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USA-ETFs im Tracking Test

Haben ETFs der Morningstar Kategorie USA Standardwerte einen guten Job gemacht? Wir gehen der Frage in unserer Serie zu Tracking Error und Tracking Difference nach. Und lösen nebenbei ein kleines Performance-Rätsel.  

Ali Masarwah 18.11.2016

Die effiziente Abbildung des Index ist das A und O der passiven Kapitalanlage. Wer einen ETF oder einen nichtbörsennotierten Indexfonds erwirbt, hat sich vom Thema Alpha oder Outperformance verabschiedet. Es geht um die Abbildung eines Marktes, und zwar so effizient wie möglich. Nicht zuletzt deshalb purzeln seit Jahren die Preise – die ETF-Anbieter liefern sich seit 2012 einen regelrechten Preiskrieg. Das Ziel: Die Investoren sollen davon überzeugt werden, dass das eigene Produkt den geringsten Abstand zum Index aufweist. 

Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass eine systematische, regelmäßige Marktübersicht zur Genauigkeit des Trackings der ETFs am Markt fehlt. Wir sind in die Lücke stoßen und haben eine Rubrik gestartet, in der wir die größten ETFs in den wichtigsten Fondskategorien auf zwei Kennzahlen abklopfen: auf den Tracking Error und die Tracking Difference. Kombiniert bieten diese beiden Kennzahlen eine gute Indikation, welcher Fondsmanager einen guten Job bei der Indexreplikation macht. Leser, die sich näher mit den Vorteilen und Nachteilen dieser beiden Kennziffern beschäftigen wollen, können sich hier über Definitionen und Reichweiten von Tracking Error und Tracking Difference informieren

Der S&P 500 dominiert als ETF Underlying

Doch kommen wir zu unserer Serie: Wir blicken heute auf die ETFs der Kategorie US-Standardwerte (blend). Bei unseren Betrachtungen werden wir uns den Tracking Error und die Tracking Difference über drei Jahre anschauen und uns dabei auf Monatsdaten stützen. Vergleichsmaßstab ist der jeweils in den Fondsprospekten beschriebene Index. Dabei konzentrieren wir uns auf die größten 15 Produkte am Markt, um möglichst vielen Anlegern Aufschluss über die Qualität „ihres“ ETFs zu geben. 

Unsere Darstellung bietet zwei Blickwinkel: Welche Fonds leisten das beste Tracking, und wie sieht der Tracking Error und die Tracking Difference aus? Die Ergebnisse stellen wir tabellarisch dar. Neben den beiden zentralen Kennzahlen führen wir in der Tabelle die Wertpapierkennziffer ISIN, Fondsvermögen, die laufenden Gebühren, die ETF-Benchmark sowie die Replikationstechnik auf. Abgerundet wird die Tabelle von der Dreijahres-Rendite sowie den Morningstar Sterne Ratings und den neu lancierten Morningstar Analyst Ratings dieser ETFs. Nachrichtlich führen wir die Performance des wichtigsten Total Return Index der Kategorie auf. 

Den Kanada-Faktor beim MSCI North America beachten

Wie der Blick auf die Tabelle der größten ETFs der Kategorie USA Standardwerte (blend) zeigt, dominieren Produkte, die den S&P 500 Index abbilden. Zehn der 15 Produkte folgen dem Index, der die 500 größten Aktien der USA abbildet (kapitalisierungsgewichtet nach dem Anteil der frei handelbaren Aktien). Vier ETFs tracken den MSCI USA, einer den MSCI North America. Letzterer kann mit Fug und Recht als Exot unter den ETFs dieser Kategorie angesehen werden. Er setzt sich zu rund sechs Prozent aus kanadischen Aktien zusammen. Anleger sollten also überlegen, ob dieser Index für sie geeignet ist. Zur Erinnerung: Der MSCI Welt enthält bereits einen nicht zu vernachlässigenden Kanada-Anteil von derzeit rund 3,5 Prozent. 

Ansonsten sind sich die oben erwähnten Indizes recht ähnlich, sowohl was die Branchen- als auch die Titelgewichtung anbelangt. Im S&P 500 sind Apple und Microsoft die größten Unternehmen mit einem Gewicht von 3,0 bzw. 2,4 Prozent, es folgt Exxon Mobil mit 1,9 Prozent, Johnson&Johnson, Berkshire Hathaway, Amazon und JPMorgan Chase mit einem Anteil von je zwischen 1,5 und 1,6 Prozent. Die Top fünf im MSCI USA sind Apple (3,2 Prozent), Microsoft (2,3 Prozent), Exxon Mobil (1,8 Prozent), Johnson&Johnson (1,7 Prozent) und Amazon (1,6 Prozent). Branchenseitig sind die Indizes ebenfalls breit diversifiziert. Die größten sind bei MSCI die Sektoren IT (22 Prozent), Healthcare (13,8 Prozent) und Financials (13 Prozent). Beim S&P 500 sieht die Verteilung der drei wichtigsten Branchen wie folgt aus: IT (19,5 Prozent), Healthcare (14,1 Prozent) und Financials (14,8 Prozent). Die Unterschiede sind also nicht wirklich groß. 

Tabelle: Die größten USA-ETFs am europäischen Markt

 

Die obere Tabelle zeigt, dass der Tracking Error der Produkte am Markt durch die Bank sehr niedrig ist. Im Dreijahres-Zeitraum schwankte er zwischen 0,02 und 0,08 Prozent pro Jahr. Und da es sich um eine Stichtagsbetrachtung handelt, sollten diese Unterschiede nicht überbewertet werden. 

Erklärungsbedürftig ist indes die relative Performance der ETFs am Markt. Mit drei Ausnahme haben alle Produkte ihren Index übertroffen. Die beste Bilanz zeigt der BNPP Easy S&P 500 ETF. Er konnte den S&P 500 NR in den vergangenen drei Jahren um kumuliert 1,77 Prozentpunkten übertreffen. Unwesentlich schlechter lagen der Lyxor S&P 500 ETF und der db x-trackers S&P 500 mit einer Outperformance von kumuliert 1,68 bzw. 1,5 Punkten. Nur der UBS ETF MSCI USA, iShares S&P 500 Dist., iShares MSCI North America und Amundi ETF MSCI USA verhielten sich „erwartungsgemäß“ und lagen hinter dem Index, den sie abbilden. 

ETFs sind mitnichten Outperformance-Könige

Wie ist die Outperformance der meisten Produkte zu erklären? Sind ETFs nunmehr also auch die besseren aktiven Manager? Mitnichten. ETF-Anbieter haben allerdings einen Kniff entdeckt (der auch den aktiven Managern nicht verborgen geblieben ist). Sie folgen nicht der typischen Benchmark für US-Aktien, dem Total Return (TR) Index, der Steuern auf Dividenden nicht berücksichtigt. Vielmehr verwenden die Anbieter ausnahmslos die Net Return (NR) Varianten der Indizes, einerlei, ob es die Indizes von S&P oder MSCI sind. Der Kniff: Die NR-Indexvarianten legen die maximalen Quellensteuersätze in der Performance-Berechnung zu Grunde. Ein führt in der Regel allerdings geringere Steuersätze an den Fiskus der jeweiligen Länder ab. 

Der Grund für die Outperformance der meisten ETFs ist also recht einfach erklärbar und sollte Anleger nicht zur Euphorie verleiten. Um Anlegern deshalb ein realistisches Bild zur Performance-Leistung der USA-ETFs zu vermitteln, haben wir auch die annualisierte Dreijahresperformance der ETFs mit der Rendite des S&P 500 TR USD verglichen. Dieser Vergleich erfolgt nur nachrichtlich (vor allem, was die diversen MSCI-Tracker anbelangt!). 

Die beste Performance erzielte der BNPP Easy S&P 500 ETF mit einem Plus von jährlich 16,63 Prozent, gefolgt vom Lyxor S&P 500 ETF und dem db x-trackers S&P 500 mit einem Plus von 16,61Prozent bzw. 16,57 Prozent. Der S&P 500 TR USD brachte es in den vergangenen drei Jahren dagegen auf ein Plus von 16,94 Prozent. Damit übertraf er den besten USA-ETF um 31 Basispunkte jährlich. Unter dem Strich bleibt also die Erkenntnis: Die ETFs am Markt machen einen guten Job, sie bilden ihre Indizes effizient ab. Auf Wasser gehen können sie freilich nicht. 

Die ETFs am Markt machen einen guten Job, sie bilden ihre Indizes effizient ab. Auf Wasser gehen können sie freilich nicht

Doch egal welchen Index man bei der Messung der Effizienz der USA-Standardwerte-ETFs verwendet: In der Vergangenheit hat das Ergebnis gereicht, um die allermeisten aktiv verwalteten Fonds der Kategorie auf Abstand zu halten: Kein ETF unserer Auswahl kommt auf ein Morningstar Sterne Rating von unter vier Sternen („Überdurchschnittlich“). 13 von 15 Produkte bringen es sogar auf fünf Sterne Ratings („Hervorragend“). Zur Erinnerung: Ein fünf Sterne-Rating impliziert, dass ein Produkt risikoadjustiert zu den besten zehn Prozent der Fonds einer betreffenden Morningstar Kategorie zählt (und die setzt sich überwiegend aus aktiv verwalteten Fonds zusammen).

 

Über den Autor Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.