Japan-ETFs: Wer hat Angst vor "Abenomics"?

Fiskal- und Konjunkturprogramme, ein schwacher Yen und die steigende Risikobereitschaft heimischer Anleger haben japanischen Aktien einen Schub gegeben. Wir blicken in unserem wöchentlichen ETF-Bericht auf Indizes bzw. Indexprodukte für japanische Standardwerte. 

Michael Haker 03.07.2015
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Das Quantitative Easing der Bank of Japan und die damit verbundene Schwächung des Yen, milliardenschwere Konjunkturpakete, die Hinwendung unter anderem von japanischen Pensionskassen zu Risiko-Assets: Der Aufschwung am japanischen Aktienmarkt hat viele Väter. Da die Politik von Ministerpräsident Shinzo Abe ("Abenomics") darauf abzielt, auf Teufel komm raus die 20-jährige Deflationsspirale des Landes zu beenden, dürften die Bedingungen für japanische Aktien prinzipiell günstig bleiben.

Der Mix aus Konjunktur-, Fiskal- und Geldpolitik hat Wirkung gezeigt, wie das steigende Vertrauen der Verbraucher in Japan zeigt. Zudem wird eine Reihe von Strukturreformen angegangen, die auf eine Liberalisierung im Arbeitsmarkt, Steuererleichterungen und Investitionen in die Infrastruktur und das Gesundheitswesen abzielen. In Summe war das belebend für die Wirtschaft, die zu 60% von der Binnennachfrage abhängt. Wesentlich ist dabei das beschleunigte Wachstum der Reallöhne. Dieses Jahr sind die Löhne so stark gewachsen wie seit 15 Jahren nicht mehr. 

Darüber hinaus hat die japanische Pensionskasse angekündigt, ihr Engagement in japanische Aktien auf 25% zu verdoppeln, womit über 155 Milliarden US-Dollar in den Aktienmarkt gespült werden. Es wird erwartet, dass das einen Multiplikationseffekt haben wird und andere Anleger dem Beispiel folgen werden.   

Doch die Politik Abes hat auch ihre Schattenseiten, die Anleger -- neben dem systematischen Aktienrisiko und Währungsrisiken -- beachten müssen. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ist die Bilanzsumme der japanischen Nationalbank (57%) mittlerweile größer als die der US-Notenbank (25%) und der EZB (20%). Die Verschuldung des Staates ist zugleich in immense Höhen geklettert, was die finanzielle Handlungsfähigkeit des Landes in der Zukunft stark einschränkt. Zudem ist die Rückkehr der japanischen Wirtschaft auf den Wachstumspfad keine ausgemachte Sache, was Rückschlaggefahren am Aktienmarkt bedeutet.

Im Folgenden stellen wir drei Indizes vor, in die Anleger über verschiedene ETFs investieren können. Zwei Auswahlkriterien waren für die Wahl der vorgestellten Produkte bzw. Indizes entscheidend. Zum einen das investierte Vermögen -- wir haben die großen Produkte berücksichtigt. Zum anderen führen wir die jeweils günstigsten Produkte auf die nachfolgenden Indizes auf.

Topix

Der Topix ist von den Japan-Aktienindizes der breiteste. Er enthält über 1700 Unternehmen, die nach dem frei gehandelten Marktkapital gewichtet sind. Die Kriterien für die Aufnahmen in den Index unterscheiden sich etwas von dem üblichen Standard. Neben der Liquidität und einer Mindest-Marktkapitalisierung (ab 50 Milliarden Yen aufwärts), muss ein Unternehmen über mindestens 800 Eigentümer diversifiziert sein. Zudem müssen qualitative Kriterien erfüllt werden: Das Eigenkapital muss mindestens eine Milliarden Yen betragen und der Gewinn muss auf zwei Jahre bei 500 Millionen Yen vor Steuern liegen.

Bei der Gewichtung sind zyklische Konsumgüter, Finanzwerte und Industrieunternehmen mit je 17% bis 22% gewichtet. Nächstgrößter Sektor sind Technologiewerte mit einer Gewichtung von gut 12%. Die größten Unternehmen im Index sind Toyota (4,7%), Mitsubishi UFJ Financial Group,Inc (2,92%), Sumitomo Mitsui Financial Group,Inc (1,7%), SoftBank Corp. (1,58%) und Mizuho Financial Group (1,53%).

Nikkei-400

Der Index enthält die 400 größten Unternehmen in Japan, die aus der so genannten „First Section“ stammen. Solche Unternehmen gehen durch ein Screening nach qualitativen und quantitativen Faktoren. Die quantitative Komponente berücksichtigt zu 40 Prozent den durchschnittlichen Gewinn je Aktie auf drei Jahre, zu 40 Prozent das Betriebsergebnis kumuliert auf drei Jahre sowie die Marktkapitalisierung, die 20 Prozent im Screening ausmacht. Qualitativ wird die Corporate Governance genauer geprüft und es wird beispielsweise die Rechnungslegung nach IFRS, die Beschäftigung unabhängiger Direktoren und die Veröffentlichung der Umsatz- und Gewinnaufstellung in Englisch vorausgesetzt. Sind die entsprechenden Titel für die Indexkonstruktion zusammengestellt, erfolgt die Gewichtung nach dem Gewicht der frei handelbaren Aktien.

Die Aufteilung nach Sektoren ähnelt den beiden anderen hier vorgestellten Japan-Indizes. Es herrscht eine gute Diversifizierung, wobei Industriewerte, zyklische Konsumgüter und Finanzwerte je 18% bis 21% ausmachen. Auf Ebene der Einzeltitel ist das Gewicht bei einem Maximum von 1,5% gedeckelt, was zur Folge hat, dass der Index bei den größten Bestandteilen diversifizierter ist. Die Top-Titel sind auch hier Mitsubishi Financial Group, Mizuho Financial Group, KDDI Corp, Toyota und das Industrieunternehmen Fanuc. Die Neugewichtung erfolgt vierteljährlich, die Zusammensetzung wir jedes Jahr im August überprüft.

MSCI Japan

Der MSCI Japan ist der „kleinste“ Index unserer Auswahl, da er derzeit 314 Einzelwerte aus dem Large- und Midcap-Segment umfasst. Damit deckt er 85% der Marktkapitalisierung in Japan ab, und die Gewichtung erfolgt ebenso nach der im freien Umlauf befindlichen Aktien der enthaltenen Unternehmen. Die Gewichtung nach dem free float anstatt der vollständigen Marktkapitalisierung hat den Vorteil, dass eine hohe Liquidität bei den Indexkomponenten sichergestellt ist. Hinsichtlich der Sektoraufteilung ist der Fonds gut diversifiziert. Jeweils ein knappes Fünftel entfallen auf zyklische Konsumwerte, Finanztitel und Industrieunternehmen. Es folgen IT-Werte (11,2%) und nicht-zyklische Konsumtitel (6,6%).

Die Top-10 Indexbestandteile machen 22% aus. Dazo gehören Toyota (6,25%), Mitsubishi UFJ Financial Group (3,1%), Sumitomo Mitsui Financial Group (1,9%), Softbank (1,9%) und Honda (1,8%). Wie bei vielen großen Indizes von MSCI üblich, erfolgt auch hier die Überprüfung alle drei Monate. Sollten die Bestandteile oder deren Gewichtung angepasst werden müssen, passiert das alle halbe Jahre.

ETFs auf japanische Indizes

Eine breitere Auswahl an ETFs auf japanische Indizes gibt es seit gut acht Jahren. Die meisten Anlegergelder stecken dabei in ETFs, die den MSCI Japan tracken. Das älteste Produkt kommt von iShares und ist seit Oktober 2004 auf dem Markt. Mit einem Volumen von 2,35 Milliarden Euro ist der iShares MSCI Japan zugleich der größte Japan-ETF am Markt. Auf Platz zwei kommt der db x-trackers MSCI Japan mit einem Vermögen von 1,8 Milliarden Euro. Dieser ETF wurde 2007 aufgelegt.

Die Volumina sowie das Angebot bei Nikkei-400-ETFs ist deutlich kleiner. Keines der Produkte in unserer Auswahl ist älter als ein Jahr. Lyxor, Amundi, die Deutsche Bank sowie Source (nicht abgebildet) bieten ETFs auf diesen Index an. In den ETFs auf den 400 Werte umfassenden Index sind insgesamt etwas über eine Milliarde Euro angelegt.

Mit Blick auf den Topix sind die meisten Anlegergelder im Lyxor-ETF investiert, der seit Auflage im November 2005 auf gut 1,2 Milliarden Euro angewachsen ist. Daneben sind die anderen Produkte von der Commerzbank-Tochter ComStage sowie der BNP Paribas-Tochter THEAM - obschon seit 2008 beziehungsweise 2009 auf dem Markt - sehr klein. Dass Anleger aber durchaus auch einen Blick auf die kleineren Produkte Werfen sollten, zeigt sich bei den Kosten.

Tabelle: ETFs auf TOPIX, Nikkei400 und MSCI Japan.

ETFs auf japan-Indizes

Groß ist nicht unbedingt günstig

Es gibt es deutliche Unterschiede bei den Kosten der hier vorgestellten ETFs. Die breite Sektordiversifikation des Nikkei-400 bekommen Anleger schon für 18 Basispunkte von Amundi. Der größte ETF ist hingegen der teuerste: 25 Basispunkte verlangt Lyxor für seinen Nikkei 400 ETF.

Auch beim Topix ist Lyxor nicht der günstigste Anbieter; ComStage bildet den Topix für 0,25% ab und ist damit 20 Basispunkte günstiger.

Beim ETFs auf den MSCI Japan ist die Preisspanne noch größer. Der ausschüttende iShares MSCI Japan kostet 59 Basispunkte (zugleich bietet iShares die akkumulierende Version für eher durchschnittliche 48 Basispunkte an). Am günstigsten kommen Anleger allerdings bei ComStage weg: Laut unserer Datenbank stellt die Commerzbank-Tochter den günstigste ETF auf den MSCI Japan.

Solide Wertentwicklung seit fünf Jahren

Kommen wir nun zur Performance. Gering sind die Unterschiede zwischen MSCI Japan und Topix, wie ein Blick auf die (annualisierte) Rendite der vergangenen fünf Jahre von rund plus 10,5% und die Dreijahres-Performance von gut 17,5% zeigt. Auch beim maximalen Verlust sind Anleger bei beiden Indizes ähnlich bedient worden: In den vergangenen drei Jahren ging es höchstens 8,65% beim Topix-ETFs nach unten, Produkte auf den MSCI Japan gaben streckenweise gut 9,2% ab.

Im laufenden Jahr hat der Topix minimal die Nase vorn - bei insgesamt sehr erfreulichen Renditen bei allen Japan-ETFs. Die sehr gute Performance geht allerdings weniger auf die Aktien-Renditen, sondern ist vielmehr Ausdruck der hohen Volatilität auf der Währungsseite. Anleger sollten sich bewusst sein, dass keiner der hier vorgestellten ETFs das Währungsrisiko absichert. Es gibt zahlreiche Produkte mit Währungshedge, auf die wir hier nicht eingehen, weil Währungseffekte langfristig weniger bedeutsam sind als in der kurzen Frist. Taktisch handelnde Anleger sollten deshalb eine klare Meinung zur Währungsentwicklung EUR/Yen haben und dann entscheiden, ob das Währungs-Exposure empfehlenswert ist oder nicht.

 

STICHWÖRTER
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Über den Autor

Michael Haker  Michael Haker ist Research Editor bei Morningstar.