Wenn die Zukunftsaussichten weniger rosig sind als es den Anschein hat

Das qualitative Rating kann sich vom Sterne-Rating unterscheiden.

Natalia Wolfstetter 04.04.2013
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Mit dem Morningstar Analyst Rating bewerten wir die zukünftigen Aussichten eines Fonds relativ zu vergleichbaren Mandaten. Es korreliert in der Regel mit dem vergangenheitsorientierten quantitativen Morningstar Rating (Sterne-Rating), doch gibt es Ausnahmen. Wer daher eine Vorauswahl anhand des Sterne-Ratings vornimmt, sollte ein divergierendes qualitatives Rating zum Anlass nehmen, sich einen Fonds genauer anzuschauen.

Schneidet ein Fonds qualitativ deutlich schlechter als quantitativ ab, so kann dies durchaus als Warnhinweis verstanden werden. So sehen wir für einen solchen Fonds die Zukunft weniger rosig als es die vergangene Performance nahelegt. Wenn es aus unserer Sicht Anhaltspunkte dafür gibt, dass vergangene Erfolge nicht wiederholbar sind, können wir dies im qualitativen Rating einfließen lassen, während die quantitative Bewertung davon zunächst unberührt bleibt.

Unter den von Morningstar europaweit qualitativ bewerteten Fonds gibt es derzeit mehr als 160 mit einem 4- oder 5-Sterne-Rating, deren Morningstar Analyst Rating aber nicht über ‚Neutral‘ hinausgeht.

 Die Beweggründe für eine abweichende qualitative Bewertung – und damit auch die Gefahren einer rein quantitativ getriebenen Fondsauswahl - möchten wir anhand einiger Beispiele illustrieren.

Wenn die handelnden Personen wechseln

Oft sind es personelle Veränderungen, weswegen wir einen Fonds zurückhaltend bewerten – zumal diese nicht selten mit deutlichen Änderungen am Investmentprozess und der Positionierung einhergehen.

Der Deka-ConvergenceAktien (Aktien Osteuropa; Morningstar Gesamt-Rating 5 Sterne) hat seit seiner Auflage 2001 mit Dr. Martin Hrdina bereits den siebten Manager. Hrdina ist hier seit Herbst 2008 am Ruder. Er ist sehr erfahren, doch geht ein Großteil der Vergangenheitsperformance noch auf seine Vorgänger zurück, die sich auch in ihrer Vorgehensweise unterschieden. Somit lässt sich aus der Historie nicht unbedingt auf die Zukunft schließen. Der derzeitige Manager kennt die Anlageregion sehr gut, doch sein insgesamt begrenzter Spielraum, die ungünstige Gebührenstruktur und die durchwachsenen Ergebnisse resultieren insgesamt in einem neutralen Rating.

Der Allianz Thesaurus (4 Sterne) zählte einst zu unseren Favoriten innerhalb der Kategorie 'Aktien Deutschland Standardwerte'. Der Fonds hat in den letzten Jahren allerdings angesichts des benchmarknahen Ansatzes in Kombination mit erhöhten Gebühren und einem Managerwechsel an Attraktivität eingebüßt. Neben der Erhöhung der Fixkosten und der Einführung einer für Anleger sehr ungünstig strukturierten erfolgsabhängigen Vergütung kam es im April 2011 auch zu personellen Veränderungen. Ein längerer öffentlicher Track Record des neuen Managers Benedikt Henne liegt uns nicht vor. Aus diesen Gründen haben wir unsere positive Einschätzung des Fonds nicht aufrechterhalten.

Wenn die Größe zum Hindernis wird

Gute Ergebnisse wecken das Interesse der Anleger und können dazu führen, dass das verwaltete Vermögen in einem Fonds aufgrund von Zuflüssen massiv ansteigt. Dies kann es dem Fondsmanagement erschweren, die bisherige Anlagestrategie weiterzuverfolgen und damit an vergangene Erfolge anzuknüpfen.

Diese Gefahr sehen wir beispielsweise beim C-QUADRAT ARTS Total Return Global AMI (5 Sterne), wo das stark angestiegene Volumen (nicht nur in diesem Fonds, sondern auch in weiteren ähnlich verwalteten Produkten) die Anwendung der bisherigen Strategie auf der Basis von Einzelfonds beeinträchtigt. Das Ausweichen auf Einzelaktien oder ETFs ist möglich, doch fehlen dafür längerfristige Erfahrungswerte, so dass wir nicht über eine neutrale Einschätzung hinausgehen.

Wenn strukturelle Besonderheiten den Kategorievergleich verzerren

Manche Fonds haben innerhalb ihrer breiten Vergleichsgruppen von bestimmten strukturellen Besonderheiten profitiert, was sich in einem hohen Sterne-Rating widerspiegelt. Ob sich diese auch in Zukunft bewähren werden, können wir innerhalb des qualitativen Ratings nicht beurteilen, da dies auf eine Markteinschätzung hinauslaufen würde. Das ist aber nicht Aufgabe des Ratings. Es bewertet Fonds innerhalb ihrer Morningstar Kategorien und ist daher nicht als Kauf- (oder auch Verkaufssignal) bspw. für europäische Aktien oder Emerging-Markets-Anleihen gedacht. Die Entscheidung für eine Anlageklasse kann nicht aus dem qualitativen Rating abgeleitet werden. Hat sich ein Fondssparer dafür entschieden, in europäische Aktien (oder eine andere Anlageklasse) zu investieren, kann das Morningstar Analyst Rating dabei helfen, den passenden Fonds zu identifizieren.

Das qualitative Rating hat somit gegenüber einer quantitativen Betrachtung den Vorteil, dass strukturelle Unterschiede zwischen Fonds im Konkurrenzvergleich nicht unter den Tisch fallen.

Beispielsweise hat sich bisher der ausgeprägte Deutschland-Schwerpunkt im UniRak als sehr vorteilhaft erwiesen. Dies führt dazu, dass der Fonds innerhalb der Kategorie ‚Mischfonds EUR ausgewogen‘ derzeit ein Gesamt-Rating von 5 Sternen aufweist. Allerdings können wir keine Aussage darüber treffen, ob dies auch in Zukunft der Fall sein wird (d.h. ob deutsche Aktien und Bundesanleihen den breiten Markt weiterhin übertreffen werden). Die Bilanz der beiden verantwortlichen Manager gegenüber der Fondsbenchmark lässt uns insgesamt zu einer neutralen Einschätzung gelangen.

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Über den Autor

Natalia Wolfstetter  ist Director Fund Analysis bei Morningstar