Fund Times: Die wöchentliche Morningstar Fonds-Kolumne

Nach der Rettung ist vor der Rettung: Konsolidierung in Euroland - Konsolidierung in der Fondsbranche. 

Ali Masarwah 11.06.2012
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Meinungen über Märkte 


Die Nachricht von der – indirekten - europäischen Rettungsaktion für den spanischen Bankensektor hat am Wochenende für Erleichterung gesorgt. Bis zu 100 Milliarden Euro werden die Euro-Retter dem spanischen Rettungsfonds (FROB) zur Verfügung stellen, um eine Sanierung der maroden Banken des Landes zu ermöglichen. Entsprechend haben die europäischen Aktienmärkte mit deutlichen Kursgewinnen den Handel am Montag aufgenommen. Doch handelt es sich bei dem jüngsten Schritt nur um eine kurzfristige Notoperation, die bereits in wenigen Wochen wegen eines anderen Brandherds Makulatur sein wird? Bereits am Montag machten Spekulationen die Runde, welches „Basisszenario“ für die spanischen Banken wohl gelte: eine Kapitallücke von „nur“ 40 Milliarden Euro (IWF), oder doch zwischen 50 und 60 Milliarden Euro (Fitch Ratings)? Übrigens: nach einem so genannten Irland-Szenario könnten sich die Kosten für die Sanierung der spanischen Banken auf bis zu 100 Milliarden Euro belaufen, was dem vollen Umfang der derzeit als Limit gehandelten Summe entsprechen würde. 


Nach Ansicht von Fidelity Investments „durchbrechen die EU-Hilfsmittel für Spanien den Stillstand“. Zu dieser ersten positiven Einschätzung kommt David Simner, Manager der Fidelity Euro Bond und Euro Corporate Bond Funds. Dass Spanien Hilfsmittel aus dem Euro-Rettungsschirm beantragt, sei in „mehrfacher Hinsicht positiv“; es beschleunige die seit langem erwartete externe Prüfung spanischer Banken, was eine „wesentliche Unsicherheitsquelle“ beseitigen werde. Zudem werde die Finanzierung zu Zinsen erfolgen, „die unter dem Marktzins liegen und vermutlich eine lange Laufzeit haben, was beträchtlichen Druck aus dem Markt für spanische Staatsanleihen nimmt“, hofft der Fidelity-Fondsmanager.


Die Rekapitalisierung des Bankensektors mit Mitteln des Rettungsschirms ESFE bzw. des geplanten dauerhaften Mechanismus ESM hält Thomas Gitzel von der VP Bank zwar für „ordnungspolitisch bedenklich“, in Anbetracht der neuerlichen Zuspitzung der Eurokrise allerdings für „nahezu alternativlos“. „Pragmatische Löscheinsätze zur Bekämpfung von Brandherden haben in der aktuellen Situation Vorrang“, so der Kapitalmarktexperte.


Die Experten von Morgan Stanley sehen darüber hinaus den Weg für einen Euro-Schuldentilgungsfonds als Alternative zu Euro-Bonds beschritten. Euro-Bonds gelten vor allem in Deutschland derzeit als nicht durchsetzbar. Der neue Fonds könne bereits auf dem EU-Gipfel Ende Juni verabschiedet werden und 2013 in Kraft treten, ohne dass dafür eine Änderung der EU-Verträge oder des Grundgesetzes nötig wäre, so Morgan Stanley in einem Ausblick. 


Kern dieser auch von deutscher Seite in der Vergangenheit ins Spiel gebrachten Lösung wäre der Transfer der Schulden an den Fonds. Der Umfang könnte die Schulden umfassen, die die Marke von 60% des Bruttoinlandsprodukts überschreiten. Bis zu dieser Marke würden die Schulden in der nationalen Verantwortung der jeweiligen EU-Mitglieder bleiben. 


Allerdings beantworten diese Gedankenspiele nicht die Frage, ob mit der mittelfristigen Fonds-Lösung die kurzfristige Krise überstanden werden kann. Zur Erinnerung: Nach wie vor kursieren alarmistische Einschätzungen über die Zukunft des Euro: Vor einer Woche hatte der ehemalige US-Hedgefondsmanager George Soros etwa die Politik gewarnt, dass das Zeitfenster für eine Lösung der Krise nur bei 3 Monaten liege. 


Entsprechend weisen auch die positiven Kommentare zur jüngsten Wendung der Euro-Krise einen besorgten Unterton auf. „Die Banken sind nur eine Schicht des brüchigen Fundaments der spanischen Wirtschaft, das Land hat immer noch die höchste Arbeitslosigkeit und das drittgrößte Haushaltsdefizit Europas inmitten einer schmerzhaften Rezession“, so Fidelity-Fondsmanager Simner. Er stellt der spanischen Regierung kein gutes Zeugnis beim Krisenmanagement aus. Weitere Herabstufungen durch die Rating-Agenturen hält Simner für wahrscheinlich. Zudem: Am kommenden Wochenende wird in Griechenland erneut gewählt: Weder ein neuerliches Patt noch ein Sieg der linken Opposition erscheinen dazu angetan, die Wogen an den Finanzmärkten zu glätten.


Der Fondsmarkt


Die Asset Management-Branche droht unterdessen, ebenfalls in den Abwärtssog der Finanzmärkte zu geraten. Denn die Fondsindustrie in Europa ist weitgehend ein Bankengeschöpf. Und da die Banken derzeit massiv mit Eigenkapitalproblemen zu kämpfen haben, drohen die Vermögensverwalter en masse auf den Markt geworfen zu werden. Und wie es bei Überangeboten so ist: faire Preise sind dann kaum zu erzielen. Wir hatten bereits in der Vergangenheit  berichtet, dass die Dexia-Gruppe derzeit Interessenten für ihre Asset-Management-Sparte nachgerade heraufbeschwört. Seitdem hat das US-Haus Federated immerhin angedeutet, dass es an einem Kauf möglicherweise interessiert sein könnte. Jetzt soll Medienberichten zufolge die französische Großbank BNP einen Verkauf ihres Vermögensverwalters - die immerhin gut 500 Milliarden Euro schwere BNP Investment Partners - prüfen, um ihre Eigenkapitalbasis zu stärken.  


Konkreter sind indes die Nachrichten aus der Schweiz: Union Bancaire Privée (UBP) schickt sich an, die Schweizer Asset Management-Aktivitäten der spanischen Banco Santander zu kaufen. UBP hat bereits bestätigt, dass der Deal derzeit im finalen Stadium angelangt sei. 


So weit ist man bei der Deutschen Bank nicht. Zwar bekräftigt man in Frankfurt, dass der Verkauf großer Teile des Asset Managements weiter geprüft werde. Verhandelt wird dabei allerdings nur über den Verkauf der alternativen Sparte „RREEF“ – hier redet man weiter mit der US-Guggenheim-Gruppe. In der Vergangenheit wurde allerdings keine Einigkeit über den Preis erzielt. Wie diese geplante Dekonsolidierung mit der laufenden Integration der Vermögensverwaltung unter einem Dach in Einklang zu bringen ist, ist nach wie vor unklar. Festzustehen scheint immerhin, dass das Indexfondsgeschäft von db x-trackers mit der DWS vereint wird. Die neue Sparte Asset und Wealth Management der Deutschen Bank wird übrigens von Michele Faissola, einem Ex-Investmentbanker, geleitet.


Wie schlecht das Sentiment in der Vermögensverwaltungsindustrie derzeit ist und wie wenig Spielräume vorhanden sind, kann man in diesen Tagen an interessanten Details festmachen. Selbst Erleichterungen beim Vertrieb werden in diesen Tagen kaum wahrgenommen. In Frankreich jedenfalls nutzt kaum ein Asset Manager die Chancen der EU-Richtlinie Ucits IV, die den grenzüberschreitenden Vertrieb erleichtern. Das berichtet der französische Fondsverband, der bei seinen Mitgliedern nachgefragt hat. Das erstaunt, weil die neue Richtlinie auch grenzüberschreitende Fonds-Fusionen erleichtert. Auf einer Alfi-Konferenz in London hatten laut Medienberichten bei einer Umfrage 27% der Verantwortlichen gesagt, Ucits IV sei eher eine „Last“. Die Kosten und die notwendigen Ressourcen seien „sehr hoch“, äußerten demnach Mitglieder der Tagung. 


Neue Produkte am Markt


Nach einer Flaute in den vergangenen Wochen haben in den vergangenen Tagen einige Fondshäuser neue Produkte auf den Markt gebracht. So hat Russell Investments einen Schwellenländerfonds aufgelegt. Zum Start wurden für den „Emerging Markets Extended Opportunities“ 7 externe Manager beauftragt, die jeweils globale, regionale, länder- und aktienspezifische Strategien verfolgen, teilte Russell mit. Der Multi-Manager-Fonds investiert vor allem in kleinkapitalisierte Unternehmen und auch in so genannte Frontier-Märkte. Am höchsten gewichtet ist der Fonds-Anteil des auf globale Schwellenländer konzentrierten Fondsmanagers Liu-Er Chen vom Vermögensverwalter Delaware, der 25% des Vermögen des Russell-Fonds managt. Der Fonds weist eine Management-Gebühr von 1,3% pro Jahr auf. 


Die Vontobel-Gruppe hat mit dem Vontobel High Yield Bond Fonds einen Fonds auf den Markt gebracht, der in hochverzinsliche Unternehmensanleihen investiert. Die Bonitätseinstufungen liegen demnach zwischen „BB+“ und „CCC-“. Der Anbieter baut offenbar darauf, dass der Renditehunger der Investoren größer ist als die Bedenken vor steigenden Ausfallraten bei den Schuldnern, wie es in Zeiten einer Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums üblich ist. Benchmark ist der Merrill Lynch High Yield (50% in Euro, 50% US-Dollar gehedged).


Union Investment hat mit dem UniRak Nachhaltig einen Mischfonds aufgelegt, der – wie der Name andeutet – nach sozialen und ökologischen Kriterien anlegt. Zum einen wird nicht in bestimmte Branchen wie Atomenergie-Erzeuger und Streumunitionshersteller angelegt, zum anderen würden laut Fondsmanager Ingo Speich nur in „verantwortlich wirtschaftende Unternehmen investiert“. Darüber hinaus kauft Speich Unternehmen, die in nachhaltigen Geschäftsfeldern aktiv sind, wie beispielsweise Unternehmen, die Windenergie erzeugen und Wasser aufbereiten. Die Verwaltungsgebühr beläuft sich auf für Mischfonds hohe 1,2% pro Jahr, hinzu kommt eine erfolgsbezogene Vergütung.


Einen weiteren Schwellenländer-Fonds hat die UBS auf den Markt gebracht. Der UBS (Lux) Equity SICAV – Asian Smaller Companies investiert in asiatische Nebenwerte, die laut Fondsmanager Raymond Wong derzeit günstig bewertet seien. Derzeit sei der Fonds in zehn Länder und Regionen investiert: Korea, Taiwan, China, Thailand, Hongkong, Indien, Indonesien, Philippinen, Singapur und Malaysia. Das maximale Engagement in einem Land beträgt dabei 35 Prozent. Auch bei der Gewichtung einzelner Branchen beträgt das Limit 35 Prozent. Benchmark ist dabei der MSCI AC Asia ex Japan Small & Mid Caps. Die pauschale Verwaltungsgebühr beläuft sich auf 1,92% pro Jahr. 

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah war von 2011 bis Frühjahr 2021 als Chefredakteur für die deutschsprachigen Anleger Websites von Morningstar verantwortlich