Vermögensverwalter in der Klimaverantwortung

Der Klimawandel bleibt langfristig die größte globale Bedrohung - für die Menschheit und das Finanzsystem. Wir haben bei Vermögensverwaltern nachgehakt, wie sie sich für das Klima im Dialog mit Unternehmen engagieren.

21.05.2020

Auch wenn die Viruserkrankung Covid-19 derzeit die Schlagzeilen beherrscht, bleibt der Klimawandel die größte Bedrohung für die Menschheit und das Finanzsystem. Der Klimawandel ist langfristig bedrohlicher als das Coronavirus und droht einen destruktiveren Verlauf zu nehmen, wenn die Menschheit nicht umsteuert. 

Die Bemühungen von Investoren, sich mit dem Klimarisiko auseinanderzusetzen, sind also wichtiger denn je. Auch Vermögensverwalter erklären, den Klimawandel auf die Agenda beim Dialog mit Unternehmen gesetzt zu haben, ja, einige stellen das Klimarisiko sogar in den Mittelpunkt ihres Engagements. Es ist jedoch nicht immer leicht zu erkennen, was das in der Praxis bedeutet. 

In unserem neuen Research-Papier „The Power of Dialogue“ analysieren wir die Klima-Berichterstattung von Vermögensverwaltern, um mehr über ihr Engagement zu lernen und herauszufinden, wie sie ihre Verantwortung als treuhänderischer Verwalter von Anlegergeldern mit Blick auf den Klimaschutz wahrnehmen. 

Climate Stewardship kein Fremdwort für Fonds, aber ihr Einfluss ist unklar 

Unsere Umfrage unter 20 großen Vermögensverwaltern aus Europa und den USA, die ihr klimabezogenes Engagement offengelegt haben, zeigt, dass der Klimawandel ein zentrales Thema ist im Dialog mit den Unternehmen. 16 der 20 Vermögensverwalter diskutieren das Klimarisiko als eigenständiges Engagement und 13 stellen das Klimarisiko in den Mittelpunkt ihrer Engagement-Strategien mit den Unternehmen. 

Allerdings finden die Diskussionen hinter geschlossenen Türen statt, das Engagement ist zudem mehrjährig und umfasst oft mehrere Themenkomplexe gleichzeitig. Daher ist es schwierig zu beurteilen, wie effektiv das Engagement der Vermögensverwalter tatsächlich ist. Beobachtern stehen nur die Engagement-Berichte zur Verfügung oder qualitative Aussagen wie diese Umfrage. Messen lassen sich die Folgen des Engagements indes nur selten. 

Die Haupttreiber von Climate Stewardship für Vermögensverwalter 

Mindestens zwei Denkweisen treiben das Klimaengagement von Vermögensverwaltern an: eine Konzentration auf die Risikominderung von Portfolios und ein marktweiter (oder systemischer) Ansatz zur Herbeiführung von klimarelevanten Veränderungen. 

Das müssten Asset Manager nicht auf eigene Faust tun. Ihnen stehen die Möglichkeiten des gemeinsamen Engagements für klimapolitische Maßnahmen offen. Manche Asset Manager verfolgen eine koordinierte Strategie, etwa im Zuge der Initiative „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ (TCFD) unter Ägide des Financial Stability Board, ein internationaler Zusammenschluss von Aufsichtsbehörden, Zentralbankern und Finanzministerien.

Unsere Umfrage zeigt, dass die großen europäische Vermögensverwalter häufiger an kooperativen Engagements teilnehmen oder diese leiten als US-Vermögensverwalter. Zu diesen kooperativen Engagements zählen Forderungen nach Offenlegungen, die mit der TCFD abgestimmt sind. Auch eine bessere Klima-Governance und Emissionsreduzierungen stehen auf der Agenda. Darüber hinaus haben europäische Vermögensverwalter häufiger Initiativen unterzeichnet, die die Regierungen zum Handeln gegen den Klimawandel auffordern. 

Transparenz über die Ergebnisse ist der Schlüssel zum Engagement für Wirkung 

Insgesamt verfolgen die befragten Vermögensverwalter einen ergebnisorientierten Ansatz. Sie legen ihre Engagement-Aktivitäten offen und bieten quantitative und qualitative Beschreibungen der Klimaengagement-Aktivitäten. Auch wenn diese nützliche Einblicke ermöglichen, gab nur ein Vermögensverwalter, die britische LGIM, eine Zusammenfassung seiner Aktivitäten heraus sowie eine Erklärung der Erfolge und Misserfolge des Hauses beim Klimaengagement. 

Die Umfrage identifiziert mehrere Best-Practice-Beispiele für Vermögensverwalter, die die Transparenz ihres Engagements verbessern und ihren Einfluss erhöhen wollen. Diese Beispiele veranschaulichen Fälle, in denen Vermögensverwalter dies getan haben: 

- den Klimawandel als Stewardship-Priorität übernommen haben, 

- ein oder mehrere klimaspezifische Engagements beschrieben, 

- Unternehmen identifiziert, die sich mit Blick auf Klimarisiken engagieren, und 

- den Fortschritt bei Klimaverpflichtungen gemessen und offengelegt.

Diese Indikatoren können Investoren dabei helfen, die Angaben der Vermögensverwalter zum Klimaengagement zu vergleichen und ihre Engagements bei der Reduzierung des Klimarisikos zu erfassen. Investoren können diesen Ansatz bei der Auswahl und beim Monitoring von Vermögensverwaltern auf der Grundlage ihres Klima-Stewardships nutzen.

Die Qualität der Engagements, die in den kommenden Monaten und Jahren zwischen Anlegern und ihren Asset Managern auf der einen Seite und Unternehmen auf der anderen entstehen, wird eine entscheidende Rolle spielen bei der Etablierung einer langfristigeren Investmentperspektive Perspektive mit anderen, neuen Schwerpunkten. 

Sie können die Vollversion der Untersuchung „The Power of Dialogue: Asset Manager Reporting on Climate-Risk Engagements“ hier kostenlos herunterladen.

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