Europa: Substanzwerte im Fokus

In den zehn größten Fonds stecken 30% der Mittel, die in europäischen Standardwerte-Fonds investiert sind.

Simon Nöth 23.05.2008
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Mittlerweile lassen sich europäische Standardwerte über 450 verschiedene Fonds spielen. Dazu zählen 17 Exchange Traded Funds (ETFs) und ein Indexfonds von State Street.

Wir unterteilen die europäischen Standardwerte-Fonds nach ihren Anlagestilen. Unter Value versteht man den substanzwertorientierten Anlagestil. Fonds mit einem Value-Tilt zeichnen sich durch günstige Kurs-Gewinn-Verhältnisse, Kurs-Buchwertverhältnisse, Kurs-Umsatz-Verhältnisse, Kurs-Cashflow-Verhältnisse und attraktive Dividendenrenditen aus. Fonds mit einem Growth Anlagestil haben überwiegend Aktien mit hohen Wachstumsraten bei Gewinnen, Umsätzen, Cashflows und Buchwerten im Portfolio. Dazwischen befindet sich der Blend-Investmentstil. Anleger können diese Aktienmultiples für jeden Fonds unter dem Reiter

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Die zehn größten Fonds vereinnahmen rund 30% (38,5 Mrd.Euro) der Gelder (130 Mrd. Euro), die in europäischen Standardwerte-Fonds investiert sind. Britische Unternehmen sind in den Top Ten Fonds nach Fondsvolumen mit 26% in den Portfolios vertreten. Im Dow Jones Stoxx 600 haben die Unternehmen von der Insel immerhin ein Gewicht von 30%. Deutsche Aktien sind in der Gruppe (16%) im Vergleich zum Dow Jones 600 (13%) übergewichtet. Über einen Zeitraum von 10 Jahren fällt auf, dass die beiden Schwergewichte von Fidelity (European Growth und European Aggressive) nach Rendite auf dem ersten und zweiten Treppchen stehen.

Insgesamt mussten auch die europäischen Standardwerte-Fonds der Subprimekrise Tribut zollen. Die Fonds performten seit Juli 2007 - je nach Anlagestil - unterschiedlich (Value -16%, Blend -14%, Growth -12%). Im Schnitt muss der Anleger eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,41% berappen.

Die ETFs können verschiedene zugrundeliegende Indizes haben: Den Dow Jones 600, den MSCI Europe oder den Dow Jones Stoxx 50. Die beiden ersten Indizes sind All-Cap-Indizes und unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Der Dow Jones 50 bildet nur die 50 größten europäischen Unternehmen ab - ein sogenannter Blue Chip Index. In den drei Indizes hat aktuell der 150 Mrd. schwere Öl-Multi BP das größte Gewicht. Danach kommen altbekannte Unternehmen wie die Großbank HSBC, der Nahrungsmittelproduzent Nestle, der Öl-Konzern Total, der Telekommunikationskonzern Vodafone und der Öl-Multi Royal Dutch Shell.

Franklin Mutual European

Der Fonds aus dem Haus Franklin Templeton wurde 2001 aufgelegt. Er ist das Pendant zum Mutual European Fonds, der seit 1996 für den US-Markt existiert. Mit einem Fondsvolumen von 4,8 Mrd. Euro gehört er zu den Top Ten der europäischen Standardwerte-Fonds.

Die Fondsmanager bevorzugen deutschen Aktien (23%) und halten sich bei britischen Unternehmen (10%) zurück. Damit hält sich der Fonds nicht sklavisch an seine Benchmark (MSCI Europe). Investiert wird langfristig und nach dem Value-Ansatz. Das erwartete Kursgewinn-Verhältnis von 11 ist typisch für den Value-Stil der Mutual Fonds. Es werden aber auch Übernahmen und Turn-around Stories gespielt.

Imperial Tobacco, eines der Key-Investments, ist schon seit Jahren im Portfolio. Die Aktie des Zigarettenherstellers, dessen Hauptmarken West, Davidoff und Drum sind, hat sich in den letzten zehn Jahren versechsfacht. Für die Finanzierung der Übernahme von Altadis (franz. Zigarettenhersteller) hat Imperial Tobacco angekündigt, eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Die Maßnahme soll das Unternehmen vor den ungünstigen Konditionen der Fremdfinanzierung bewahren. Auch die Übernahme von Arcelor durch Mittal Steel hat sich der Fonds nicht entgehen lassen. Arcelor Aktien wurden im Februar 2006 sukzessive gekauft und seit Sommer 2007 wieder abgebaut. Derzeit befinden sich keine Anteile mehr von ArcelorMittal im Portfolio. Eine Turn-around Story war das Investment in NTL ab der zweiten Jahreshälfte 2001. Die Aktie des britischen Kabelunternehmens stieg nach seinem Beinahe-Konkurs in 2002 um 700%. Nach der Fusion mit Telewest und der Übernahme von Virgin Mobil, firmiert das Unternehmen seit 2006 unter Virgin Media.

Das Fondsmanagement scheut nicht vor einer hohen Cashquote (aktuell: 12%) zurück, wenn es seiner Meinung nach keine günstigen Kaufgelegenheit am Markt findet. Zuletzt hatte der Fonds vor zwei Jahren eine Cashquote von unter 10%. Die hohe Cashquote reduzierte auch das Risiko.

Auch wenn dieses Investment als wirklicher Value-Fonds gilt, lässt er sich trotzdem nicht die interessanten Themen des Aktienmarkts wie etwa Übernahmen oder Turn-arounds entgehen. Der Fonds ist auch Dank seines niedrigen Risikos ein Basisinvestment für Privatanleger. In seiner Kategorie (Aktien Europa Standardwerte) bekam der Fonds wegen seiner besseren Risikokennzahlen in 2007 den Morningstar Fund Award. Die Morningstar US-Analysten empfehlen das Pendant für den US-Markt als klaren Kauf.

Die TER für den letzten Zeitraum betrug 1,85% und die Verwaltungskosten liegen 1% pro Jahr. Das ist im Vergleich günstig. Allerdings blickt der Anleger mit einem weinenden Auge über den Teich. Der US-Investor zahlt für das Pendant inklusive Performance Fee nur 1,04% pro Jahr. Bei 3,1 Mrd. Euro Fondsvolumen waren das im letzten Zeitraum 25 Mio. Euro mehr an Gebühren.

Allianz-dit Vermögensbildung Europe

Seit 2000 steuert Andreas Schröter den Vermögensbildung Europe. Im Gegensatz zum Franklin Mutual European hat der Fonds eine größere Neigung zu den Big Playern. Ab einer Marktkapitalisierung von 27 Mrd. Euro stufen wir die Unternehmen als Giants ein. Auf den ersten zehn Plätzen finden sich bekannte Namen aus der europäischen Aktienliga. Schröter hat mit 76 Aktien weniger Titel im Portfolio als der obige Fonds. Die stärkere Konzentration und der 75%-ige Anteil der Giants im Portfolio waren in den letzten drei Jahren die Gründe für die Outperformance gegenüber der Benchmark (S&P/Citi PMI Europe Value). Auch schlägt sich der Fonds in diesem Zeitraum besser als der breite Markt (MSCI Europe). Über fünf Jahre schneidet Fonds jedoch nicht besser ab als seine Benchmark.

Im Vergleich zu den anderen europäischen Standardwerte-Fonds ist der Vermögensbildung Europa in Frankreich (19%) und Deutschland (18%) überrepräsentiert. Bei der Sektorallokation ist der Finanzbereich eindeutig mit 31% übergewichtet. Der Dividendenlieferant ING Groep ist seit zwei Jahren mit 6% die größte Position im Portfolio. Nachdem der Aktienkurs des Schweizer Rückversicherers Swiss Re wegen Engagements im Subprime-Segment eingebrochen war, hatte Schröter die Aktie im Dezember und Januar aufgebaut. Damit befindet sich der Fondsmanager in guter Gesellschaft. Warren Buffett hält ebenfalls seit Anfang des Jahres bedeutende Anteile an der Swiss Re. Im Februar wurde noch die Münchner Rück ins Portfolio gekauft. Abgerundet wird der Sektor mit der eher defensiveren UniCredit und dem Versicherungskonzern Generali.

Schröter hat eine für Value-Investoren eher untypische Vorliebe für Rohstoffkonzerne. Der schweizer Bergbaukonzern Xstrata befindet sich seit Jahren im Portfolio. Auch Stahlproduzenten wie ArcelorMittal oder Thyssen Krupp finden sich im Fonds. Industriematerialien sind im Vergleich zur Kategorie (14%) mit 20% übergewichtet.

Das erwartete Kursgewinn-Verhältnis ist einem Value-Fonds entsprechend bei 11. Im letzten Bullen-Markt (03/2003 – 07/2007) war der Fonds nicht besser als seine Benchmark. Über zehn Jahre bleibt der Fonds hinter dem breiten Markt (DJ Stoxx 600) und seiner Kategorie (Standardwerte Europa Value) zurück.

Der Fonds zählt mit seinem 840 Mio. Euro umfassenden Fondsvolumen noch zu den Großen. Die aktuelle Verwaltungsgebühr liegt bei 1,35%, die TER wurde im letzten Geschäftsjahr mit 1,5% ausgewiesen. Damit ist er günstiger als der Franklin Mutual European Fund.

CIF European Equity Investors

Der Fonds von Capital International investiert in europäische Blue Chips. Capital International ist der europäische Ableger von American Funds. Die US-Fondsgesellschaften gehört zu den drei großen in den USA und ist ein klassischer Value-Investor.

Die durchschnittliche Marktkapitalisierung der Unternehmen im Fonds ist bei 20 Mrd. Euro. Auch hat das Fondsmanagement mehr Growth-Titel gekauft als die beiden anderen Value-Fonds. Dazu passt der vergleichsweise hohe Anteil an Medien-Aktien und Industriematerialien. Mit einem erwarteten KGV von 12,5 sind die gekauften Unternehmen relativ teurer. Der Fonds ist mit 67 Aktien am stärksten konzentriert. Der Allianz-dit hat 79 Aktien, der Franklin Mutual European hat 111 Unternehmen im Portfolio.

Auf der einen Seite werden Dividendenstrategien gefahren, auf der anderen Seite kauft man Rohstoffunternehmen wie K+S ins Portfolio. Der Düngemittel-Produzent wurde im zweiten Halbjahr 2006 ins Portfolio genommen und weiter ausgebaut. Seit dem hat sich der Kurs der Kali und Salz mehr als vervierfacht.

Die größte Position ist derzeit der russische Energiekonzern Gazprom mit 5%. Im MSCI Europe oder im Dow Jones Stoxx 600 sucht man vergebens nach dem staatlich gelenkten Gas- und Öl-Produzenten. Mit dem polnischen Telefonkonzern Telekomunikacja, dem Tschechischen Pharmaunternehmen Zentiva, dem russischen Kaliproduzenten Uralkali und russischen Telekom-Unternehmen AFK Sistema, befinden sich vier weitere Aktien aus den europäischen Schwellenländern im Portfolio.

Insgesamt schneidet der 80 Mio. Euro schwere Fonds seit seiner Auflage nach Kosten nicht besser ab als der DJ Stoxx 600 und breite Markt (MSCI Europe). Der Fonds hat sowohl dividendenstarken europäischen Aktien als auch Growth-Titel im Portfolio. Allerdings preist der Markt eigentlich defensive Aktien wie den Pharmariesen Roche derzeit als Wachstumswert. Der Fonds belastet seine Anleger mit 1,5% Verwaltungsgebühr pro Jahr. Die TER lag im letzten Geschäftsjahr bei 1,78%.
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Über den Autor

Simon Nöth  ist Fondsanalyst bei Mornigstar