Schauder-Fonds zu Halloween

Für Kinder verbreitet Halloween wohliges Gruseln. Anders sieht es für manche Fonds-Anleger aus. Deren Erlebnisse spiegeln reales Grauen wider. Es gibt Fonds, die nicht nur an Allerheiligen den Stoff liefern, aus dem Alpträume gemacht sind. Drei Beispiele.  

Ali Masarwah 30.10.2020
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Halloween 700

(Aktualisiert am 10.11.2020)

Am Abend des 31. Oktober finden auch in unseren Gefilden immer mehr Halloween-Feste und -Umzüge statt. In der Nacht auf Allerheiligen - Halloween leitet sich aus All Hallows Eve ab, ein keltischer Brauch -  verbreiten viele kleine Vampire, Gespenster und Hexen Angst und Schrecken unter der Elternschaft – die in Wahrheit natürlich entzückt ist von der Aufmachung ihrer Kinder und von der Freude, die sich in den Gesichtern ihres Nachwuchses spiegelt.

Es gibt da draußen auch gruselige Fonds. Der Unterschied zu Kinder-Halloween Partys: sie spiegeln reales Grauen wider. Manche Fonds liefern sogar Tag für Tag den Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind. Wir haben drei Beispiele für Sie herausgesucht, die leider keine Einzelfälle sind, sondern nur prominente Beispiele für das, was Anlegern am Fondsmarkt in Europa begegnen kann. 

1. Dabeisein ist offenbar alles oder die Crux mit der Partizipationsrate*

Wenn regelbasierte Fonds am Aktienmarkt partizipieren sollen, kommen dem Betrachter Indexfonds in den Sinn. Indexfonds bilden Marktbarometer ab und sichern Anlegern somit eine hohe Partizipationsrate an der Marktentwicklung. Das ist deshalb möglich, weil Index-Fondsanbieter kein Geld für teure Fondsmanager oder Research ausgeben müssen. Daher sind Indexfonds viel günstiger als aktiv verwaltete Fonds. Aktien-ETFs kommen im Schnitt in Europa auf Kosten von durchschnittlich gut 0,3 Prozent pro Jahr. Die billigsten börsennotierten Indexfonds kosten unter 0,1 Prozent. Das ermöglicht es ihnen, nur wenige Basispunkte hinter ihrem Index zu bleiben. Mit Steueroptimierungs-Techniken können Indexfonds ihre Indizes sogar häufig outperformen. (Das sind, zugegebenermaßen, Taschenspieler-Tricks, aber das soll an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden, da aktiven Fonds diese Möglichkeiten ebenfalls offenstehen.) 

Doch nicht jede regelbasierte Strategie ist so berechenbar wie ein ETF. Der UniExtra: EuroStoxx 50 ist so ein Fall. Der Fonds der deutschen genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment soll gemäß Fondsprospekt „an der Entwicklung der europäischen Aktienmärkte partizipieren“. Zu diesem Zweck investiert der Fonds in Aktien aus dem Aktienindex Euro Stoxx 50. Auch anhand des Fonds-Namens könnte dem Betrachter in den Sinn kommen, diesen Fonds an der Eurozonen-Standardwerte-Benchmark zu messen.

Doch das wäre laut Union Investment vermessen. Denn der Fonds besitzt keine Benchmark. „Die Anlagestrategie bezieht sich nicht auf einen Vergleichsmaßstab und verfolgt kein indexgebundenes Ziel“. Ein Blick auf die Performance wirft die Frage auf, was der Anbieter unter dem Wort „Partizipation“ genau versteht. Kumuliert ergibt sich für die Zeit zwischen 2010 und heute beim UniExtra: EuroStoxx 50 eine Underperformance von sage und schreibe 33 Prozentpunkten gegenüber dem Euro Stoxx 50. Die Partizipationsrate lag also bei 67 Prozent. Verwendet man den deutlich breiter gefassten MSCI EMU als Messlatte, läge die Partizipationsrate des Fonds in zehn Jahren bei nur knapp 53 Prozent. 

Zum Vergleich: ETFs, die den Euro Stoxx 50 abbilden, konnten mit einfachen Steueroptimierungs-Techniken eine Outperformance erzielen. Der iShares Euro Stoxx 50 (DE) etwa kommt auf eine Outperformance gegenüber dem Euro Stoxx 50 NR von 0,7 Prozentpunkten. Pro Jahr. Was in Summe einer kumulierten Outperformance von 10,7 Punkten seit Oktober 2010 entspricht. Die Partizipationsrate des ETFs lag also bei gut 110 Prozent. Vielleicht ist ja Dabeisein doch nicht alles?

2. Ein Euro-Geldmarktfonds, der dem Negativzins trotzt 

Anleger, die ihr erspartes auf Sparkonten oder in Geldmarktfonds parken, verlieren jeden Tag Geld. So niedrig die Inflationsrate auch sein mag: Waren, Güter und Dienstleistungen werden immer teurer, auch in der Eurozone. Das ist deshalb dumm, weil die Inflation an ihren Ersparnissen nagt. Denn die Zinsen in der Eurozone liegen seit der Finanzkrise unter der Teuerungsrate. Egal, welche Zinsrate man der Rechnung zugrunde legt: Real verlieren Sparer Geld. Das hält manche Fondsanbieter indes nicht davon ab, Geldmarktfonds, die den Marktzins widerspiegeln, mit üppigen Gebühren auszustatten. 

Ein Beispiel ist der Fidelity Euro Cash A, für den Anleger pro Jahr über 0,6 Prozent an Gebühren berappen müssen. Auch wenn der Fonds seit 2010 pro Jahr um vordergründig nur geringe 0,3 Prozentpunkte hinter der Euro-Geldmarkt-Benchmark zurückblieb, ist das angesichts von Zinssätzen von minus 0,5 Prozent (Einlagefazilität) bzw. 0,00 Prozent (Hauptrefinanzierungssatz) nicht wenig. Vielleicht bewegen derartige Pricing-Modelle Anleger wenigstens dazu, ihr Erspartes an rentierlicheren Kapitalmarktsegmenten unterzubringen? 

3. Ein Fonds, der in zehn Jahren kein einziges Mal seine Kategorie übertrifft 

Aktives Management ist ein hartes Brot. Die Konkurrenz ist unerbittlich, und jeden Tag können Anleger, Journalisten und Analysten die Performance von Fondsmanagern analysieren; Fonds sind nun einmal sehr transparent. Wir bei Morningstar sind keine Freunde kurzfristiger Performance-Vergleiche. Fondsmanager brauchen Luft zum Atmen. Da keiner weiß, wie sich die Märkte in Zukunft entwickeln werden, und da aktive Fondsmanager vom Index abweichen müssen, um ihn übertreffen zu können, müssen aktive Fonds zwangsläufig phasenweise dem Index hinterherhinken. 

Aufmerksamkeiterregend ist es dagegen, wenn es ein Fonds in langen Zeiträumen in keinem einzigen Kalenderjahr schafft, seinen Index zu übertreffen. Noch viel bemerkenswerter ist es, wenn es dieser Fonds in langen Zeiträumen nicht in einem Kalenderjahr schafft, den Durchschnitt der Vergleichsfonds zu schlagen. Man muss wissen, dass große Gruppen aktiv verwalteter Fonds im Durchschnitt den Index underperformen müssen, da sie Kosten tragen. En Gros springt im Schnitt bei Fonds (wie anderen gemanagten Vehikeln auch) die Marktrendite heraus, von der die Kosten noch abgezogen werden müssen. Aktive Fonds sind im Schnitt daher sichere Verlierer.

Wenn es ein Fonds indes in keinem Jahr in einer, sagen wir, Zehnjahresperiode schafft, seine Vergleichsgruppe zu übertreffen, sollten bei Anlegern und Beratern die Alarmglocken schrillen. Ein Beispiel für diese Spezies ist der global investierende Aktienfonds All-In-One, der 2002 von Universal-Investment aufgelegt wurde und von Pegasus Vermögensmanagement beraten wird. Seit 2010 schaffte es der Fonds nicht in einem einzigen Kalenderjahr, die Kategorie der global anlegenden Aktienfonds zu übertreffen. Die beste Bilanz wies er im Jahr 2012 aus, als er im 54. Perzentil seiner Kategorie landete, also knapp zur schwächeren Hälfte der Fonds zählte, die sich zumeist den MSCI World oder den MSCI World ACWI als Messlatte geben. Auch in diesem Jahr sieht es nicht gut aus. Der knapp 200 Millionen Euro schwere Fonds liegt im 81. Perzentil vergleichbarer Fonds.

* In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels vom 30.10.2020 wurde der UniExtra: EuroStoxx 50 als indexnaher Fonds beschrieben. Laut Union Investment bezieht sich jedoch die Anlagestrategie nicht auf einen Vergleichsmaßstab und verfolgt auch kein indexgebundenes Ziel. Wir bitten unseren Fehler zu entschuldigen. 

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Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich