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Fondskosten: Deutschland, dein Mischfonds-Desaster

Fondskosten sind der entscheidende Faktor für den Erfolg von Fonds. Tragisch, dass vor allem Mischfonds aus Deutschland sehr teuer sind. Das liegt auch, aber nicht nur an der  Bündelung von Vertriebs- und Fondskosten.

Ali Masarwah 25.03.2020

Dass Morningstar seit jeher die These vertritt, dass niedrige Gebühren der wichtigste Faktor sind, wenn es um die Bestimmung von Erfolgschancen von Fonds geht, ist Legende. Anleger verbessern ihre Erfolgschancen massiv, wenn sie die Kosten ihrer Investments senken. Und da die Fondsanbieter in aller Regel nicht die Gebühren ihrer Fonds senken, gilt es für Anleger zu handeln. Das ist sehr bedauerlich, denn die Fondsbranche könnte gerade für Privatanleger sehr viel Gutes auf der Gebührenseite tun. 

Fondsanbieter könnten zum Beispiel die Gebühren von Fonds, deren Vermögen steigt, progressiv senken, also Investoren an Skalen-Effekten teilhaben lassen. Das tun die Vermögensverwalter bei Fonds für institutionelle Kunden sehr wohl, nicht aber bei Produkten für Privatkunden, die günstige institutionelle Mandate systematisch quersubventionieren. Die systematische Benachteiligung von Fondsanlegern ist gleichermaßen dramatisch wie allgemein bekannt und kann infolge nur in Märkten funktionieren, die auf einer systematischen Informationsasymmetrie basieren und/oder oligopolistisch organisiert sind. 

Alle zwei Jahre wieder kommt der große Morningstar-Fondskostenvergleich

Weil Morningstar bemüht ist, die Bedingungen, die Anleger auf ihren Heimatmärkten vorfinden, in den allgemeinen Kontext zu setzen und die Gebühren quer über alle Märkte transparent und damit vergleichbar zu machen, vergleichen wir regelmäßig in unserer Global Investor Experience Study (GIE) die Gebühren von Fonds auf internationalem Maßstab. 

Die großangelegte Morningstar Analyse zu den Kosten in 26 Fondsmärkten weltweit ist veröffentlicht! In unserer zweijährlichen Untersuchung vergleichen wir die unterschiedlichen Konditionen, die Investoren an ihren Heimatmärkten vorfinden. Unterschieden werden dabei zwischen den Kosten lokaler Fonds und den Kosten grenzüberschreitend vertriebener Fonds. 

Auf der fünfstufigen Skala – „Top“, „Überdurchschnittlich“ (Above Average), „Durchschnittlich“ (Average), „Unterdurchschnittlich“ (Below Average), „Flop“ (Bottom) schnitten 2019 Australien, die Niederlande und die USA mit der Note „Top“ am besten ab. Die drei Märkte bieten Investoren die günstigsten Fonds. Gemein ist ihnen, dass Vertriebs- und Produktkosten getrennt werden. Auch ist der Wettbewerb in den drei Märkten zwischen den Fondsanbietern intensiv, und Skaleneffekte werden typischerweise an Investoren weitergegeben.

Fondsstandort Deutschland: Für Anleger kein günstiges Pflaster 

Anders sieht es dagegen in Deutschland aus. Der Fondsstandort Deutschland erhält nur die Note „Unterdurchschnittlich“ mit Blick auf Gebühren und Aufwendungen, die Investoren bei Fonds-Investments tragen müssen.  

Der Grund ist einfach. Fonds sind in Deutschland teuer. Besonders krass schlagen die Mischfonds ins Kontor, die in Deutschland aufgelegt wurden. In der Lieblingsfonds-Kategorie der Investoren in Deutschland sind die Kosten besonders hoch. Im vermögensgewichteten Median fallen für Mischfonds deutscher Provenienz Kosten von 1,80 Prozent an. Etwas günstiger sind vermögensgewichtet Aktien- und Rentenfonds, die es auf Kosten von 1,46 bzw. 0,74 Prozent bringen.  

Die untere Tabelle illustriert, wie hoch die Kosten der Fonds, die in Deutschland domiziliert bzw. zum Vertrieb zugelassen sind. 

Der wichtigste Grund für das schwache Abschneiden des deutschen Fondsmarkts mit Blick auf die Kosten, ist die Vertriebspraxis. In Deutschland mindern typischerweise eine Kombination aus Ausgabeaufschlägen und Vertriebsfolge-Provisionen (Kickbacks) die Anlegerrendite. Zwar können Anleger in Deutschland bei der Vertriebsstelle über die Höhe der Abschlussgebühr verhandeln, allerdings sind diese Gebühren, die weltweit auf dem Rückzug sind, in Deutschland nach wie vor üblich. 

Es dominiert bei den Beratungskosten das Provisionsmodell. Ausnahmen vom Provisions-Vertrieb sind selten. Zwar werden in Deutschland immer mehr Fonds, die keine Vertriebskosten enthalten – sogenannte Clean Share Classes –, zum Vertrieb zugelassen, aber diese sind zumeist für Selbstentscheider nicht zugänglich, sondern über Honorarberater oder diskretionäre Portfoliomanagement-Dienstleistungen verfügbar. 

Solche Vertriebsstellen sind für die große Masse allerdings die Ausnahme, was auch daran liegt, dass die Bereitschaft von Anlegern in Deutschland, für Beratung zu zahlen, in der Breite derzeit nicht vorhanden ist.  

Für Selbstentscheider bieten sich daher häufig börsengehandelte Fonds (ETFs) an. Sie werden von Privatanlegern immer häufiger genutzt. Zudem neigen Honorarberater sowie Robo-Advisor dazu, ETFs zu verwenden. Auch Privatanleger, die bisher keine Selbstentscheider waren, sollten sich genau überlegen, ob sie weiterhin auf das klassische Fondsvertriebsmodell setzen wollen, oder nicht doch auf die zunehmend heterogener werdende Vertriebslandschaft in Deutschland setzen wollen.  Im Interesse ihrer Portfolio-Performance. 

Grafik: Die Kosten von Fonds mit Auflagestandardort DeutschlandMit Blick auf ausländische Fonds, die in Deutschland zu Vertrieb zugelassen sind, kommen Anleger bei Mischfonds etwas günstiger davon; ausländische Aktien- und Rentenfonds, die zumeist in Luxemburg oder Irland zugelassen sind, sind dagegen teurer als ihre deutschen Pendants. 

Grafik: Die Kosten ausländischer Fonds mit Vertriebszulassung in Deutschland

Sie können die vollständige Version der Morningstar Global Investor Experience Study 2019 hier kostenlos herunterladen.

 

 

 

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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