Für alle Fälle Vermögenswirksame Leistungen

Arbeitnehmer sollten Ihre Ansprüche auf Vermögenswirksame Leistungen (VL) wahrnehmen und dabei auf Aktienfonds setzen. Wir haben nachgeschaut, welche Produkte gute Morningstar-Ratings aufweisen. Eine Übersicht für Langfristsparer.

Ali Masarwah 14.05.2014
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Arbeitnehmer bekommen in Deutschland wenig geschenkt. Seit Jahren fallen die Reallohnsteigerungen mäßig aus, und wenn das Gehalt aufgestockt wird, dann droht unter Umständen die so genannte Kalte Progression das Netto noch weiter zu schmälern. Grund genug also zuzugreifen, wo es nur geht. Zu den Bonbons, die das Prädikat „klein, aber fein“ verdienen, zählen Vermögenswirksame Leistungen (VL). VL sind eine tarifvertraglich oder freiwillig vereinbarte Geldleistung, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer direkt mit dem Gehalt monatlich auf sein Fondsdepot einzahlt. Üblich sind je nach Branche Beiträge bis zu 40 Euro.

Bei VL kann der Zinseszins seinen Zauber entfalten

Die Vertragsdauer des Sparvorgangs beläuft sich auf sieben Jahre. Eingezahlt die VL-Beiträge sechs Jahre lang. Es schließt sich eine einjährige Ruhephase an, nach welcher der Anleger frei über die angesparte Summe verfügen kann. Viele Investoren werden spätestens dann erstaunt sein, wie der Zauber des Zinseszins wirkt. In freundlichen Aktienphasen kann deutlich mehr als die maximal mögliche Beitragssumme von 2.880 Euro (40 Euro*12 Monate*6 Jahre) unter dem Strich stehen.  

Und das ist nicht alles: Für Geringverdiener winkt der Staat (genauer gesagt: Das 5. Vermögensbildungsgesetz) mit der sogenannten Arbeitnehmersparzulage. Seit 2009 erhalten Alleinstehende mit einem zu versteuernden Einkommen von maximal 20.000 Euro die maximale staatliche Förderung von 20 Prozent (statt bis zu 18 Prozent) der eingezahlten Prämie. Bei Verheirateten liegt die Grenze für die Inanspruchnahme dieser Förderung bei einem gemeinsamen Einkommen von maximal 40.000 Euro.

VL für mehr Anlegerdisziplin

Ob für Profis oder für Einsteiger in die Welt der Kapitalanlage: VL sind für jedermann geeignet. Für Aktienanlagen sind die sieben Jahre zudem optimal, da sie in der Regel einen typischen Börsenzyklus umfassen. Die siebenjährige Haltedauer blockiert den offenkundig bei den meisten Anlegern genetisch verankerte Trading-Reflex, der häufig zerstörerische Wirkung auf Portfolios entfaltet. VL disziplinieren, und wer einmal den Zinseszins-Effekt in vollen Zügen genossen hat, dürfte fortan auch bei der freien Kapitalanlage mehr Langmut an den Tag legen. 

Insofern ist es sehr bedauerlich, dass aktienbasiertes VL-Sparen auf dem Rückzug ist: Gab es Ende 2005 noch 5,9 Millionen Verträge mit einem Vermögen von 10,3 Milliarden Euro, waren es per Ende Dezember 2013 nur noch 2,6 Millionen Verträge mit einem verwalteten Vermögen von 5,2 Milliarden Euro. Gut möglich, dass viele Arbeitnehmer sich entschieden haben, ihre VL-Beiträge in Verträge zur betrieblichen Altersversorgung einfließen zu lassen. Angesichts der Mini-Verzinsung von Kapitallebensversicherungen dürfte das – ungeachtet der steuerlichen Vorteile der bAV - ein schlechter Tausch für Renditesucher sein!

Als überzeugte Verfechter der Investment-Idee möchten wir Ihnen ein VL-Investment in Aktienfonds wärmstens ans Herz legen!

Morningstar Analyst Ratings als VL-Auswahlkriterium

Doch genug der Vorrede. Wir wollten wissen, welche Fonds sich am besten für die VL-Anlage eignen. Wir haben unsere Auswertung vom vergangenen Jahr fortgeschrieben (lesen Sie hier die groß angelegte Analyse aus 2013). Wie auch die Auswertung vom Mai 2013 haben wir die Fondsauswahl unter Einbeziehung des VL-Produktangebots diverser Vertriebsplattformen getroffen. Enthalten sind nur solche Produkte, die ein positives Morningstar Analyst Rating aufweisen.

Stichwort Ratings: Wir halten es nicht mit dem Volksmund, wonach man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen sollte. Im Gegenteil: Steht die Asset-Allocation, also die grundlegende Vermögensstrukturierung, einmal fest, sollte man sich die Mühe machen, gute Fonds auszusuchen (Indexfonds sind ein Sonderfall, auf den wir später noch zu sprechen kommen werden).

Unsere Morningstar Analyst Ratings haben den Anspruch, die Outperformer der Zukunft ausfindig zu machen (lesen Sie mehr über unser Morningstar Analyst Rating hier). Wir haben uns dabei haben wir uns auf Aktienfonds beschränkt, da nur diese Produkte in den Genuss der staatlichen Förderung kommen. Misch- und Rentenfonds sind zwar prinzipiell VL-fähig, aber eben nicht VL-förderfähig. Auf diesen Unterschied muss geachtet werden!

Anleger sollten sich vor dem Abschluss eines VL-Vertrags allerdings ein paar Gedanken über das Anlageuniversum machen. Wir unterscheiden zwischen Kernfonds und Satellitenfonds. Unter Kernmärkten verstehen wir länder- und branchenübergreifende Fonds für Aktien aus den Industrieländern. Die Logik dahinter: Globale und europäische Aktienfonds sind Basisanlagen, die das Vermögen der Anleger breit streuen. In der Annahme, dass sich die meisten Anleger eher für diese Generalisten-Fonds entscheiden, die grundsätzlich ein geringeres Risiko als Einzelländer- und Branchen aufweisen, fällt diese Liste mit 23 Produkten recht ausführlich aus.

Tabelle: VL-Fonds für die Kernmärkte mit positiven Morningstar Analyst Ratings


Die obere Tabelle umfasst gut bewertete Fonds für die VL-Kernanlage. Sie lesen die Tabelle so: Neben Namen und der Kennnummer ISIN findet sich weiter rechts in der Tabelle die Morningstar-Kategorie, zu der diese Fonds gehören. Es sind ausschließlich Standardwerte-Produkte mit den Anlageschwerpunkten Welt und Europa bzw. Eurozone. Sie umfasst auch die unterschiedlichen Aktienstile „Growth“, „Blend“ und „Value“. Weiter rechts finden Sie das Ergebnis, das nach sieben Jahren unter dem Strich steht.

Unterstellt wird in unserer Rechnung eine monatliche Einzahlung von 40 Euro, die sich nach sechs Jahren auf 2880 Euro summiert. Die Differenz zum Ergebnis ergibt die Performance. (Eine vollkommen realistische Simulation müsste die Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag sowie ggf. die Kirchensteuer inkludieren). Die beiden äußeren rechten Spalten geben Auskunft über die laufenden Kosten sowie das Morningstar Analyst Rating des jeweiligen Fonds. 

BlackRock-Fonds führt das Performance-Ranking an

Ganz oben und weit vor der Konkurrenz findet sich der BGF Continental European Flexible. Der von Alister Hibbert verwaltete Fonds weist die zweitbeste Note im Morningstar Analyst Rating („Silver“) auf. Er kommt in der Beispielrechnung nach sieben Jahren auf eine Gesamtsumme von 5.310,20 Euro. Eingezahlt wurden 2.880 Euro. Das entspricht einem Plus von 184%. Auch wenn der Fonds, der in europäische Unternehmen außerhalb Großbritannien investiert, ein überdurchschnittliches Risiko aufweist und mit einer jährlichen Kostenquote von 1,82% kein Billigheimer ist, überzeugt das Ergebnis langfristig.

Loys Global an der Spitze der globalen Fonds

Mit gebührendem Abstand finden sich der Allianz Wachstum Europa, der Invesco Pan European Structured Equities sowie der Comgest Growth Europe. Letzterer weist übrigens als einziger Fonds der Auswahl die höchste Note im Morningstar Analyst Rating „Gold“. Dass es sich in den vergangenen sieben Jahren – unbeschadet der Eurokrise – gelohnt hat, europäische Aktienfonds zu kaufen, zeigt, dass der beste global investierende Fonds, der Loys Global P, erst auf Platz acht unserer Auswertung folgt. Der von Christoph Bruns verwaltete flexible Aktienfonds kommt auf ein sehr ordentliches Plus von 152% nach der siebenjährigen VL-Investition.

Deutlich abgeschlagen finden sich weiter unten in der Rangliste die beiden ehedem von Klaus Kaldemorgen verantworteten DWS Akkumula und DWS Vermögensbildungsfonds I, die heute vom ehemaligen Manager des UniGlobal, Andre Köttner, gemanagt werden. (Der UniGlobal findet sich deutlich höher in unserem Performance-Ranking).

Auch der von Frank Lingohr verwaltete Lingohr-Systematic-LBB-Invest findet sich in den unteren Tabellenregionen. Das zeigt, dass auch strikt systematische Substanzwerte-Ansätze auch längere Zeit unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielen können. Die „Bronze“-Ratings verdeutlichen allerdings, dass unsere Analysten diesen Fonds trotz zwischenzeitlicher Schwächen langfristig eine überdurchschnittliche Rendite zutrauen. Ein Plus von rund 130 Prozent gegenüber den eingezahlten Beiträgen dürfte zudem ein angenehmes Trostpflaster für Investoren sein. 

Sie fragen sich, wo die ganzen guten Deutschland-Fonds und die Produkte auf Branchen und Emerging Markets geblieben sind? Hier kommen Sie zur Übersicht über die Satellitenfonds.

 

 

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich