Warum umständlich, wenn es auch einfach geht

Trendfolge - Es muss nicht immer komplex sein.

Gordon Rose 10.12.2012

Trendfolge kurz erläutert
Trendfolge ist eine Anlagestrategie, die auf technischer Analyse von Marktpreisen basiert. Einfach ausgedrückt ist Trendfolge nichts anderes, als anhand der Chartanalyse Aufwärtstrends, Abwärtstrends und Seitwärtsbewegungen frühzeitig zu erkennen und möglichst lange von diesem Trend zu profitieren. Dabei kann man auf kurzfristige, mittelfristige oder langfristige Trends setzen. Bei der Chartanalyse kann man sich unzählig vieler Trendlinien, Indikatoren oder Chartformationen behelfen. Wie wir später sehen werden, muss es jedoch nicht immer kompliziert sein.
Ziel der Trendmodelle ist es nicht die Gewinne zu maximieren, sondern vielmehr die Verluste zu minimieren und dadurch langfristig Mehrwert zu schaffen.
Ein großer Vorteil der Trendfolge ist, dass Emotionen komplett aus der Gleichung genommen werden, da die Strategie auf klar definierten Handelsregeln basiert. Emotionen sind bekannterweise der größte Feind des erfolgreichen Investors.

Was nährt den Trend?
Trendfolge wird auch oft als Momentumstrategie bezeichnet, da beide auf demselben Grundsatz basieren: Indizes die in der Vergangenheit den Markt ausperformt haben, weisen auch in der Zukunft überdurchschnittliche Renditen auf. Sprich, diese Strategien basieren auf historischen Daten und üben sich nicht in Kaffeesatzleserei. Eine Studie von Jegadeesh-Titman aus dem Jahre 1993 zeigt, das Gewinner bis zu einem Jahr weiterhin eine Outperformance generieren, wohingegen Verlierer weiterhin schlechtere Renditen liefern.
Es gibt viele Untersuchungen über Trendfolge, wobei sich Experten über die Ursachen der Trends nicht ganz einig sind. Generell wird die Trendfolge durch “behavioural finance” erklärt; sprich, dem physiologischen Verhalten der Anleger. Nachrichten verbreiten sich zeitweise nur sehr langsam, insbesondere bei illiquiden Unternehmen und/oder wenn die Information nur vage ist. Dies führt bei Investoren zu zaghaftem Handeln und daher spiegeln sich die Neuigkeiten nur sehr langsam im Kurs wieder – ein Trend entsteht.
Mehr zu diese Thema und weiteren Ursachen der Trendfolge können Sie in unserem Artikel „Des Anlegers fremder Freund (der sich nicht immer freundlich zeigt)“ nachlesen.

Trendfolge – Es geht auch einfach
In den letzten Jahren kamen zunehmend Trendfolgemodelle in Form von Investmentfonds auf den Markt. Dabei handelt es sich oft um hochkomplexe Strategien, die hinter jedem Basispunkt herjagen.
Ob es aber immer hochkomplexe quantitative Modelle sein müssen, ist fraglich. Um eine Antwort haben sich Andrew Clare und Peter N. Smith bemüht und sich Trendfolge anhand des S&P 500 Index etwas genauer angeschaut. Dabei sind sie zu folgenden Schlüssen gekommen:
- Um zu untersuchen, ob komplexe Trendfolgestrategien gegenüber einfachen Modellen einen Mehrwert schaffen können, wurden drei verschiedene Ansätze miteinander verglichen. Zuerst wurden verschiedene gleitende Durchschnittslinien (10-450 Tage) herangezogen, um ein Kauf- bzw. Verkaufssignal zu generieren, sobald der Referenzwert die Durchschnittslinie überkreuzt. In einem zweiten Schritt wurden Kaufs- bzw. Verkaufssignale erzeugt, wenn sich gleitende Durchschnittslinien verschiedener Längen überkreuzen. Einem dritten Ansatz lagen Breakout-Regeln zugrunde; sprich, es wurde ein Kaufsignal generiert, sobald der Index bei einem „X-Tag“ Hoch notierte. Der Wert „X“ konnte hierbei 10 bis 450 Tage betragen. Das Ergebnis: Komplexe Trendfolgestrategien schaffen gegenüber einfachen Modellen keinen Mehrwert.
- Die Studie hat sich zudem angeschaut, ob Modelle, die auf täglicher Trendfolge basieren, gegenüber monatlicher Trendfolge Vorteile aufweisen. Generell werden bei solchen Untersuchungen Portfolios konstruiert, die auf der Vormonatsrendite (oft jedoch auf mehreren Monaten) basieren. Diese Strategien haben dabei meist eine Halteperiode von mehreren Monaten, während Trendfolge oft wesentlich kürzere Zeiträume betrachten. Bei der Analyse der verschiedenen Trendfolgeansätze konnte Clare & Smith feststellen, dass Modelle basierend auf Monatsenddaten eine bessere Sharp-Ratio aufweisen, als Modelle, die auf Tagesdaten basieren. Im Zuge dieser Analyse konnte zudem festgestellt werden, das „Whipsawing“ bei der Trendfolge kein Problem darstellt, sofern die Modelle auf nicht zu kurzen Trends aufbauen.
- Zudem wurde untersucht, ob Stop-Loss-Regeln sinnvoll sind. Dabei werden Positionen liquidiert, sobald diese einen vordefinierten Verlust innerhalb einem bestimmten Zeitraum überschreiten. Hierzu wurden verschiedene Regeln miteinander verglichen, mit dem Ergebnis, dass ein Trendwechsel die beste Stop-Loss-Regel ist.
- Zum Schluss haben sich die Autoren angeschaut, ob Strategien basierend auf Fundamentaldaten bessere risikoadjustierte Renditen als Trendfolgemodelle erzielen. Es konnte nachgewiesen werden, dass Trendfolgemodelle die Volatilität um ein Drittel bis zur Hälfte reduzieren und dadurch eine wesentlich bessere Sharp-Ratio aufweisen können.
Fazit: Es muss nicht immer kompliziert sein.

Trendfolge für den Privatinvestor
Einer der beliebtesten und einfachsten Trendfolgeansätze basiert auf gleitenden Durchschnittspreisen. Zum Beispiel wird in den DAX Index investiert, solange dieser über der 200-Tages-Durchschnittslinie basiert. Sobald der Index jedoch unter der Trendlinie notiert, wird zu 100 % in Cash investiert.
In nächsten Artikel zur Trendfolge konstruieren wir daher ein simples Trendfolgemodel auf den DAX. Die Rendite vergleichen wir dann mit einer einfachen Buy-and-Hold-Strategie in den deutschen Leitindex. Die Ergebnisse dürfen sich sehen lassen.

 

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Über den Autor

Gordon Rose  ist ETF-Analyst bei Morningstar.