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Anleger nehmen im November Abstand von Bond-Risiken

Rentenfonds werden – wie auch defensive Mischfonds – in großem Stil abgestoßen. Derweil verbuchen Aktienfonds Zuflüsse. Der Morningstar Fonds-Absatzbericht für den Monat November.

Ali Masarwah 21.12.2018

Im November war das Unwohlsein von Investoren mit Blick auf Bond-Risiken mit Händen zu greifen. Vor allem Rentenfondskategorien mit Schwerpunkt auf Unternehmensanleihen wurden verkauft, aber die Verkaufswelle erfasste auch diversifizierte Euro-Rentenfonds sowie defensive Euro-Mischfonds. Die Ursachen dafür sind mannigfaltig. Aufgrund der Eskalation des Streits zwischen der EU und der italienischen Regierung über die Budgetpläne Roms sowie die Gefahr eines Chaos-Brexits dürften Investoren von Eurozonen-Investments Abstand genommen haben. Mit Blick auf Unternehmensanleihen, einschließlich Fonds für Hochzinsanleihen, und Emerging Markets Bonds dürften die Gefahr eines Handelskrieges zwischen den USA und China sowie die Furcht vor einer restriktiven Linie der Notenbanken bzw. deren Folgen für die Konjunktur ebenfalls nicht verkaufsfördernd gewirkt haben. 

Zum dritten Monat in Folge mussten europäisch domizilierte Langfristfonds  Abflüsse hinnehmen. Das Niveau der Rückgaben erreichte 17,45 Mrd. EUR, was deutlich unter den Abflüssen im Oktober lag, als Risiko-Assets jeder Couleur verkauft wurden. Im abgelaufenen Monat war das Vorgehen der Anleger selektiver, wie wir weiter unten sehen werden. 

Schwächster Bond-Monat seit Juni 2013

Mit 13,63 Mrd. EUR an Abflüssen wurden Rentenfonds in großem Stil zurückgegeben. Es war der schwächste Absatzmonat für Bond-Fonds seit Juni 2013, als das so genannte "Taper-Tantrum", die Ankündigung der US-Notenbank über eine bevorstehende Reduzierung des Anleihekaufprogramms, Anleger auf dem falschen Fuß erwischte. In diesem Kontext sollten auch die Abflüsse von 1,4 Mrd. EUR aus Wandelanleihefonds gesehen werden, der höchste Wert seit Februar 2016. Hier dürfte die Risikoaversion von Investoren mit Blick auf Unternehmensanleihen im Vordergrund gestanden haben. 

Überraschenderweise waren Anleger indes deutlich risikofreudiger mit Blick auf Aktienrisiken. Die Zuflüsse in Aktienfonds erholten sich von den Tiefstständen im Oktober, wobei aktiv verwaltete Fonds und Indexfonds gleichermaßen hohe Zuflüsse verzeichneten. Besonders gefragt waren global anlegende Aktienfonds, wovon aktiv verwaltete Fonds und Indexfonds gleichermaßen profitierten. Ebenfalls stark nachgefragt waren auch USA-Standardwerte-Aktienfonds. Die Netto-Neugelder lagen bei 6,34 Mrd. EUR und erreichten damit das höchste Niveau in einem Monat seit April dieses Jahres. 

Anders die Lage bei Mischfonds und alternativen Fonds, die auch im November Abflüsse verzeichneten. Bei den sogenannten Hedgefonds light befanden sich die Rücknahmen auf Rekordniveau, was vor allem auf die Flucht von Anlegern aus Multistrategiefonds zurückzuführen ist. Die prominentesten Opfer waren die beiden SLI Global Absolute Return Strategies Fonds, die Abflüsse von 2,4 Milliarden Euro hinnehmen mussten.

Bei Mischfonds waren die Abflüsse erneut beim Carmignac Patrimoine mit minus 700 Millionen Euro sehr hoch, wie auch beim Nordea Stable Return (minus 670 Millionen Euro) und Ethna-Aktiv (minus 260 Millionen Euro). Die Abflüsse von 780 Millionen Euro beim britisch domizilierten M&G Optimal Income gingen in Teilen auf den Transfer von Geldern kontinentaleuropäischer Anleger auf den Luxemburger Klon der Strategie zurück, die Zuflüsse von rund 230 Millionen Euro verbuchte. 

Die Abflüsse aus dem Geldmarkt zeigen, dass es im November nicht nur um die Reduzierung von Risiken ging. 

Tabelle: Mitteflüsse europäischer Fonds nach Asset-Klasse im November 

Kommen wir nun zur Absatzbilanz aktiv verwalteter Fonds und Indexfonds. Im November fand weiterhin eine Verschiebung von aktiven zu passiven Fonds statt. Außer bei Aktienfonds wurden aktiv verwaltete Produkte in allen großen breiten Kategorien per Saldo verkauft, während Indexfonds weiterhin Zuflüsse verbuchten. Bemerkenswert ist, dass die Zuflüsse in Indexfonds (offene Indexfonds und ETFs) nicht nur im Aktienbereich signifikant höher als bei aktiv verwalteten Fonds waren, sondern dass die Schere auf der Anleihenseite auch auseinanderklaffte. Während aktiv verwaltete Rentenfonds die höchsten Abflüsse seit Juni 2013 verzeichnen, konnten passive Bond-Fonds den 24. Monat in Folge Zuflüsse verbuchen, wenn auch mit vermindertem Tempo im Vergleich zur hohen Nachfrage der letzten Monate. 

Tabelle: Mitteflüsse europäischer Fonds: Indexfonds vs. aktiv verwaltete Fonds

 Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

 

Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.