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Interessante Nische im Mischfonds-Markt: gemischte ETFs

Wir haben festgestellt, dass bei aktiv verwalteten Mischfonds einiges im Argen ist. Es lohnt sich daher, mit den wenigen ETF-Mischfonds am Markt auseinanderzusetzen. Die meisten hatten in den vergangenen Jahren Erfolg, hinkten während der Corona-Krise aber den Kategorie-Durchschnitten hinterher. 

Ali Masarwah 26.03.2020

Nachdem wir im Zuge der Berichterstattung zu Mischfonds festgestellt haben, dass viele Mischfonds auf lange Sicht suboptimale Renditen geliefert haben, kommen wir nun zu einer wenig bekannten Seite des unübersichtlichen Mischfondsmarkts: ETF-Mischfonds. Auch wenn es nur eine Handvoll dieser Produkte im deutschsprachigen Raum gibt, so haben die meisten über die Jahre eine ordentliche Performance-Historie aufgebaut. Sie haben die Vorzüge von ETFs; sie kombinieren günstige Kosten mit regelbasierten, zumeist diversifizierten Strategien bzw. Rebalancing-Mechanismen sowie mit der allgemeinen Verfügbarkeit durch das Börsen-Listing. Diese scheinbar banalen Eigenschaften sind das Zeug, aus dem Outperformer gemacht werden. 

Im Folgenden stellen wir die ETF-Mischfonds vor, die in Börsen in Deutschland gelistet sind. Die Details zu den Fonds finden Sie auch in der Tabelle weiter unten auf dieser Seite. (Alle Performance-Daten sind in Euro berechnet.) Wir fangen mit den defensiven Mischfonds an, und arbeiten uns über die ausgewogenen Misch-ETFs zu den aggressiven Aktien-Renten-Produkten durch. 

Xtrackers Portfolio Income ETF

Beim Xtrackers Portfolio Income handelt es sich um einen global investierenden defensiven EUR Mischfonds. Die Deutsche Bank ist nur die auflegende KVG; der Fonds wird von der Index Capital GmbH bzw. Dr. Andreas Beck, Gründer des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) in München, gemanagt. Beck wendet den Mehrfaktoren-Ansatz von Fama/French an. 

Es kommen sieben Prämien beim Aufbau des Marktportfolios zum Einsatz: Nebenwerte, Value, Quality und Emerging Markets auf der Aktienseite (für Beck stellen Emerging Markets einen eigenen Risikofaktor dar); Laufzeiten, Bonitäten und Emerging Markets auf der Rentenseite. Hinzu kommen Geldmarkt-Instrumente und überwiegend kurzlaufende EUR-Staatsanleihen. Diese Faktoren werden mit ETFs von Xtrackers abgebildet. Die Kosten sind mit 0,65 Prozent höher als beim Arero und den ComStage-ETFs, liegen aber noch deutlich unter dem Durchschnitt aktiv verwalteter Fonds.  

Der Xtrackers Portfolio Income ETF weist typischerweise eine Aktienquote von zwischen fünf und 30 Prozent aus (aktuell sind es 27 Prozent und damit am oberen Ende des Limits), 60 bis 95 Prozent der Assets stecken in Anleihen. Er kann auch in Rohstoffe investieren, und zwar in einer Bandbreite von null bis 10 Prozent. Aktuell sind Commodities allerdings nicht vertreten.

In der Vergangenheit hat der ETF regelmäßig von der hohen Quote an Unternehmensanleihe-ETFs profitiert, was das vermeintlich konservative Profil des Fonds relativiert. Das zeigt sich anhand der erhöhten Volatilität und des überdurchschnittlichen maximalen Verlusts in drei Jahren. Die Konzentration auf Risiko-Assets hat 2020 Spuren hinterlassen, doch das tut der deutlichen Outperformance in den vergangenen drei Jahren keinen Abbruch. Anleger wurden bisher für das erhöhte Risiko kompensiert. 

Ossiam Global Multi-Asset Risk Control ETF

Im Gegensatz zu den anderen ETFs dieser Auswahl, die recht robuste, einfache Ansätze implementieren, die angetan sind, langfristig stabile Asset Allocation Strategien zu unterfüttern, ist der Ossiam Global Multi-Asset Risk-Control ETF ein recht komplexes Gebilde. Der zweite defensive ETF investiert dynamisch und steuert die Asset Allocation anhand statistischer Verfahren, welche unter anderem historische Aktien-, Bond- und Rohstoffrenditen, Volatilitäts-Schätzungen und Korrelations-Analysen kombinieren. In Summe soll die erwartete Rendite maximiert und die erwartete Volatilität minimiert werden. Die Strategie wird mittels eines Total-Return-Swaps umgesetzt, die Replikation ist also synthetisch. 

So weit, so komplex! In der Praxis setzt sich der ETF aus einem Rendite-Korb und einem Cash-Korb zusammen. Der Rendite-Korb soll einen Anteil von zwischen 43 und 100 Prozent des zugrunde liegenden Index ausmachen; der Cash-Korb changiert zwischen null und 57 Prozent. Innerhalb des Rendite-Korbs können der EURO STOXX 50, FTSE 100 und S&P 500 bis zu 50 Prozent ausmachen. Das Portfolio kann zwischen vier und zwölf Mal pro Jahr neu zusammengesetzt werden. 

In den vergangenen drei Jahren lag die Performance mit minus 2,3 Prozent pro Jahr ein Tick besser als beim durchschnittlichen defensiven Mischfonds.

Lyxor Portfolio Strategy ETF 

Der ausgewogene Mischfonds Lyxor Portfolio Strategy ETF ist der älteste der ehemaligen ComStage-Vermögensverwaltungs-ETFs. Er setzt sich auch aus den Asset-Klassen Aktien, Renten, Rohstoffen zusammen. Aktien-ETFs machen 60 Prozent des Fondsvermögens aus, Renten-ETFs 30 Prozent und Rohstoffe zehn Prozent. Auch dieser ETF wird einmal pro Jahr im März auf seine Ausgangslage zurückgeführt.

In der Ausgangsgewichtung machen die Indizes MSCI North Amerika und Stoxx Europe 600 jeweils 15 Prozent des Vermögens aus, ETFs auf den MSCI Pacific und MSCI Emerging Markets je zehn Prozent, und der DAX und MDAX sind mit je fünf Prozent des Vermögens vertreten. Auf der Renten-Seite finden sich der 10 Y US-Treasury Future, iBoxx EUR Liquid Sovereigns Diversified Overall und iBoxx EUR Germany Covered Capped Overall mit je zehn Prozent des Vermögens. Die Rohstoffkomponente bildet der Index Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW ab und ist ebenfalls mit zehn Prozent des Vermögens vertreten. 

Der ETF kommt auf eine günstige Kostenquote von 0,46 Prozent. Die Rohstoffkomponente hat in diesem Jahr belastet, wie auch die hohe Gewichtung europäischer Assets. In der Dreijahresbilanz liegt der ETF indes vor dem Durchschnitt der Kategorie. Auch hier sind die Risiko-Kennzahlen ungünstiger als beim durchschnittlichen ausgewogenen Mischfonds.  

Lyxor Portfolio Strategy Defensive ETF

Das Aktien-Exposure beim Lyxor Portfolio Strategy Defensive ETF beläuft sich 40 Prozent des Fondsvermögens; Renten- und Geldmarkt-ETFs machen 50 Prozent aus, und Rohstoff-ETCs sind mit zehn Prozent gewichtet. Der Fonds wurde erst Anfang 2018 aufgelegt und ist mit einem Vermögen 13 Millionen Euro klein. In den Aufwärtsmärkten bis Anfang des Jahres konnte er sich oben behaupten, und auch in der Korrektur begrenzte die konservative Komponente des Portfolios die Verluste gegenüber der Kategorie der ausgewogenen Euro-Mischfonds. Die Gebühren von 0,41 Prozent sind sehr günstig. 

Xtrackers Portfolio ETF 

Der Xtrackers Portfolio ETF wurde im November 2008 aufgelegt und zählt somit zu den ältesten Misch-ETFs am Markt. Er ist aktienlastiger als der Xtrackers Portfolio Income und zählt zu den ausgewogen investierenden Mischfonds. Auch der Xtrackers Portfolio ETF wird von Dr. Beck vom Institut für Vermögensaufbau (IVA) verantwortet. Auch hier kommt der oben beschriebene Multifaktor-Ansatz zum Tragen, der von ETFs der Deutschen Bank abgebildet wird. 

Per Ende Februar belief sich der Aktienanteil auf rund 60 Prozent des Fondsvermögens, Bonds machten gut 35 Prozent aus. Das erklärt die recht hohen Verluste in diesem Jahr.  

Die Kosten sind mit 0,70 Prozent recht hoch im Vergleich zu den anderen ETFs dieser Auswahl. In diesem Jahr hat die Performance unter dem hohen Risiko-Exposures gelitten, in den vergangenen drei Jahren lag der ETF allerdings pro Jahr noch um gut 50 Basispunkte jährlich vor dem Kategorie-Durchschnitt. 

Arero Weltfonds

Der  Arero Weltfonds (steht für Aktien-Renten-Rohstoffe) ist der Pionier unter den Index-Mischfonds. Auch wenn er zumeist weniger als 60 Prozent seiner Mittel in Aktien investiert, gilt er als aggressiver Mischfonds, weil er auch zu 15 Prozent seiner Gelder in (volatile) Rohstoffe investiert. Das Konzept basiert auf den Kapitalmarktstudien des Fondsberaters, Prof. Weber GmbH, hinter der Martin Weber von der Uni Mannheim steht. Er hat im Rahmen von historischen Studien die „optimale“ Asset Allocation ermittelt, deren Umsetzung er als „wissenschaftlich begründete, konsequent passive Anlagestrategie“ bezeichnet. Mit Kosten von 0,5 Prozent pro Jahr zählt der Arero zu den günstigsten Mischfonds am Markt. 

Der Arero verzichtet auf Market Timing und Stockpicking. Er bildet die Performance von globalen Aktien, Euro-Anleihen und Rohstoffen auf Index-Basis ab. Die Asset Allocation setzt sich aus Aktien (60 Prozent), Renten (25 Prozent) und Rohstoffen (15 Prozent) zusammen. Die Gewichtung der Aktienquote richtet sich nach dem BIP-Anteil von Regionen, was eine hohe Gewichtung von Schwellenländern zur Folge hat. Das verleiht dem Aktienanteil eine gewisse Dynamik. Darüber hinaus wird das Portfolio einmal jährlich auf die Ausgangsbasis zurückgeführt (Rebalancing). 

Die Strategie des Arero ist seit der Auflage im Oktober 2008 unverändert geblieben, wenn sich auch die Umsetzung inzwischen weiterentwickelt hat. Seit Anfang 2018 investiert er nicht mehr über Derivate, sondern physisch in die Aktien- und Rentenmärkte (die Abbildung der Rohstoffkomponente erfolgt zwangsläufig nach wie vor über Swaps). 

Der Arero hat in den vergangenen Jahren regelmäßig den Durchschnitt der Vergleichsfonds aus der Kategorie der aggressiv investierenden EUR-Mischfonds übertroffen. Das ist insofern beachtlich, als er wegen seiner hohen Rohstoffkomponente, der signifikanten Investments in Schwellenländern und der Begrenzung auf Staatsanleihen auf der Bond-Seite zeitweilig einige Performance-Bremsen im Portfolio hatte. Doch es war genau diese Konstellation, die ihm zu einer Outperformance auch in diesem Jahr verholfen hat, wie aus der Tabelle unten hervorgeht.

Lyxor Portfolio Strategy Offensive ETF 

Der Lyxor Portfolio Strategy Offensive ETF investiert physisch, und zwar über ETFs ebenfalls in Aktien, Renten und Rohstoffe. Das Aktiengewicht liegt bei 80 Prozent, Renten-ETF (inklusive Geldmarkt-ETFs) und Rohstoff-ETCs sind mit jeweils zehn Prozent gewichtet. Einmal im Jahr, im März, wird das Portfolio wieder auf die Ausgangslage zurückgeführt. 

Der ETF ähnelt in einigen Aspekten dem Arero, hebt sich aber in einigen Punkten von ihm ab. Die Aktiengewichtung folgt nicht der globalen BIP-Quote, sondern gewichtet recht starr Europa – und dabei vor allem Deutschland – relativ hoch. Zudem wurden Agrar-Rohstoffe wegen der Bedenken von Investoren über die Rolle von Finanz-Investoren beim Zustandekommen von Rohstoffpreisen ausgeschlossen. Die Kosten sind mit 55 Basispunkten pro Jahr für einen Misch-ETF ebenfalls günstig. 

Der ETF wurde erst im März 2018 aufgelegt. Das ist angesichts der klaren Systematik kein Problem: Wer diversifiziert und aktien-orientiert (und passiv!) investieren will, weiß, was er hier bekommt. Bedenklich stimmt allerdings das niedrige Vermögen von nur 6,5 Millionen Euro. Doch da der Fonds auch nach der Integration der ETF-Sparte der Commerzbank in die Produktpalette von Lyxor existent ist, deutet sich an, dass diese sehr kleine Perle auf Sicht nicht wegfusioniert werden wird.

Tabelle: ETF-Mischfonds in der Übersicht

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier.

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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