Bedeutet der Ruhestand das Ende des Einkommens?

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und unzureichender Ersparnisse suchen viele Menschen auch nach dem Eintritt in den Ruhestand noch nach Einkommensquellen

Facebook Twitter LinkedIn

Pensioner on the beach

Im Ruhestand können Sie Ihre wohlverdiente Freizeit genießen – ohne dass Verpflichtungen und berufliche Termine Ihre Woche bestimmen. Allerdings erhalten Sie auch kein Gehalt mehr. Stattdessen beziehen Sie eine Rente von Ihrem Arbeitgeber oder dem Staat (oder beiden). Diese kann zwar ein beständiges Einkommen garantieren, doch für gewöhnlich bedeutet der Austritt aus dem Arbeitsleben, dass sich die Höhe des Einkommens ändert.

Einkommenslücke

Die Rente ist in den meisten Fällen niedriger als das monatliche Einkommen, das Ihnen während Ihrer Berufstätigkeit gezahlt wurde. Dies sollte Rentnern bewusst sein.

Viele können diesen Rückgang verkraften, aber bei manchen reicht das niedrigere Einkommen langfristig womöglich nicht aus. In diesem Fall markiert der Ruhestand zwar das Ende des Arbeitslebens, aber nicht das Ende der Suche nach (zusätzlichen) Einkommensquellen.

Falls Sie ein Zusatzeinkommen benötigen, müssen Sie sich überlegen, wofür Sie es einsetzen möchten: Zur kurzfristigen Aufbesserung Ihres Budgets oder als langfristiges Zusatzeinkommen für die Zeit, in der Ihre Ersparnisse aufgebraucht sind, weil Sie aufgrund des niedrigeren Renteneinkommen im Laufe der Jahre darauf zurückgegriffen haben.

Es mag eigenartig erscheinen, für die finanzielle Zukunft zu planen, wenn Sie bereits im Ruhestand sind. Doch wegen der höheren Lebenserwartung dauert der Ruhestand vieler Menschen heute 20 oder sogar 30 Jahre. Deshalb ist es wichtig, mit einem guten Plan dafür zu sorgen, dass die Ersparnisse nicht zu Neige gehen.  

Kurzfristiges Einkommen

Arbeitnehmer treten immer häufiger schrittweise in den Ruhestand ein, indem sie ihre Arbeitsstunden im Rahmen von Teilzeitarbeit oder Job-Sharing reduzieren – insbesondere seit das gesetzliche Rentenalter angehoben wurde. Dadurch geht das Einkommen nur allmählich zurück und die Anpassung ist einfacher bewältigbar. Viele Rentner möchten ihr Einkommen aber trotzdem steigern, sobald sie die Arbeit komplett niedergelegt haben. 

Falls Sie investieren möchten, um ein kurzfristiges Zusatzeinkommen zu erzielen, können riskantere Anlagen empfehlenswert sein. Sie bieten nämlich das größte Potenzial für relativ hohe und schnelle Renditen. Allerdings sind sie auch mit einem höheren Verlustrisiko verbunden. Finanzberater empfehlen normalerweise, nur dann in risikoreichere Anlagen zu investieren, wenn Sie das Geld mindestens fünf oder sogar zehn Jahre liegen lassen können. 

Eine weitere Option, die sich kurzfristig auszahlt, sind Dividenden.  Die Wahl von Aktien oder Fonds, die auf eine hohe Dividendenrendite ausgerichtet sind, bringt Ihnen ein regelmäßiges Einkommen, wenn die Dividenden ausgezahlt werden. Garantie für Dividenden gibt es allerdings keine. Das zeigte sich 2020, als viele Unternehmen ihre Zahlungen an Aktionäre reduzierten, um im Zuge der Pandemie ihre Finanzlage zu verbessern. Anhand von Kennzahlen wie dem Dividendenabdeckung und dem langfristigen Dividendenwachstum können Anleger dennoch beurteilen, welche Unternehmen die höchste Dividendensicherheit bieten. 

Wenn Dividenden ausgezahlt werden, sind sie eine sehr wertvolle Ertragsquelle. Fondsanleger können ihre Investition damit aufstocken und ihre Renditen so weiter steigern. 

Langfristiges Einkommen

Längerfristige Investitionen, die Sie im Ruhestand tätigen, um zusätzliches Einkommen zu generieren, unterscheiden sich kaum von Investitionen, die Sie während Ihrer Berufstätigkeit für Ihren Ruhestand vornehmen. Sie müssen dafür aber Ihren Anlagehorizont bestimmen. Dies kann schwierig sein, da die meisten Menschen ihre Lebenserwartung unterschätzen und die Gefahr besteht, dass sie länger leben, als ihre Ersparnisse reichen.

Wenn Sie bereits im Ruhestand sind, können Sie besser abschätzen, welche Folgen es hat, dass Ihr Einkommen nun niedriger ist. So könnte es zum Beispiel sein, dass Sie Ihr gesamtes Einkommen und alle Reserven im Laufe Ihres Ruhestands für Ihre Alltagsausgaben benötigen, sodass sich Ihre Reserven irgendwann dem Ende zuneigen. In diesem Fall benötigen Sie möglicherweise das Zusatzeinkommen, das Ihre Anlagen abwerfen, um den Rückgang der Ersparnisse zu kompensieren.

Sie müssen Entscheidungen über Ihre finanzielle Zukunft treffen: Wann benötigen Sie die Anlagerenditen? Welche Risikoprofile eignen sich für die unterschiedlichen Phasen während Ihres Ruhestands? Es kann empfehlenswert sein, für diese längerfristigen Entscheidungen einen professionellen Berater hinzuzuziehen, um sich vollständig beraten zu lassen oder einfach nur eine zweite Meinung zu Ihren Plänen einzuholen.

Facebook Twitter LinkedIn

Über den Autor

Robert van den Oever  Robert van den Oever ist Research Editor bei Morningstar in Amsterdam