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2020: Ein Jahr der Rekorde für europäische Nachhaltigkeitsfonds

2020 war ein außergewöhnliches Jahr für ESG-Fonds. Angetrieben durch das gestiegene Interesse an Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen brachen europäische Nachhaltigkeitsfonds neue Rekorde mit Blick auf die Zuflüsse, das Vermögen und die Produktentwicklung.  

Hortense Bioy, CFA 17.02.2021
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Anlegen in nachhaltige Fonds

Im Jahr 2020 verzeichneten nachhaltige Fonds und ETFs, die europäischen Anlegern zur Verfügung stehen, Nettomittelzuflüsse in Höhe von 233 Milliarden Euro. Das war fast doppelt so viel wie im Jahr 2019. Allein im vierten Quartal zogen nachhaltige Fonds fast 100 Mrd. EUR an Nettomittelzuflüssen an und machten damit 45 % der gesamten Zuflüsse in europäische Fonds aus. 

Angetrieben von Rekordzuflüssen, der Umwidmung konventioneller Fonds und steigenden Finanzmärkten erhöhte sich das Vermögen europäischer nachhaltiger Fonds im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um 52% und erreichte Ende Dezember ein Volumen von 1,1 Billionen Euro. Im Vergleich dazu stieg das Vermögen des gesamten europäischen Fondsuniversums lediglich um 3 %. 

Dabei haben Indexfonds ihren Marktanteil über die Jahre innerhalb des ESG-Fondsuniversums deutlich erhöht. Sie machen bereits 22,5 % des europäischen Marktes für nachhaltige Fonds aus; vor fünf Jahren waren es noch 10,3 %. Damit ist der Marktanteil der passiven ESG-Fonds gut zwei Punkte höher als der Anteil an passiven Fonds am gesamten Fondsmarkt in Europa, der bei gut 20 % liegt. 

Jährliche Zuflüsse in ESG-Fonds in EuropaVermögenswachstum ESG Fonds Europa seit 2011Quelle: Morningstar Direct, Daten per 31. Dezember 2020.

 

Unser Universum nachhaltiger Fonds umfasst Aktien-, Renten-, Mischfonds und alternative Fonds. Diese Produkte nehmen für sich in Anspruch, ein primäres Nachhaltigkeitsziel zu verfolgen und/oder verbindliche ESG-Kriterien für ihre Anlageauswahl zu verwenden. Nicht enthalten sind Fonds, die nur begrenzte Ausschlusskriterien anwenden, wie z. B. kontroverse Waffen, Tabak und Kohlekraftwerksbetreiber. Ebenfalls nicht enthalten ist die wachsende Zahl von Fonds, die ESG-Überlegungen als Nebenbedingung in ihren konventionellen Anlageprozess integrieren. Hier sind die Zahlreichen Fonds enthalten, die ESG-Screenings nur als einen weiteren Filter im Investmentprozess anwenden. 

Das Vermögen europäischer nachhaltiger Fondsdas verwaltete vermögen in europäischen ESG Fonds

Quelle: Morningstar Direct, Daten per 31. Dezember 2020.

Mehrere Faktoren können die hohen Zuflüsse des letzten Jahres erklären. Die Aussicht auf eine stärkere Regulierung ist einer davon, aber Anleger haben auch erkannt, dass ESG-Fonds eine vergleichbare oder sogar in einigen Fällen bessere Performance-Aussichten als konventionelle Fonds bieten. Der Covid-19-Einbruch im ersten Quartal 2020 war in dieser Hinsicht ein guter Test. Die Pandemie hat auch das Interesse der Anleger an Nachhaltigkeitsthemen und insbesondere am Klimawandel beschleunigt. Das ist vielleicht einer der wenigen Silberstreifen an der Pandemie. 

Das gestiegene Bewusstsein für die Risiken und Chancen des Klimawandels zeigt sich darin, dass klimabezogene Fonds im vergangenen Jahr zu den Bestsellern gehörten, zugleich haben sich viele Fonds von den größten Kohlenstoffemittenten getrennt. Im vierten Quartal landeten sieben Fonds mit klimabezogener Ausrichtung unter den Top-10-Fonds in Bezug auf die Mittelflüsse. Angeführt wurde die Rangliste von Fonds für saubere Energien, die auch in Bezug auf die Performance die großen Gewinner des Jahres 2020 waren. Die Top-Fonds erzielten Renditen zwischen 100 % und 200 %, angetrieben von der Erwartung einer langfristig steigenden Nachfrage nach alternativen Energieherstellern.   

Neue ESG-Fonds am Markt

Derweil erlebte der europäische Raum für nachhaltige Fonds im vergangenen Jahr eine beispiellose Produktentwicklungsaktivität. Es kamen 505 neue Fonds auf den Markt.

Während breit angelegte ESG-Fonds weiterhin den Großteil der neuen Angebote ausmachten, entfielen 13% der Neueinführungen auf Fonds mit ökologischem Schwerpunkt. Zwei Drittel von ihnen zielen auf die Bekämpfung des Klimawandels ab. Fonds wie der UBS (CH) IF Equities Global Climate Aware Fund und der RobecoSAM Smart Energy Equities Fund ermöglichen es Anlegern, Risiken zu mindern und/oder sich in Unternehmen zu engagieren, die vom Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft profitieren oder dazu beitragen werden. 

Auf der passiven Seite wurden neun Fonds aufgelegt, die Paris-Aligned-Indizes abbilden, darunter der Lyxor S&P Global Developed Paris-Aligned Climate ETF und der Franklin S&P 500 Paris Aligned Climate ETF. Um die Paris-Aligned-Klassifizierung zu erreichen, muss ein Fonds in Unternehmen investieren, die ihre Emissionen um durchschnittlich 7 % pro Jahr reduzieren - das Tempo des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen, das im Pariser Abkommen festgelegt wurde - und der Fonds muss insgesamt einen CO2-Fußabdruck aufweisen, der 50 % unter dem des breiten Marktes liegt.  

Weitere nachhaltigkeitsbezogene Themen, die im vergangenen Jahr behandelt wurden, waren Gender, Smart Cities, der Ozean und die SDGs der Vereinten Nationen. Beispiele hierfür sind der RobecoSAM Global Gender Equality Impact Fund, der Lyxor MSCI Smart Cities ESG Filtered (DR) ETF, der BNP Paribas Easy - ECPI Global ESG Blue Economy und der NT Europe Sustainable Select SDG Index Fund. 

Schaubild 14 Neu aufgelegte und umgewidmete FondsGrafik zu neuen ESG Fonds und Fondsumwidmungen  

 Quelle: Morningstar Direct, Daten per 31. Dezember 2020.

Die Auflegung neuer Fonds ist nicht die einzige Art und Weise, wie Vermögensverwalter auf die gestiegene Anlegernachfrage nach ESG-Fonds reagiert haben. Sie widmen konventionelle Fonds um. Sie tun dies, indem sie das Anlageziel und/oder die Anlagepolitik ihrer Fonds ändern. Und viele spiegeln die neuen Mandate durch ein Rebranding der Fonds wider. Umgewidmete Fonds erreichten im vergangenen Jahr neue Höchststände. Wir identifizierten 253 solcher Fonds, von denen 87% die Änderung durch ein Rebranding widerspiegelten. 

Die Rekordzahl an Fondsauflegungen und umgewidmeten Fonds im Jahr 2020 brachte die Gesamtzahl der europäischen nachhaltigen Fonds auf 3.196 Fonds. 

Das wachsende Interesse an ESG-Themen, das durch die Pandemie beschleunigt wurde, und die Regulierung werden die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds in Europa wahrscheinlich weiter antreiben. Wir erwarten, dass 2021 das Jahr sein wird, in dem ESG wirklich im Mainstream ankommt. Es ist wahrscheinlich, dass die Änderungen an MIFID II mehr Privatanleger dazu bewegen werden, in nachhaltige Fonds zu investieren, da Finanzberater nun gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihre Nachhaltigkeitspräferenzen im Beratungsgespräch abzufragen. 

Hier gelangen Sie zur vollständigen Untersuchung zu europäischen ESG-Fonds.

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Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

 

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Über den Autor

Hortense Bioy, CFA

Hortense Bioy, CFA  is director of passive fund research in Europe.