Stiefkind Growth

Im Jahr 2000 setzte ein Markttrend ein, der kleinere Unternehmen gegenüber Standardwerten und Value (Substanz) gegenüber Growth (Wachstum) begünstigte. Abgeschlagen blieben hochkapitalisierte Growthtitel, die den Großteil der drastischen Marktkorrektur nach dem Platzen der Internetblase zu schultern hatten.

Natalia Siklic, 30.09.2005
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Dies verwundert nicht weiter, hatten sie doch am Höhepunkt des Börsenbooms Schwindel erregende Bewertungen erreicht.

Growthinvestoren suchen nach Aktien mit überdurchschnittlichem Umsatz- und Gewinnwachstum. Für dieses zukünftige Wachstum sind sie bereit, vergleichsweise hohe Bewertungen in der Gegenwart in Kauf zu nehmen.

Es wäre zu kurz gegriffen, den Anlagestil „Growth“ nur in Zusammenhang mit den TMT (Technologie, Medien und Telekom)-Branchen zu sehen. Diese standen zwar im Mittelpunkt des Interesses, doch ist auch die Gesundheitsbranche prominent im Wachstumssegment vertreten. Man sollte zudem daran denken, dass die Zugehör

igkeit zum Growthuniversum im Zeitablauf nicht stabil sein muss. Dafür ist wiederum der Gesundheitssektor ein Beispiel, wo manche Unternehmen durch Probleme bei der Entwicklung neuer Medikamente ihre Wachstumscharakteristika einbüßten.

Stehen Wachstumstitel nun vor dem Comeback? Dafür lassen sich natürlich einige gute Gründe finden: die Aufholjagd nach einer langjährigen Schwächephase oder die Bewertung, die mittlerweile so manchen Valuemanager zu traditionellen Wachstumstiteln greifen lässt. Doch abgesehen von der Wette auf Markttrends: Für einen Growthfonds kann einfach auch die Diversifizierung sprechen, denn nach der langen Erfolgssträhne von Value dürften viele Depots zu einseitig aufgestellt sein.

Die Morningstar Style Box hilft Anlegern dabei, den Anlagestil eines Fonds zu erkennen. Wir berechnen den Anlagestil von Aktien unter Verwendung von 10 Finanzkennziffern wie z.B. KGV, Dividendenrendite oder Gewinnwachstum. Die Style Box fasst diese Informationen auf Fondsebene zusammen. Die Auswahl an Growthfonds ist zwar nicht so reichhaltig wie bei Valuefonds, doch einige Produkte entdeckt man bei näherem Hinsehen.

Eine bekannte Adresse für Wachstumsaktien ist die amerikanische Alliance Capital Management mit dem 3,5 Mrd. US-Dollar schweren ACMGI Global Growth Trends Portfolio. Es besteht aus sechs verschiedenen Sektorportfolios, die unabhängig voneinander von Branchenanalysten bestückt werden. Fondsmanager Mike Baldwin koordiniert den Gesamtfonds und entscheidet in Zusammenarbeit mit den Branchenverantwortlichen über die Gewichtung der sechs Sektoren. Diese umfassen Konsumwerte, Gesundheitswesen, Technologie, Finanzen, Energie und Infrastruktur. Der Fonds ist über 150 Titel breit gestreut, was den Einfluss von einzelnen Werten gering hält. Die Betonung liegt aktuell auf Energie und der Gesundheitsbranche, hier auch Biotechnologie. Die Abweichungen von der Länderaufteilung der Benchmark MSCI Welt halten sich in Grenzen, mit etwa 10% sind allerdings Werte aus Schwellenländern beigemischt. Er platzierte sich in den vergangenen fünf Jahren in der oberen Hälfte der Kategorie „Aktien weltweit“, auch wenn Substanzwertstrategien hier im Vorteil waren. In den schwierigen Börsenjahren 2001 und 2002 gelang dies trotz Growthausrichtung durch eine defensive Positionierung.

Mit 1,8 Mrd. Euro ist auch der DWS Top 50 Welt einer der volumenstärksten Fonds mit Growthorientierung. Fondsmanager Volker Dosch steuert den Fonds seit dessen Auflage im Jahr 1997. Den Rahmen für die Auswahl der (namensgebenden) 50 Unternehmen bilden mehrere breite Themen wie Gesundheit, Technologie oder steigender Energiebedarf. Energie ist auch eine der Branchen, die im Fonds mit 22% gegenwärtig eine große Rolle spielen. Unter den Top 10 finden sich mit Pfizer oder Johnson & Johnson mehrere Werte aus der Gesundheitsbranche, die ebenfalls mit über 20% im Portfolio vertreten ist. Über die vergangenen drei Jahre lieferte der Fonds durchschnittliche Ergebnisse, sowohl in der breiten Kategorie globaler Aktienfonds als auch in der engeren Vergleichsgruppe. Verlängert man den Betrachtungszeitraum auf 5 Jahre, sieht das Bild besser aus. Positiv sind auch die vergleichsweise geringen Kursschwankungen.

Der T. Rowe Price Funds SICAV Global Equity Fund hat seit April mit Robert Gensler einen neuen Manager. Davor wurde der amerikanische Teil des Portfolios aus den USA gemanagt, der Rest aus London. Gensler wiederum verantwortete zuvor die Telekom- und Technologie-Branchenfonds des US-Vermögensverwalters. Das spiegelt sich auch im globalen Portfolio wieder, in dem er den Anteil der TMT-Sektoren auf knapp 30% erhöht hat – ein in der Vergleichsgruppe recht hoher Wert. Zudem hat er Aktien aus den Schwellenländern (z.B. America Movil, Petro Brasileiro) auf etwa 10% aufgestockt. Die Ergebnisse nach dem Managementwechsel können sich sehen lassen, wobei die Volatilität seither im Vergleich zur Kategorie zugenommen hat.

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