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Öl im Depot

Der externe Schock der Naturkatastrophe Katrina war das i-Tüpfelchen auf die ohnehin angespannte Lage am Rohölmarkt. Welche Auswirkungen hat der Anstieg auf Fondsportfolios gehabt?

Werner Hedrich 09.09.2005
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Zum Anfang ein paar nüchterne Zahlen: Der Ölpreis ist 2003 um 15%, 2004 um 33% und 2005 um 50% gestiegen. Raffinierte Produkte wie Benzin sind noch stärker angezogen. Die Gründe für die Hausse des schwarzen Goldes liegen auf der Nachfrageseite: Globales Wirtschaftswachstum und der zunehmende Energiehunger Asiens und Indiens. Das Angebot und die Förderkapazitäten an Öl sind hingegen konstant geblieben.

Wie sollen nun Anleger auf die Veränderung an den Rohstoffmärkten reagieren? Dies hängt davon ab, wie Marktteilnehmer künftiges Wachstum und Inflation in Anbetracht steigender Energiepreise sehen. Grundsätzlich sollte die Hausse des schwarzen Goldes einen bremsenden Effekt auf die Weltwirtschaft haben. Aus diesem Grund könnte der US-Notenbankchef unter Berücksichtigung der nationale

n Katastrophe Katrina den Zinserhöhungszyklus für ein oder zwei Monate aussetzen, um zu sehen, wie die US-Wirtschaft auf den externen Schock reagiert. Dieses Szenario ist gut für Anleihen und wegen der unsicheren Wachstumsaussichten leicht negativ für Aktien. Auch die EZB und japanische Notenbank sollten ähnlich räsonieren.

Die Aktienmärkte signalisieren aktuell: Die Weltwirtschaft steckt den Ölpreisanstieg weg. Der gestiegene Ölpreis wird seine Signalwirkung auf die Wirtschaftsakteure entfalten und zu einer Anpassung der Nachfrage- und Angebotsquantitäten führen. An den Anleihemärkten wird hingegen die konjunkturhemmende Wirkung mit der Folge von tendenziell stagnierenden Leitzinsen eingepreist. Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert nahe der 3%-Marke, in den USA werfen Treasuries leicht mehr als 4% ab.

Gewinner der Ölhausse

Es erstaunt nicht, dass vom Anstieg des schwarzen Golds seit Jahresanfang die Aktien im Energiebereich profitieren konnten. Reine Ölwertefonds wie der Merrill Lynch World Energy Fund und Fortis Fund Equity Energy Europe konnten zwischen Januar und August diesen Jahres ordentlich zulegen. Während der Fortis in europäische Öltitel investiert und einen Zuwachs seit Jahresanfang von 42% erzielen konnte, schnitt der vorwiegend in US-Konzerne anlegende Fonds aus dem Hause Merrill Lynch dank Dollaraufwertung noch besser ab: Plus 59%.

Taktisches Market Timing ist gefährlich

Investoren, die von einem fortlaufenden mittelfristigen Anstieg des Ölpreises ohne negative Auswirkungen auf Wachstum ausgehen, sind hier unter taktischen Gesichtspunkten richtig. Wer mit der Idee spielt, jetzt noch in reine Energiefonds einzusteigen fährt eine heisse Wette. Trends hinterherzulaufen ist gefährlich, Market Timing äußerst schwierig – selbst die Profis liegen hier meist daneben. Wer taktische Positionen hält, sollte auf dem jetzigen Niveau an Gewinnmitnahmen denken und sein Übergewicht im Energiesektor abbauen. Zur Beruhigung: Der MSCI Europe beinhaltet zu 11,2% Energiewerte wie die BP, die französische Total, italienische Eni oder spanische Repsol. Anleger sollten in ihren Europafonds somit den Energiesektor mit einem Zehntel in ihrem Aktienanteil abgedeckt haben.

Schwellenländer und Energiewerte

Ein sehr aggressiv gemanagtes globales Aktienportfolio, das überproportional von Ölaktien profitieren konnte, ist der Carmignac Investissement. In der benchmarkunabhängigen Anlagestrategie setzt der französische Vermögensverwalter auf Rohstoffe/ Energie (40% Sektoraufteilung) und Schwellenländer (40% der Anlagen).

Die gestiegenen Marktpreise für fossile Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle, aber auch Metalle haben die Schwellenländerbörsen seit Jahresanfang haussieren lassen. Der russische, brasilianische und mexikanische Aktienmarkt verzeichnen seit Jahresanfang Gewinne zwischen 20 bis 40%. An den osteuropäischen Börsen Budapest, Prag und Warschau legten Raffineriegesellschaften stark zu. Mit Ölwerten aus Kasachstan und Brasilien schaltet der französische Fondsmanager einen Turbolader. Die Risiken in dieser Strategie liegen in einer restriktiven US-Geldpolitik und dem möglichen Kollaps des US-Verbrauchers. Beide Impulse sollten einen negativen Einfluss auf das Wachstum der Schwellenländer und damit Rohstoffnachfrage haben. Dieser Fonds ist nur etwas für risikofreudige Anleger.

Staatsschulden der Emerging Markets

Gleichzeitig tut den Haushalten aufstrebender Ökonomien der warme Geldsegen aus den „Ölexportsteuern“ und Staatsanteilen im Ölsektor gut. Die Auslandsschulden der Rohstoffexporteure sind an den globalen Zinsmärkten begehrt, bieten sie doch einen Mehrertrag gegenüber Zinsscheinen der OECD Länder. In der Folge sind die Kurse dieser Emerging Market Bonds gestiegen, weil Investoren das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit niedriger einstufen. Die russische und brasilianische Volkswirtschaft zeichnen sich durch solide Zahlungsbilanzen und steigende Devisenreserven dank Öl- und Rohstoffexporten aus. Der von JP Morgan verwaltete Schwellenländerfonds DekaTeam EM Bond gewichtet Brasilien mit 20%, russische Anleihen machen 15% und venezuelanische Staatsschulden 15% des Portfolios aus. Damit sind mindestens 30% in Erdöl exportierenden Ländern allokiert. Brasilien profitiert von der Ausfuhr von Metallen, Kohle, Eisenerz und Stahl. Eine Alternative zu diesem Fonds ist der ähnlich positionierte dit-Emerging Markets Bond Fund. Es ist wahrscheinlich, dass der Rohölpreis in den nächsten Jahren nicht wieder unter 30 Dollar fällt. Auch ein Niveau von 40/50 Dollar je Fass sollte den positiven Trend auf der Einnahmeseite von Schwellenländern stützen. Negativ für Schwellenländerbonds wäre ein signifikanter Anstieg des US-Zinsniveaus.

Pessimisten Wette

Das schlimmste Szenario wäre eine durch den Ölpreis induzierte globale Rezession und ansteigende Inflationsdaten. In dieser Situation wären Notenbanken in einem Dilemma. Um der Inflation Einhalt zu gebieten, müssten sie die Leitzinsen anheben. Andererseits wären in Anbetracht des Wirtschaftsabschwungs niedrige Refinanzierungssätze angemessen. In einem solchen Kapitalmarktumfeld sollte der Goldpreis (DWS Gold Plus) und möglicherweise Goldminenaktien (Merrill Lynch World Gold Fund) profitieren. Aktien würden weltweit unter der Rezession leiden. An den Bondmärkten sollten Anleger zu Anleihen kurzer Laufzeit greifen. Es ist wahrscheinlich, dass die Notenbank der Bekämpfung der Inflation Vorrang gegenüber konjunkturellen Erwägungen geben würden. Das Doom-Szenario sollte eher unwahrscheinlich sein.
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Werner Hedrich