Geschäftsberichte der DAX-Unternehmen: Rückblick aufs erste Quartal

Die großen deutschen Unternehmen haben berichtet. Unser Fazit.

Antje Schiffler 17.05.2024
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DAX

Nach Einschätzung von Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY sind deutschen Top-Konzerne schwach ins Jahr gestartet: Im ersten Quartal verzeichneten die DAX-Unternehmen einen Umsatzrückgang um 3,6%. Der operative Gewinn sank insgesamt um 1,9%.

Dabei unterschieden sich die einzelnen Branchen erheblich: So erzielten Unternehmen aus der Finanzbranche ein Gewinnplus von 20%, die Industrieunternehmen hingegen einen Gewinnrückgang um 7%.

Vor allem die Unternehmen aus der Automobilbranche mussten nach den Rekordgewinnen im Vorjahr nun schwächere Zahlen melden: In Summe ging der Umsatz der im DAX vertretenen Autohersteller und -zulieferer um 2,1% zurück, der Gewinn brach sogar um ein Viertel ein.

Das gewinnstärkste Unternehmen war im ersten Quartal die Deutsche Telekom vor Volkswagen und BMW. Ein DAX-Unternehmen wies einen operativen Verlust aus.

16 DAX-Konzerne konnten ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern, 21 Unternehmen verzeichneten hingegen einen Umsatzrückgang. Die höchsten Zuwachsraten erzielten die Deutsche Börse, Rheinmetall und Airbus. Über rückläufige Umsätze berichteten neben den Automobilunternehmen vor allem Unternehmen aus der Chemiebranche sowie die Energiekonzerne.

Schwache Konjunktur hinterlässt Spuren bei Dax-Konzernen

"Die schwache weltweite Konjunkturentwicklung hinterlässt zunehmend Spuren in den Bilanzen der DAX-Konzerne", sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY. "Die Industrienachfrage bleibt auf einem niedrigen Niveau. In vielen Branchen sind Überkapazitäten, hohe Kosten und Preiskämpfe zu beobachten.“

"Vor allem in der Automobilindustrie ist die Party vorbei“, so Mathieu Meyer, Partner bei EY. "Die Branche ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert: dem schleppenden Hochlauf der Elektromobilität, einer zurückhaltenden Kundennachfrage und hohen Materialkosten. Traummargen wie im vergangenen Jahr lassen sich in diesem Umfeld kaum noch erzielen."

Der chinesische Markt hatte in den vergangenen Jahren weitgehend zuverlässig für Wachstum bei den exportorientierten deutschen Konzernen gesorgt – das ist nun vorbei. Keine der großen Weltregionen entwickelt sich seit dem vergangenen Jahr so schwach wie der asiatische Markt, wo die DAX-Konzerne im ersten Quartal etwa ein Zehntel ihres Vorjahresumsatzes verloren.

 

Flaue Nachfrage aus China belastet

"Der chinesische Markt war immer kompliziert – aber so schwierig wie heute war er noch nie“, sagt Meyer. „Die chinesische Industrie hat massive Überkapazitäten aufgebaut, die zu Niedrigpreisen exportiert werden. Und in China selbst stockt die Nachfrage. Gleichzeitig bleibt China ein unverzichtbarer Absatzmarkt für die deutsche Industrie – die Abhängigkeit ist nach wie vor sehr hoch. Damit müssen die deutschen Unternehmen, die dort engagiert sind, nun umgehen."

"Bemerkenswert ist, dass es immer noch etlichen deutschen Top-Unternehmen gelingt, sich gegen die Krise zu stemmen und bei Umsatz und Gewinn zuzulegen. Zudem sehen wir einen Strategieschwenk bei vielen Top-Unternehmen. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir nach dem Corona-Boom nun eine lange Phase wirtschaftlicher Stagnation und einer gleichzeitig tiefgreifenden Transformation erleben. Darauf richten sich die Unternehmen nun konsequent ein: mit tiefgreifenden Kostensenkungsmaßnahmen, zu denen auch Personalabbau vor allem in der Verwaltung gehört. Die Folge ist eine Reduzierung der Komplexität, denn zu viele Managementebenen bedeuten zu viel Bürokratie und zu langsame Entscheidungen."

Positiverer Konjunkturausblick stützt Q2 

Positiver fällt das Fazit von Deutsche Bank Research aus. "Die Q1-Gewinnsaison im DAX war durch starke und breit angelegte Gewinnsteigerungen in Verbindung mit mehreren Prognoseanhebungen gekennzeichnet", heißt es in einem Special zum Ende der Berichtssaison der großen DAX-Unternehmen. Das Wachstum im Jahresvergleich blieb zwar negativ, werde aber voraussichtlich in Q2 in den positiven Bereich zurückkehren. 

"Im Einklang mit den sich verbessernden Makrodaten erwarten wir eine weitere Erholung der Erträge in den kommenden Quartalen und erwarten, dass dies dem DAX Rückenwind geben wird. Wir bleiben bei unserer Gewinnwachstumsprognose von 5% im Jahr 2024 (Konsens: 0%) und bei unserer konstruktiven Einschätzung für den DAX", so die Carolin Raab, Maximilian Uleer, Francesca Mazzali 

 

Deutscher Aktienmarkt weiter nahe Rekordhoch

Der Morningstar Germany Index, der die Performance des breiten deutschen Marktes misst und die besten 97% der Aktien nach Marktkapitalisierung abbildet, ist seit Jahresbeginn rund 9% im Plus. Die gute Performance ist zum einen aufs 1. Quartal zurückzuführen: in dem legte das Börsenbarometer um 8,4% zu. Aber auch der Mai erreichte neue Höchststände. 

Der DAX hat am Freitag vor Pfingsten von seinem Rekord weiter Abstand genommen. Am Mittwoch hatte der Index bei 18.892 Punkten einen Höchststand erreicht. Hintergrund waren die Inflationszahlen aus den USA und damit einhergehende Erwartungen an eine baldige Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed.

 

 

Trotz der allgemein recht hohen Bewertungen an den Aktienmärkten gibt es nach Einschätzung unserer Analysten aber noch Einstiegsmöglichkeiten unter den deutschen Blue Chips. Von den 32 Titeln, die unsere Analysten abdecken, werden aktuell 4 im 5-Sterne-Bereich gehandelt. Heißt: sie sind stark unterbewertet. Weitere 11 Titel rangieren im 4-Sterne-Bereich und sind damit ebenfalls unterbewertet. 

 

 

Einschätzungen unserer Analysten zu Quartalszahlen

Hier die Einschätzung unserer Analysten zu ausgewählten Dax-Unternehmen. (Eine Zusammenstellung der nach Einschätzung unserer Analysten unterbewerteten deutschen Aktien finden Sie übrigens hier):

 

Siemens-Aktie fair bewertet

Die kurzfristige Marktschwäche im Segment Digitale Industrie von Siemens (Wide Moat) sollte die langfristigen Aussichten des Konzerns nicht überschatten, denn Siemens profitiert von mehreren langfristigen Wachstumsthemen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2024 blieb der organische Umsatz im Vergleich zum Vorjahr unverändert und schnitt schlechter ab als die Wettbewerber ABB und Schneider Electric. Grund ist die größere Gewichtung der Industrieautomationsbranche, die sich in einem zyklischen Rückgang befindet. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde auf Segmentebene angepasst, hat aber keine Auswirkungen auf die Konzernebene. Siemens bestätigte die Prognose für das organische Umsatzwachstum zwischen 4 % und 8 % für das Gesamtjahr, was wir für erreichbar halten. Die Guidance stimmt im Großen und Ganzen mit den Prognosen seiner Wettbewerber aus dem Investitionsgüterbereich überein, was unterstreicht, dass die Aussichten des Unternehmens weiterhin robust sind. Wir halten an unserer Fair Value-Schätzung von 180 EUR fest und sehen die Aktie als fair bewertet an.

Matthew Donen, Aktienanalyst bei Morningsstar, 16.5.2024

 

 

Deutsche Telekom übertrifft Wettbewerber in USA und Deutschland

Die Ergebnisse des ersten Quartals der Deutschen Telekom (Narrow Moat) lagen mit einem organischen Wachstum des bereinigten EBITDA nach Leasingverträgen von 5,8% im Rahmen der Guidance von 6%. Der Haupttreiber des EBITDAaL-Wachstums der Gruppe war T-Mobile US mit mit einem organischen Wachstum von 7,3%, Wir halten an unserer Fair Value-Schätzung von EUR 25 fest, wobei die Aktie um 15% unterbewertet ist und nahe bei EUR 22 gehandelt wird.

Javier Correonero, Aktienanalyst bei Morningstar, 15.5.2024

 

Rheinmetall startet gut ins neue Jahr 

Rheinmetall (RHM) ist mit einem Auftragsbestand von mehr als 40 Mrd. EUR gut ins Jahr 2024 gestartet. Das Unternehmen meldete ein zweistelliges Umsatzwachstum und eine deutliche Margenausweitung. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16%, wobei Weapns and Ammunition um 70% zulegte, gefolgt von einem Anstieg von 26% bei Electronic Solutions. Das Betriebsergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 60 % und die Marge erhöhte sich von 6,1 % auf 8,5 %, was in erster Linie auf die margenstarken Bereiche Weapons and Ammunition zurückzuführen ist, vor allem auf Expal, dessen Marge nach unserer Einschätzung zwischen 28 % und 30 % liegt.

Lorendana Muharremi, Aktienanalystin bei Morningstar, 14.5.2024 

Delivery Hero: Aktie spring wegen Verkauf von Foodpanda an Uber höher

Wir betrachten die geplante Übernahme als positiv für Delivery Hero (Narrow Moat), da das Unternehmen die Barmittel zur Stärkung seiner Bilanz nutzen kann. Wir denken auch, dass der gezahlte Preis mit dem 0,6-fachen des EV/GMV fair ist (verglichen mit dem EV/GMV von DHER von 0,3). Uber hat außerdem eingewilligt, 300 Millionen Dollar in neu emittierte Aktien mit einem Aufschlag von 30 % von Delivery Hero zu kaufen - ein Vertrauensbeweis für die Aussichten von DHER durch einen der größten Akteure weltweit.

Morningstar Senior Equity Analyst Ioannis Pontikis, 14.5.2024

Hannover Rück: Robuster Start ins neue Jahr

Im ersten Quartal 2024 hat die Hannover Rück unserer Meinung nach ihre Wachstumsstrategie weiter unter Beweis gestellt. In der Schaden- und Unfallversicherung steigerte sie ihren Rückversicherungsumsatz währungsbereinigt um 5 %. Dieses Wachstum ist vor allem auf strukturierte Rückversicherungen und versicherungsgebundene Wertpapiere sowie auf Verkäufe in Europa und den USA zurückzuführen. In den letzten Jahren hat die Hannover Rück die strukturierte Rückversicherung um etwa 30 % pro Jahr gesteigert.

... Die Kapitalrendite liegt bei 3,3% und damit etwas über unserer Schätzung von 3,15% für das Gesamtjahr. Im Großen und Ganzen folgt das Unternehmen unserer These in der Schaden- und Unfallversicherung, aber weniger in der Lebens- und Krankenversicherung. Wir halten an unserer Bewertung „no moat“ und unserer Fair Value-Schätzung von 235 EUR fest. 

Henry Heathfield, Aktienanalyst bei Morningstar, 14.5.2024

Siemens Energy: Anhebung der Fair Value-Schätzung

Siemens Energy hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2024 angehoben und vor allem seine Prognose für den freien Cashflow vor Steuern auf einen Zufluss von 1 Mrd. EUR erhöht. Zuvor hatte das Management mit einem Abfluss von 1 Mrd. EUR gerechnet. Nachdem die Aktie zu Beginn des Jahres durch viele schlechte Nachrichten geprägt war, darunter auch Marktspekulationen über eine mögliche Kapitalerhöhung, haben die verbesserten Aussichten die Bedenken der Investoren bezüglich der Bilanz zerstreut. Die Aktie eröffnete 12 % fester und gewann im bisherigen Jahresverlauf über 80 %. Wir erhöhen unsere Fair Value-Schätzung um ca. 30% auf 19,5 EUR. Darin enthalten sind ein Mittelzufluss von 3 Mrd. EUR aus Veräußerungen und eine Anhebung unserer kurzfristigen Umsatzprognose, vor allem für das Segment Grid Technologies, das direkt von der Energiewende profitiert. Die Aktien werden mit einem Aufschlag von 10 % auf unsere revidierte Fair Value-Schätzung gehandelt, und wir behalten unsere sehr hohe Unsicherheitsbewertung bei.

Matthew Donen, Aktienanalyst bei Morningstar, 8.5.2024

 

BMW mit Gewinnrückgang

Die Ergebnisse von BMW (Narrow Moat) für das erste Quartal waren gemischt: das moderate Umsatzwachstum (ohne Währungsumrechnung) wurde durch den Druck auf die Gewinnmargen ausgeglichen. Dennoch entsprach die Entwicklung im Großen und Ganzen unseren Erwartungen, und unsere langfristige These bleibt unverändert. Wir haben unsere Fair Value-Schätzung um 1 Euro auf 166 Euro erhöht, da sich der Zeitwert des Geldes seit unserer letzten Aktualisierung erhöht hat.

Brian Bernard, Aktienanalyst bei Morningstar, 8.5.2024

Münchner Rück: Guidance bestätigt, aber wir bleiben vorsichtig

Geringere Basisschäden und Großschäden haben zu einem starken Wiederanstieg des versicherungstechnischen Gewinns in der Schaden- und Unfallversicherung geführt,

begleitet von starken Entwicklungen in der Lebens- und Krankenversicherung. Dies ist hauptsächlich auf das organische Wachstum der Rückversicherungseinnahmen von 10,7% zurückzuführen. Die Ergebnisse der Ergo sind im Großen und Ganzen leicht rückläufig, doch insgesamt hat der Geschäftsbereich einen Nettogewinn von 2,14 Milliarden Euro erzielt und liegt damit deutlich über den vom Unternehmen erstellten Konsensschätzungen von 1,48 Milliarden Euro. Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einem Nettogewinn von 5 Milliarden Euro für das Gesamtjahr, und die Zuversicht des Managements, diesen Wert noch übertreffen zu können, ist gestiegen. Dies liegt deutlich über unserer Schätzung von 4,2 Milliarden Euro für das Gesamtjahr. Wir sind nach wie vor überrascht von der kontinuierlichen Erhöhung der Prognosen. Wir halten an unserer Bewertung „No Moat“ und unserer Fair Value-Schätzung von 350 EUR fest.

Henry Heathfield, Morningstar-Aktienanalyst, 8.5.2024. Lesen Sie den gesamten Report bei Morningstar Pitchbook

 

Siemens Energy: Aktie springt nach Prognose-Erhöhung nach oben

Siemens Energy hebt seine Prognose für das Geschäftsjahr 2024 an und schickt die Aktie bei Markteröffnung 12% höher. Die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2024 wurde im Vergleich zur ursprünglichen Prognose um 6 % angehoben und lag damit deutlich über den Konsenserwartungen. Die größten Umsatzerhöhungen betrafen die Geschäftsbereiche, die von der Energiewende profitieren (Grid Technologies und Siemens Gamesa). Die Prognose für den freien Cashflow wurde von einem Abfluss von 1 Milliarde Euro auf einen Zufluss von 1 Milliarde Euro angehoben, was die Liquiditätssorgen des Konzerns verringern wird. Der Turnaround in der Windturbinensparte von Siemens Gamesa schreitet voran, und es wurde ein weiterer Stellenabbau angekündigt, um das Ziel des Break-Even im Jahr 2026 zu erreichen.

Matthew Donen, Aktienanalyst bei Morningstar, 8.5.2024

 

Infineon: Top-Pick im Halbleiterbereich

Infineon Technologies (Narrow Moat) hat in einem schwierigen Nachfrageumfeld gute Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt, gleichzeitig aber eine schwache Prognose für das dritte Quartal abgegeben und den Ausblick für das Geschäftsjahr 2024 (bis September) gesenkt. Positiv zu vermerken ist, dass Infineon davon ausgeht, dass im Juni die Talsohle eines anhaltenden zyklischen Abschwungs bei Leistungs-Halbleitern erreicht wird. Dies wurde in den letzten Wochen von mehreren Wettbewerbern geäußert. Darüber hinaus hat Infineon seine starke Umsatzdynamik bei Mikrocontrollern bekannt gegeben, die unseres Erachtens von der zunehmenden Entwicklung chinesischer Chips stärker abgeschirmt ist als das Geschäft mit Leistungs-Halbleitern im unteren und mittleren Segment. Wir glauben, dass diese beiden Faktoren der Grund dafür sind, dass die Aktie nach der Veröffentlichung der Ergebnisse am 7. Mai um fast 13% gestiegen ist. Wir halten an unserer Fair Value-Schätzung von EUR 50 fest und betrachten Infineon weiterhin als einen unserer Top-Picks im Halbleiterbereich, da wir da wir die langfristigen Risiken im Zusammenhang mit dem Automobilgeschäft und der chinesischen Konkurrenz für mehr als übertrieben halten.

Brian Colello, Aktienanalyst bei Morningstar, 7.5.2024

 

DHL Group: Ausblick unverändert

Die konsolidierte EBIT-Marge sank um 130 Basispunkte auf 6,5%, da die Hebelwirkung aufgrund geringerer Express- und Speditionsumsätze, allgemeiner Lohn- und Kostensteigerungen sowie erhöhter Infrastrukturinvestitionen im Bereich E-Commerce verloren ging. Dennoch erwartet das Management für das Gesamtjahr 2024 weiterhin einen Konzern-EBIT von 6,0 bis 6,6 Milliarden Euro. Wir halten an unserer DCF-Schätzung von EUR 40 pro Aktie fest.

Matthew Young, Aktienanalyst bei Morningstar, 6.5.2024

Volkswagen: Ein schwerer Start in ein vielversprechendes Jahr

Die Ergebnisse des ersten Quartals von Volkswagen spiegeln einen relativ langsamen Start in das Jahr und harte Vergleiche mit einem sich erholenden ersten Quartal im Jahr 2023 wider. Der Gesamtabsatz lag mit 2,1 Millionen Fahrzeugen um 2% unter dem Vorjahresniveau. Da in diesem Jahr jedoch rund 30 neue und überarbeitete Modelle auf den Markt kommen werden, sehen wir noch keinen Grund, unsere Prognose für das Gesamtjahr zu ändern.

Wir haben unsere Fair Value-Schätzung für die in Europa börsennotierten Aktien auf 355 Euro von 351 Euro angehoben, um den Zeitwert des Geldes widerzuspiegeln. Unsere Fair Value-Schätzung für die in den USA börsennotierten Hinterlegungsscheine bleibt bei 38 Dollar je Aktie, da Währungseffekte den zugrunde liegenden Anstieg ausgleichen.

Nicholas Owens, Aktienanalyst bei Morningstar

 

Merceds Benz: Langfristiger Ausblick unverändert 

Der Autobauer hat am 30. April Zahlen fürs 1. Quartal vorgelegt. 

Narrow Moat Mercedes-Benz meldete enttäuschende Ergebnisse für das erste Quartal, da sich der makroökonomische Druck auf die Ergebnisse auswirkte. Die Aktie gab am 30. April intraday um etwa 5% nachgab. Umsatz und Gewinn pro Aktie im ersten Quartal blieben um 8% bzw. 2,4% hinter den FactSet-Konsensschätzungen zurück. Trotz des kurzfristigen Gegenwinds bleiben unsere langfristigen Aussichten unverändert, und wir bekräftigen unsere Fair Value-Schätzung von 117 EUR je Aktie.

Krzysztof Smalec, CFA, Equity Analysz bei Morningstar

 

Adidas-Aktie weiter überbewertet

Der Sportartiklehersteller öffnete seine Bücher am 30. April.

Der Gewinn je Aktie aus dem fortgeführten Geschäft von Adidas lag im ersten Quartal mit 0,96 EUR unter unserer Prognose von 1,23 EUR, was auf eine höhere Steuerquote und höhere Zinskosten zurückzuführen ist. Aber die Auswirkungen auf unsere Bewertung sind unerheblich. Wir erhöhen unsere Fair Value-Schätzungen geringfügig von EUR 166/$89 auf EUR 168/$90. Dennoch halten wir die Aktien von Adidas, die im vergangenen Jahr um mehr als 40% gestiegen sind Jahr gestiegen ist, als überbewertet.

Zusammen mit den Quartalsergebnissen hat Adidas einen Weg zu verbesserten mittelfristigen Ergebnissen aufgezeigt, einschließlich einer operativen Marge von 10% im Jahr 2026. Da das Unternehmen jedoch weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert ist, insbesondere im Großraum China, wo es Anteile verloren hat, und auf dem schwachen nordamerikanischen Großhandelsmarkt, glauben wir, dass die Trendwende etwas länger dauern wird und rechnen mit einer Marge von 9% im Jahr 2026. 

David Swartz, Aktienanalyst bei Morningstar. 

Deutsche Bank: Investmentbanking befeuert, aber Postbank bremst

Die Deutsche Bank hat am 25. April die Zahlen fürs 1. Quartal veröffentlicht. 

Die Deutsche Bank verzeichnete ein gutes erstes Quartal: Der Gewinn vor Steuern stieg um 10% auf 2 Milliarden Euro, während die durchschnittliche Eigenkapitalrendite 8,7% erreichte. Die Cost/Income Ratio verbesserte sich von 71% im letzten Jahr auf nun 68%. Die verbesserte Effizienz ist auf eine gute Ertragsbindung und Kostenverbesserungen zurückzuführen. Wir halten an unserer Fair Value-Schätzung von EUR 13 je Aktie und unserem No-Moat-Rating fest.

Niklas Kammer, Aktienanalyst bei Morningstar (Lesen Sie hier den gesamten Bericht)

 

Porsche: Wir senken unsere Fair Value-Schätzung

Der Autobauer legte am 26. April nach Börsenschluss die Zahlen vor. 

Porsche (P911) hat im ersten Quartal einen niedrigeren Gewinn ausgewiesen, was uns dazu veranlasst hat, unsere Fair Value-Schätzung um 1,5% auf 93 EUR je Aktie zu senken, nach 94 EUR. Der Rückgang unserer Fair Value-Schätzung ist hauptsächlich auf unsere niedrigere Margenerwartung für 2024 zurückzuführen. Wir gehen nun davon aus, dass die bereinigte operative Marge in diesem Jahr bei 16% liegen wird (Mitte der Prognose).

Dawit Woldemariam, Aktienanalyst bei Morningstar (Lesen Sie hier den gesamten Bericht)

 

BASF: Leichtes Volumenwachstum stützt unsere Erholungs-These 

BASF hat die Zahlen für das 1. Quartal am 25. April veröffentlicht.

Nach dem Abbau von Lagerbeständen, der die Gewinne im Jahr 2023 stark belastete, meldete BASF solide Ergebnisse für das erste Quartal 2024. Das Volumen ohne den Metallhandel stieg um 2 % gegenüber dem Vorjahresquartal, ein deutlich verbessertes Ergebnis gegenüber dem Volumenrückgang von 12 % im Gesamtjahr 2023. Die Ergebnisse stimmen mit unserer Einschätzung überein, dass BASF im Jahr 2024 einen Gewinnanstieg verzeichnen wird, da ein leicht höheres Volumen es dem Unternehmen ermöglicht, seine Anlagen mit einer höheren Kapazitätsauslastung zu betreiben und so den Vorteil des Verbundprozesses (die physische Integration von Produktion, Marktplattformen und Technologien, die die Geschäftsbereiche miteinander verbinden) zu nutzen, der unser Narrow Moat Rating auf der Grundlage eines Kostenvorteils untermauert. ...

Wir halten die Aktie für unterbewertet, die derzeit im 4-Sterne-Bereich gehandelt wird. Wir gehen davon aus, dass es 2024 zu einer leichten Erholung der Nachfrage kommen wird, da der Abbau der Lagerbestände weitgehend abgeschlossen ist. Stattdessen sehen wir eine mehrjährige Erholung, die sich in einem Gewinnwachstum aufgrund des verbesserten Volumens niederschlagen sollte. Wir gehen davon aus, dass die verbesserte Marktstimmung die Aktie näher an unsere Fair Value-Schätzung heranführen wird.

Seth Goldstein, Aktienanalyst bei Morningstar (Lesen Sie hier den gesamten Bericht vom 25.4.)

 

Symrise: Volumenwachstum beschleunigt sich deutlich 

Der Duft- und Geschmacksstoff-Hersteller hat die Zahlen für das 1. Quartal am 25. April veröffentlicht.

Symrise (Wide-Moat) meldete für das erste Quartal 2024 ein organisches Umsatzwachstum von 10,9 % mit einem starken Mengenwachstum von 11,9 %, das in erster Linie auf die gestiegene Nachfrage im Duft- und Pflegesegment zurückzuführen ist, in dem das Volumen um 19 % zunahm. Die zugrunde liegenden Preise scheinen im Vergleich zum vierten Quartal 2023 deutlich nachgegeben zu haben. Das Unternehmen verzeichnete eine negative Preisentwicklung von 1 %, die einen Beitrag von 4 % aus währungsbedingten Preismaßnahmen, vor allem im Zusammenhang mit Argentinien, enthielt.

Wir erwarten für dieses Jahr insgesamt ein beschleunigtes Volumenwachstum nach zwei Jahren mit erheblichen Preiserhöhungen, einer gewissen Volumenschwäche im Zusammenhang mit dem Abbau von Lagerbeständen bei Kunden und der Betonung von Reformulierungen statt Innovationsaufträgen durch Kunden. In Berichtswährung belief sich das Umsatzwachstum auf 5%, was unseren Erwartungen für das Gesamtjahr entspricht. Wir belassen unsere Fair Value-Schätzung unverändert bei 108 EUR. Wir glauben, dass die Aktien auf dem aktuellen Niveau relativ fair bewertet sind.

Diana Radu, Aktienanalystin bei Morningstar (Lesen Sie hier den gesamten Bericht)

 

Rheinmetall: Fairer Wert auf EUR 730 angehoben

Wir erhöhen den fairen Wert von Rheinmetall von EUR 445 auf EUR 730, nachdem wir den potenziellen M2 Bradley-Ersatzauftrag aus den USA berücksichtigt und unsere langfristige Gewinnwachstumsannahme von 3% auf 5% erhöht haben. Ohne den US-Vertrag liegt der faire Wert bei 680 EUR und damit immer noch deutlich über dem aktuellen Marktpreis.

Wir gehen davon aus, dass das Segment Vehicle Systems in den nächsten fünf Jahren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 28% wachsen wird, verglichen mit unserer früheren Schätzung von 20%. Dies geschieht in Erwartung des XM30-Kampffahrzeugprogramms mit einem potenziellen Auftragswert von 40 Milliarden USD.

Loredana Muharremi, Aktienanalystin bei Morningstar (Lesen Sie hier den gesamten Bericht)

 

SAP-Ergebnisse: Prognose für 2024 bekräftigt, Cloud-Stärke setzt sich fort

Das Unternehmen hat die Zahlen für das 1. Quartal am 22. April veröffentlicht.

Wir behalten unsere Fair Value-Schätzung für die Narrow Moat-Aktie von SAP (SAP) bei 132 EUR pro Aktie bei, nachdem das Unternehmen ein robustes erstes Quartal vorgelegt hat, das unsere Umsatz- und Margenerwartungen übertroffen hat. Das Management bestätigte die Prognose für 2024 und bekräftigte seine Ambitionen für 2025, die unserer Meinung nach durch die fortgesetzte strategische Ausrichtung auf die Segmente Cloud und Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt werden. Insgesamt sehen wir die Ergebnisse als solide und eine Fortsetzung der jüngsten Trends.

Dan Romanoff, Aktienanalyst bei Morningstar (Lesen Sie hier den gesamten Bericht).

 

Continental sucht Wachstum mit Fahrzeugsicherheit und Konnektivität

Der Autoszulieferer legte am 16. April die Zahlen für Q1 vor.

Angesichts der Branchentrends in den Bereichen Konnektivität, Elektronik und Sicherheit glauben wir, dass der Umsatz von Continental geringfügig über dem von uns geschätzten langfristigen durchschnittlichen jährlichen Wachstum der weltweiten Fahrzeugproduktion von 1%-3% liegen kann. Über dem Branchendurchschnitt liegende Ausgaben für Forschung und Entwicklung ermöglichen kontinuierliche Produkt- und Prozessinnovationen. Dies unterstützt das Umsatzwachstum von Continental, eine gesunde Rendite auf das investierte Kapital und unsere Narrow Moat-Bewertung.

Nach einer Akquisitionswelle, die 2007 mit dem Kauf von Siemens VDO ihren Höhepunkt erreichte, hat sich Continental von einem vorwiegend europäischen Reifenhersteller zu einem globalen Anbieter von Automobilkomponenten, -systemen und -modulen entwickelt. Im Jahr 2008 wurde Continental zum Übernahmeziel, als Schaeffler ein erfolgloses Angebot für das Unternehmen abgab. (Schaeffler besitzt immer noch 46% der Stimmrechte). Dennoch gliederte das Management seine Antriebssparte im September 2021 in ein neues Unternehmen namens Vitesco, das unter dem Kürzel VTSC gehandelt wird. Continental hat einen kleinen Continental hat einen kleinen Anteil an der Auftragsfertigung für Vitesco aus Teilen, die in zuvor gemeinsam genutzten Anlagen hergestellt wurden.
Continental sollte von den Trends in der Automobilbranche profitieren, darunter fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, autonomes Fahren, V2X-Konnektivität und mehr Elektronik in Fahrzeugen.

Matthew Donen, Aktienanalyst bei Morningstar

Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Sie sind weder als Aufforderung noch als Anreiz zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers oder Finanzinstruments zu verstehen. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen sollten nicht als alleinige Quelle für Anlageentscheidungen verwendet werden.

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BezeichnungKursVeränderung (%)Morningstar Rating
adidas AG223,50 EUR0,59
Basf SE48,76 EUR1,12Rating
Bayerische Motoren Werke AG93,70 EUR0,93Rating
Continental AG61,82 EUR2,01
Delivery Hero SE29,53 EUR-1,11Rating
Deutsche Bank AG15,65 EUR-0,43
Deutsche Telekom AG21,73 EUR0,00
DHL Group38,99 EUR0,13
Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG Bearer Shares75,84 EUR0,42Rating
Hannover Rueck SE226,50 EUR0,40
Infineon Technologies AG38,06 EUR0,13Rating
Mercedes-Benz Group AG66,29 EUR0,39Rating
Rheinmetall AG532,20 EUR0,53
SAP SE180,42 EUR0,20Rating
Siemens AG178,92 EUR0,91Rating
Siemens Energy AG Ordinary Shares25,82 EUR0,90Rating
Symrise AG106,10 EUR0,95Rating
Volkswagen AG140,50 EUR1,52

Über den Autor

Antje Schiffler  ist Redakteurin bei Morningstar in Frankfurt.