Best-of oder gesammelte Werke?

Unter den Europafonds findet man sowohl breit diversifizierte als auch stark konzentrierte Portfolios. Welche Strategie ist erfolgreicher?

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Um dies beispielhaft zu untersuchen, hat Morningstar in der Kategorie Aktien Europa Standardwerte die jeweils drei Fonds mit dem höchsten bzw. niedrigsten Anteil der zehn größten Positionen am Gesamtportfolio untersucht. Zusätzliche Voraussetzung war ein Fonds-Mindestalter von drei Jahren.

Die breit gestreuten Fonds haben allesamt über 100 Positionen im Portfolio. Der JPMF Europe Equity aus dem Hause Fleming umfasst gar sage und schreibe 259 Positionen. Entsprechend niedrig ist die Top-10-Konzentration: 19,8 Prozent. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,28 Prozent in den vergangenen drei Jahren schien sich die breite Streuung jedoch ausgezahlt zu haben: Der MSCI Europe-Index erzielte im gleichen Zeitraum lediglich –0,9 Prozent. Und die Volatilität lag mit 16,9 Prozent unter

dem Kategoriedurchschnitt von 18,9 Prozent (gemessen anhand der Standardabweichung).

Noch erfolgreicher war der HGIF Pan-European Equity von HSBC: Eine durchschnittliche Wertentwicklung von 7,53 Prozent ist mehr als beachtlich. Allerdings mussten die Anleger eine etwas höhere Volatilität von 20,3 Prozent verkraften. Das Portfolio umfasst 119 Aktienwerte, 21,4 Prozent stecken in den Top Zehn.

Das ansehnliche Bild der `Streuer` wird durch den Warburg Eurak-Fonds getrübt: Die 156 Werte im Portfolio (Konzentration 21,4 Prozent) gehören offenbar nicht zu den besten: Mit einer Durchschnittrendite von –4,5 Prozent wurde das Indexergebnis um Längen verfehlt. Breite Streuung ist also keine Garantie für gutes Stockpicking.

Ist weniger mehr?

Bei den stark fokussierten Fonds sieht es verständlicherweise anders aus. Die höchste Konzentration weist der Spängler European Growth Trust auf (58,1 Prozent). Nur 24 Aktien finden sich im Portfolio der Österreicher. Der Fonds wird mittlerweile von der französischen Fondsgesellschaft Comgest im Auftrag verwaltet und ist fast identisch mit Comgest Europe B. Eine Rendite von durchschnittlich 1,1 Prozent kann sich sehen lassen. Erstaunlich: Trotz der hohen Konzentration konnte die Volatilität auf nur 11,6 Prozent begrenzt werden.

Wirklich aktives Management mit gleichzeitig begrenztem Risiko gelingt jedoch nur wenigen. So weist der Zürich Top Aktien Europa zwar eine gute Performance auf (1,95 Prozent p.a. über drei Jahre), er orientiert mittlerweile sich jedoch im wesentlichen am Markt. Die Top Zehn machen 49 Prozent des Portfolios aus und sind fast ausnahmslos im DJ Stoxx 50 Index zu finden.

Der Schmidt Bank Euro-Aktien FI setzt auch auf Indexnamen, allerdings offensichtlich in der falschen Gewichtung: Durchschnittlich 7,11 Prozent Minus in den vergangenen 36 Monaten sprechen nicht gerade für eine gute Aktienauswahl. 34 Positionen sind in diesem Fonds vertreten.

Fazit: Eine generelle Antwort auf die Frage, ob breit gestreute oder konzentrierte Fonds besser sind, gibt es nicht. Wer aktives Management will wird jedoch gute Produkte finden, deren Manager ihre Gebühren wert sind. Anleger, die sich mit einer sehr breiten Streuung wohler fühlen werden auch fündig, sollten allerdings auch Indexzertifikate in Erwägung ziehen: Diese sind nämlich mit erheblich niedrigeren Gebühren behaftet.
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Über den Autor

Morningstar Europe Editor  .