Quel Soulagement! Die Märkte reagieren auf Macrons Sieg

Macrons Sieg bei den französischen Präsidentschaftswahlen ist für viele eine Erleichterung, aber der weitere Weg nach wird nicht vor den Parlamentswahlen im nächsten Monat klar sein

Ollie Smith 25.04.2022
Facebook Twitter LinkedIn

Frankreich Wahlen

Marktbeobachter reagieren erleichtert auf den Sieg von Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentschaftswahlen. Aber dieser Sieg ist nur ein Anfang, wie die Beobachter mit Blick auf die Parlamentswahlen betonen ...

Vincent Mortier, Gruppen-CIO, Amundi

Macron machte deutlich, dass diese Wahl ein Referendum über Europa sei. Sein Sieg wird ihn dazu bringen, das deutsch-französische Duo und die europäischen Institutionen im Allgemeinen zu stärken. Der designierte Präsident [hat zudem] gesagt, er werde die Tradition der gewählten Präsidenten fortsetzen, indem er schnell nach Berlin reist, um den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz zu treffen. Das Ausbleiben eines Kurswechsels wird nicht nur andere EU-Staaten, sondern auch die Nato beruhigen. Macron wird nicht in der Lage sein, [seine versprochenen] Reformen sofort auf den Weg zu bringen oder Gesetze zu verabschieden. Er muss sich eine Mehrheit im Parlament sichern (Parlamentswahlen sind für den 12. bis 19. Juni angesetzt). Historisch gesehen haben die Wähler dem gewählten Präsidenten immer die Mehrheit gegeben. Doch die zunehmende Fragmentierung der politischen Landschaft lässt es zweifelhaft erscheinen, dass Macrons Partei diesmal über eine absolute Mehrheit verfügt.

 

Chris Beauchamp, Chefmarktanalyst, IG Group

Macrons Sieg hat europäischen Assets, die von einer allgemeinen Verkaufswelle mitgerissen wurden, nur eine kurze Atempause verschafft. Die Umfragen hatten den Amtsinhaber bequem in Führung gesehen, daher war das Ergebnis keine Überraschung, aber der Fokus verlagert sich nun auf die Parlamentswahlen im Juni. 42 % der gestrigen Wähler entschieden sich für Le Pen, ein Zeichen dafür, dass in Frankreich immer noch erhebliche Unzufriedenheit herrscht, die in ein paar Wochen erneut explodieren könnte und weiteren Druck auf die europäischen Assets ausüben könnte.

 

Frédéric Leroux, Fondsmanager, Carminac

Macrons klarer Sieg dürfte den Märkten die Gewissheit geben, dass die europäische Dynamik anhalten wird. Kurzfristig könnte der logische Hauptgewinner dieser Wahl der Euro sein, der am vergangenen Freitag noch mit Zweijahrestiefs gegenüber dem Dollar flirtete. Da der europäische Aktienmarkt in den letzten Tagen den US-Markt eher outperformt hat, ist nicht unbedingt eine massive Outperformance französischer oder europäischer Aktien gegenüber den USA zu erwarten. Der für die Märkte negative Aspekt dieser eher komfortablen Wahl könnte jedoch von einer schnellen Entscheidung für ein Embargo russischen Öles kommen, was Inflationsdruck und die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums (das Stagflationsszenario) in Europa verschärfen würde. 

 

Seema Shah, Chefstrategin, Principal Global Investors

Einerseits, als sich der Abstand zwischen den beiden Kandidaten in den Meinungsumfragen in der letzten Woche vergrößerte, schien ein Macron-Sieg ziemlich gut eingepreist. Andererseits bedeutete die Genauigkeit – beziehungsweise das Fehlen einer solchen – bei politischen Umfragen der letzten Jahre, dass Investoren immer etwas nervös waren. Obwohl dieses Ergebnis – verglichen mit der Alternative – eine gute Nachricht für den Euro, die Spreads französischer Anleihen und die Aktienkurse französischer Banken ist, ist angesichts der breiteren makroökonomischen Aussichten durch den Krieg in der Ukraine in naher Zukunft kaum ein großes Aufwärtspotenzial für diese Assets zu erkennen. Wir halten die Wahrscheinlichkeit, dass Europa dieses Jahr mit einer Rezession beenden wird, für hoch – und Macrons Sieg ändert daran nichts.

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Sie sind weder als Aufforderung noch als Anreiz zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers oder Finanzinstruments zu verstehen. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen sollten nicht als alleinige Quelle für Anlageentscheidungen verwendet werden.

Facebook Twitter LinkedIn

Über den Autor

Ollie Smith  Redakteur bei Morningstar UK