Ausgewogene Mischfonds stehlen flexiblen Produkten die Schau

Deka, Acatis und Sauren für die Risikominimierung. Unsere kleine Sommerbilanz zeigt allerdings: Ohne Risiko geht es nicht.

Ali Masarwah 04.09.2014
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Erhebt man den Zuspruch der Anleger zum Maß aller Dinge, ist die Sache klar: Flexible Mischfonds sind das Gebot der Stunde. Sie kaufen ausgewogenen Mischfonds schon seit langem im Vertrieb den Schneid ab. So auch in diesem Jahr. Die vermeintlichen langweiligen 50:50 Fonds weit hinter sich gelassen. Ausgewogene EUR-Mischfonds sammelten in den ersten sieben Monaten dieses Jahres gerade einmal 3 Milliarden Euro ein, verglichen mit rund 9 Milliarden Euro, die in flexible Fonds netto flossen.

Der Rund auf flexible Mischfonds erstaunt nicht, da die Fondsindustrie mit flexiblen Fonds viel besser den Mythos des erfolgreichen Fondsmanagers kultivieren kann, der immer zur richtigen Zeit das Risiko im Fonds hochfahren und senken und somit den Ertrag des Anlegers maximieren kann. Ausgewogene Fonds, die klar definierte Leitplanken haben, lassen sich weniger gut verkaufen, da sie einen recht langweiligen Auftrag haben, nämlich das Risiko und den Ertrag in einem ausgewogenen Verhältnis auszubalancieren.

Doch Anleger sollten anfangen, die Verwaltung ihres Vermögens als langweiligen Vorgang zu begreifen. Asset Management erfordert eine stetige Hand und keine nervösen Finger. Die Erwartungen der Anleger an den hyperaktiven Manager (bzw. spiegelbildlich die Versprechen der Manager vieler flexibler Fonds) entpuppen sich in der Realität leider allzuoft als Schäume. Das zeigt immer wieder der Vergleich zwischen der Performance von moderaten und flexiblen Mischfonds – auch in diesem Sommer.

Ich weiß, was du im vergangenen Sommer verloren hast

Stichwort Risikobegrenzung: Verzeichneten global investierende flexible Mischfonds im Schnitt einen maximalen Verlust von 2,3%, gaben moderate Mischfonds um erträglichere 1,91% nach. Stichwort Performance: Während flexible Mischfonds im Schnitt um 0,94% zulegten, waren es 1,21% bei ausgewogen investierenden Mischfonds. Hochgerechnet auf die Jahres-Rendite ist das ein ordentlicher Unterschied.

Doch kommen wir nun zu unserer Fondsauswahl. Unter den großen ausgewogen investierenden Fonds gibt es vier Produkte, die in der Lage waren, den maximalen Verlust geringer  zu halten als beim 50:50 Aktien-Renten-Index: Der Sparkassen-Dachfonds Deka-BasisAnlage A 40, der bei sicheren Anlagen in hohem Maße in liquide, cash-nahe Instrumente und Bundesanleihen investiert, verbuchte die niedrigesten Verluste, gefolgt vom Acatis – Gané Value Event Fonds UI. Der von Henrik Leber und Uwe Rathausky verwaltete Fonds ist auf Sondersituationen ausgerichtet. Ob der Fonds in ein Unternehmen (Eigenkapital) oder seine Anleihe investiert, entscheidet die relative Attraktivität. In substanziellem Umfang Cash zu halten, ist ebenfalls eine häufig gewählte Option des Acatis-Fondsmanagements.

Sauren begrenzt die Verluste bei eher mäßiger Performance

Auch das Defensivverhalten des Sauren Global Balanced, der ungeachtet seines Namens auf der Aktienseite vor allem auf Europa setzt, fiel in den Sommermonaten überzeugend aus. Spiegelbildlich zum defensiven Mischfonds Sauren Global Defensive war die Performance dagegen unterdurchschnittlich. Der auf ETFs fokussierte Dachfonds HVB Vermögensdepot privat Wachstum, der in den vergangenen Jahren Anlegern wenig Freude bereitet haben dürfte, verursachte Anlegern zumindest über den Sommer ein akzeptables Stressniveau.

Tabelle: Moderat investierende Mischfonds im Draw-down-Test

Unbefriedigend fiel dagegen die Risikobegrenzung vor allem beim Fidelity Euro Balanced und den Union-Investment-Mischfonds PrivatFonds: Kontrolliert pro und UniStrategie: Ausgewogen aus, die um mehr als 3% in der Spitze nachgaben. Auch der Carmignac Patrimoine verzeichnete überdurchschnittlich hohe Draw-downs.

Doch die alte Regel besagt, dass Ertrag ohne die Inkaufnahme von Risiken (und damit auch von zeitweiligen Verlusten) nun einmal nicht zustande kommen kann. Das zeigt sich gerade anhand der oben erwähnten Fonds. Die Sonnenseite der relativ hohen Draw-downs waren die ordentlichen Verluste nach der Minikorrektur. Auch wenn die Fonds nicht an die Indexrenditen herankamen, konnten sie ihre Vergleichsgruppe deutlich übertreffen. Dies gilt in besonderem Maße für den Carmignac Patrimoine, der Anleger in den vergangenen drei Jahren Anleger nur selten mit guten Nachrichten beglücken konnte.

In der Auswahl der großen ausgewogenen Mischfonds finden sich zwei Ausreißer: Wir haben zwei US-Dollar Fonds unserer Auswahl hinzugefügt; es handelt sich um bekannte Fonds in einer ansonsten für deutsche Anleger wenig bedeutsamen Vergleichsgruppe: Der BGF Allocation Fund und der Templeton Global Balanced: Beide Fonds dürften gegenüber Euro-orientierten Fonds wegen der Stärke des US-Dollar im Vorteil gewesen sein. Allerdings lag der BGF Allocation Fund gleichauf mit seinem Kategorie-Index, was zeigt, dass er auch innerhalb seiner Vergleichsgruppe eine starke Leistung erreichte. Ob allerdings bei moderat riskanten Fonds das Währungsrisiko angemessen vergolten wird, oder ob Fremdwährungsrisiken zu hohe Volatilitäten bei dem recht hohen Bond-Anteil mit sich bringen, ist damit allerdings noch nicht beantwortet. 

Hier gelangen Sie zu ausgewählten defensiven Mischfonds wie dem Ethna-Aktiv, M&G Optimal Income Fund und Sauren Global Defensiv.

Hier gelangen Sie zu ausgewählten flexibel investierenden Mischfonds wie dem DWS Multi Opportunities, Flossbach von Storch Multiple Opportunities und Allianz Income and Growth.

Hier gelangen Sie zu ausgewählten aggressiv investierenden Mischfonds wie dem ARERO Der Weltfonds und FMM-Fonds.

 

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich