Fonds, der vom Klaus-Kaldemorgen-Team verwaltet wird, konnte auch in der Zeit zwischen 2003 und 2007 eine gute Performance bei akzeptablem Risiko erwirtschaften, während das LBBW-Produkt in dieser anhaltenden Hausse das Risiko zu stark reduzierte und deshalb eine  unterdurchschnittliche Rendite erzielte.

Nicht alle Trendfolger schwächeln seit 2009

Angesichts der Probleme, die Trendfolgesysteme mit dem Sägezahn-Markt der vergangenen 18 Monate haben, erstaunt, dass mit dem von Leo Willert (Arts Asset Management) verantworteten RAM Wachstum ein Trendfolger nicht nur die höchste Sharp Ratio bei unter allen Mischfonds in den vergangenen 5 Jahren aufwies, sondern in allen Marktphasen zwischen 2008 und 2012 in den ersten beiden Performance-Quartilen landete. Auch 2003 bis 2007 zählte er zu den 50% besten Fonds. Lediglich beim Risiko-Maß Volatilität zeigte der RAM Wachstum Schwächen: In der Hausse-Phase 2009 bis 2011 lag der Fonds mit Blick auf die Standardabweichung im dritten Quartil.

Auch der GWP Fonds FT, ein Produkt von Frankfurt-Trust, das vom Königsteiner Trendfolge-Spezialisten Grohmann&Weinrauter gemanagt wird, zeigt ein gutes Rendite-Risikoprofil, auch wenn die Volatilität teilweise überdurchschnittlich hoch ausfällt. Vor allem 2011 war das Risiko hoch, was sich allerdings nicht negativ auf die Performance auswirkte. Auch dieser Trendfolger zählte zuletzt zu den wenigen überzeugenden prozyklischen Handelsmodellen am Markt.

Die Hausse-Phase 2003 bis 2007 verblasst

Dass die flexible Mischfonds mit den besten Rendite-Risiko-Profilen nicht unbedingt die höchste Performance erwirtschaften müssen, zeigen auch die Fonds Oppenheim Portfolio E und Raiffeisen Global Mix, die neben dem bereits erwähnten LBBW Multi Global nur im zweiten Performance-Quartil zwischen 2003 und 2012 gelandet sind. In den vergangenen 4 Marktphasen erwirtschafteten diese unscheinbaren Arbeiter indes angenehm stabile Renditen. Das gilt auch für den ESPA Portfolio Balanced 30, der auch nicht zu den besten Fonds 2003 bis 2007 zählte, insgesamt aber ein sehr ruhiges Rendite-Risiko-Profil aufweist. 

Wer bei Allwetter-Fonds Wert auf überdurchschnittliche Stärke in Aufwärtsphasen legt, dürfte mit dem RAM Wachstum, Multi Opportunities II und GWP Fonds besser bedient sein als mit konservativeren Fonds wie dem ESPA Portfolio Balanced, LBBW Multi Global oder Oppenheim Portfolio E.

Allerdings fällt auf, dass es auch diesen Fonds zumeist nicht gelang, die 50:50-Aktien-Renten-Benchmark zu übertreffen. In der Gesamtphase 2003 bis 2012 gelang das nur dem DWS Multi Opportunities II und dem RAM Wachstum. Der DWS-Fonds erzielte zwischen April 2003 und September 2012 pro Jahr 8,68% gegenüber 6,25% bei der Benchmark. Der RAM Wachstum lag mit einer Performance von 7,41% p.a. ebenfalls deutlich vor dem Index.

Zwischen Ende 2007 und September 2012 lag neben dem Multi Opportunities II und RAM Wachstum auch der LBBW Multi Global vor der Benchmark. Alle anderen Fonds hatten gegenüber dem Index das Nachsehen. Besser sah die Risiko-Bilanz der 10 Allrounder-Fonds aus, wie die untere Tabelle zeigt.

Tabelle: Indexperformance + X? Diese Gleichung ging eher selten auf

   

Langjährige Outperformer weisen häufig hohe Risiken auf

Gänzlich durch den Rost gefallen sind indes 2 Fondsgruppen; solche, die entweder zu aggressiv waren und nicht das Anlegervermögen schützen konnten, sowie Fonds, die zu konservativ aufgestellt waren. Zur ersten Gruppe gehören Fonds wie der Multiadvisor Sicav – Esprit, der sogar auf Platz 1 des Performance-Rankings für 2003 bis 2012 landet. Das Risiko - gemessen in Draw-downs und Volatilitäten - war 2008/09 und 2011 sehr hoch. Zu hoch, um als Allwetterfonds durchzugehen. Das gilt auch für den Plusfonds, Fondra, Best-in-One-Europe-Balanced und R Club R. Diese Fonds waren langfristig gute Performer, zeigten aber leider nicht nur in Aufwärtsphasen aktienähnliche Profile. Dies geht aus der Tabelle hervor, die die Bilanz der langjährigen Top-Performer in den beiden Baisse-Phasen 2008/09 und 2011 illustrieren. Outperformance ist eben nicht alles!  

Tabelle: Volatile Outperformer: Viele Top-Fonds fallen in der Baisse zurück

Anleger haben es bei solchen Produkten im Grunde mit verkappten Aktienfonds zu tun und müssen insofern selber den Ausstiegszeitpunkt bestimmen. Aber genau das ist nicht der Sinn eines flexiblen Mischfonds. Wer sich für ein derartiges Produkt entscheidet, will die Verantwortung für das Market Timing delegieren und eben nicht selbst die Reißleine ziehen müssen. (Dass Anleger selten den richtigen Ausstiegszeitpunkt bei Fonds finden, ist hinlänglich bekannt.)

Auch zu wenige Risiken bringen Anleger keinen Mehrwert

Spiegelbildlich dazu konnten auch die allzu konservativen Fonds nicht punkten, da sie die Renditeerwartungen vieler Anleger verfehlt haben dürften, die einen flexiblen Mischfonds kaufen. Beispielhaft dafür steht der M&W Capital, der zwar in Baisse-Phasen zu den besten Fonds gehört, sich aber in den letzten Aufschwungphasen 2009-2011 und 2011-2012 sich so gut wie nicht von der Stelle bewegte. Bei aller Hochachtung für die Performance des Produkts aus dem Hause Mack&Weise in turbulenten Phasen: Wer ein flexibles Asset-Allocation-Produkt verantwortet, muss zumindest ansatzweise in den Aufwärtsphasen mitschwimmen. Unter allen langfristig erfolgreichen Mischfonds war der M&W Capital der einzige, der von Dezember 2011 bis Ende September 2012 sogar eine negative Performance aufwies.

Auch die Kosten nicht aus dem Blick verlieren

Eine interessante Fußnote am Rande: Gepunktet haben in unserer Untersuchung vor allem kostengünstige Fonds. Wie die untere Übersicht zeigt, sind mit Ausnahme des sehr teuren RAM Wachstum und dem überdurchschnittlich teuren Raiffeisen-Global-Mix die Fonds mit dem besten Rendite-Risiko-Profil zugleich die günstigsten der Vergleichsgruppe. Sie sind im ersten oder zweiten Kosten-Quartil angesiedelt, wie aus der grünen bzw. blauen Unterlegung der Felder hervorgeht. 

Tabelle: Die meisten Top-Fonds sind günstig

Dies bestätigt unsere Maxime, wonach niedrige Kosten das A und O der Fonds-Performance sind – die Höhe der Kosten ist einer der wichtigsten Indikatoren für die künftige Wertentwicklung eines Fonds (lesen Sie hier mehr)! 

Besonders sticht dieser Umstand beim Multi Opportunities II der DWS ins Auge. Der Fonds, der ursprünglich für einen relativ überschaubaren Investorenkreis und nicht für den Breitenvertrieb aufgelegt wurde (und dennoch heute überall auf Nachfrage erhältlich ist), weist eine sehr günstige Management Fee von 0,85% pro Jahr auf. Vor diesem Hintergrund wird es interessant sein, die Bilanz dieses Fonds mit der des neuen und ungleich teureren Multi-Asset-Fonds DWS Concept Kaldemorgen (1,5% plus Performance Fee) im Zeitverlauf zu vergleichen. Beide Fonds verfolgen das identische Ziel, auch wenn sie unterschiedliche Instrumente einsetzen. Wir prognostizieren, dass es der DWS Concept Kaldemorgen gegen diesen wendigen Billigheimer schwer haben wird!

Und die Moral der Geschichte? Wir haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass sich die Geister an flexiblen Mischfonds scheiden. Die Trüffelsuche nach den Allwetterfonds, wie wir sie vorgenommen haben, ist mühsam. Viele Investoren, die nicht auf unser Research zurückgreifen, dürften von einer derart feingliedrigen due diligence überfordert sein. Ihnen sei – erneut – wärmstens ein Do-it-yourself-Ansatz mit einem ETF-Portfolio ans Herz gelegt. 

Investoren, die sich die Mühe einer gründlichen Prüfung der Anlagekonzepte ersparen möchten, können also getrost ein ETF-Portfolio konstruieren, das aus einem ETF auf den MSCI Welt und einem breit streuenden Bond-ETF, etwa auf den Index Barclays Euro Aggregate TR, besteht. Wer so vorgeht und auf diese 2 Indizes setzt, hat sich bereits ein absolut effizientes Portfolio gebaut, das aus rund 3.000 Titeln besteht. Sie müssen dann nur einmal im Jahr das Ausgangsportfolio wieder auf den 50:50-Ursprung zurückführen. Ein derartiges Rebalancing bringt ein nicht zu unterschätzendes antizyklisches Moment in Ihr Portfolio! 

Wir wollen dennoch alle anderen Anleger ermutigen, die Suche nach guten Fonds nicht aufzugeben. Wer auf die Marktphasen achtet und Fonds mit kontinuierlich gutem Management und fundierten Ansätzen und einer konsistenten Performance herausfiltert, hat gute Chancen, einen Fonds mit adäquatem Rendite-Risiko-Profil zu finden, der ihn sicher durch die stürmischen Märkte navigiert. Leicht machen es die Fondsanbieter den Anlegern mit ihren immer unübersichtlicheren Fondsangeboten freilich nicht.

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.