Europa: Off-road Wetten

Small- und Mid-Cap Fonds ließen Blue Chip Fonds in den letzten 10 Jahren hinter sich.

Simon Nöth 05.06.2008
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Die europäischen Nebenwerte haben im Vergleich zum breiten Markt stärker unter der Korrektur gelitten. Der MSCI Europe Small Cap verlor seit Juli 2007 24% an Wert, während der MSCI Europe nur um 15% nachgab.

Morningstar unterteilt die Aktien nach Marktkapitalisierung. Die größten Unternehmen, die 40% des Marktes abbilden, sind die Giants, Large-Caps präsentieren die folgenden 30%, Mid-Caps die nächsten 20% und die Small-Caps die unteren 10%. Die Berechnung wird in einem monatlichen Turnus vorgenommen, so dass Veränderungen zeitnah erfasst werden.

Im Mai galten folgende Grenzen: Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung über 2

7. Mrd. Euro wurden als Giants eingestuft, zwischen 27 Mrd. und 6,5 Mrd. Euro waren es Standardwerte, zwischen 6,5 Mrd. und 1,05 Mrd. Euro Mid-Caps, zwischen 1,05 Mrd. und 250 Mio. Euro Small-Caps und unter 250 Mio. Euro wurden sie als Micro-Caps eingeordnet.

Auf Fondsebene gibt es für den deutschen Anleger 128 verschiedene Möglichkeiten in europäische Samll- und Mid-Caps zu investieren. Dazu zählen auch 6 Exchange Traded Funds (ETFs). Die investierten Gelder konzentrieren sich hier noch stärker auf die großvolumigen Fonds. Bei den europäischen Small- und Mid-Caps entfallen 45% der Mittel auf die 10 größten Fonds. Die durchschnittlichen Verwaltungskosten betragen 1,5% pro Jahr.

Die ETFs bilden MSCI Europe Mid Cap, MSCI Europe Small Cap oder die Pendants von Dow Jones (DJ Stoxx Mid 200 und DJ Stoxx Small 200) nach. Die Industriematerialien sind im MSCI Europe Small Cap (22%) stärker gewichtet als im DJ Stoxx 50 mit 10%. Dagegen sind die Finanzwerte mit 19% im Small-Cap Index weniger stark vertreten als im Blue Chip Index (32%)

Nordea-1 European Value Fund

Der Fonds ist ein All-Cap Fonds. Die Mehrheit der Aktien kommt aus dem Mittel- und Nebenwertebereich. Allerdings finden sich auch einige europäische Standardwerte im Portfolio wieder. Die Credit Suisse als Giant bleibt genauso die Ausnahme wie Cision als Vertreter der Micro-Caps. Die interne Benchmark ist der MSCI Europe, der den breiten Markt abbildet.

Das Fondsmanagement hält sich nicht strikt an seine Benchmark. Von den insgesamt 37 Unternehmen lassen sich 16 nicht im MSCI Europe finden. Diese Aktien haben im Portfolio immerhin ein Gewicht von derzeit 37%. 14 der 16 Aktien sind im MSCI Europe Small Cap enthalten.

Der Autozulieferer Autoliv gehört zu den zwei Unternehmen, die nicht im MSCI Universum für europäische Aktien enthalten sind. Autoliv ist ein schwedisch-amerikanisches Unternehmen, das in Stockholm und an der Nasdaq notiert ist. Das Unternehmen macht mehr als die Hälfte seines Umsatzes in Europa. Nach eigenen Angaben ist die Firma in Europa sogar Marktführer bei der Produktion von Sicherheitsgurten. Das zweite Unternehmen ist der irische Finanzdienstleister IFG Group. Das Unternehmen bietet unabhängiges Investment Resarch mit starkem Fokus auf die britischen Inseln.

Nach unseren Daten schwankte die durchschnittliche Marktkapitalisierung der gehaltenen Aktien in den letzten drei Jahren zwischen 2 und 3,5 Mrd. Euro. Insgesamt sind 78% im Mid- und Small-Cap Bereich investiert, weshalb der Fonds auch in der Kategorie Europa Mid-Cap geführt wird. Die Fondsgesellschaft Nordea-1 hat ihren Heimvorteil ausgespielt, in dem sie in den letzten drei Jahren durchschnittlich 30% in nordeuropäischen (Niederlande, Dänemark, Finnland, Schweden, Norwegen) Aktien investiert war.

Über 10 Jahre schneidet der Fonds besser ab als seine Benchmark und seine Kategorie. In den vergangenen drei Jahren ist die Performance allerdings schlechter. Besonders im abgelaufenen Kalenderjahr und seit Jahresbeginn hinkt der Fonds hinter beiden Gradmessern hinterher. Ein Grund war auch das hohe Engagement bei der Schweizer Bank Credit Suisse, die im Januar um 700.000 Aktien reduziert wurde. Das hohe Gewicht in Small- und Mid-Caps war in den letzten 18 Monaten für die schlechtere Performance gegenüber der Benchmark verantwortlich.

Der 1,1 Mrd. Euro schwere Fonds gehört in seiner Kategorie zu den drei größten Fonds nach Marktkapitalisierung. Die Verwaltungsgebühr liegt bei 1,5% pro Jahr und die TER betrug für 2007 stattliche 1,94%. Bei einem so großen Fondsvolumen wäre es wünschenswert, wenn an den Privatanleger etwas davon zurückgegeben würde.

PF (LUX)-Small Cap Europe

Der Pictet Fonds investiert hauptsächlich in Small-Caps. Dennoch finden sich Mid-Caps und auch Micro-Caps im Portfolio wieder. Die Unternehmen werden im Durchschnitt mit einer Marktkapitalisierung von 841 Mio. Euro gehandelt. In der Morningstar Style Box liegt der Small-Cap Europe von Pictet noch in der Growth-Spalte. Auch das KGV für die erwarteten Gewinne liegt für einen Growth Fonds bei einem moderaten Wert von 14.

Um aus dem 5000 Unternehmen umfassendem Universum die geeigneten Aktien zu finden, werden mehrere Prozesse durchlaufen, bis letztendlich das Portfolio mit 100 – 130 Aktien steht. Hierfür werden nach Angaben von Pictet etwa 800 Unternehmensbesuche im Jahr gemacht.

In den letzten zehn Jahren hat der Nebenwertefonds seinen Kategorie-durchschnitt (5,5%) mit einer Rendite von 8% pro Jahr geschlagen. Nur der Europe Micro-Cap Fonds von JP Morgan und der Wanger European Smaller Companies waren nach Performance besser. Allerdings sind beide Fonds erst ab einer Anlagesumme von mindestens 25.000 Euro erhältlich bzw. der Wanger Fonds ist geschlossen.

Auch seit Jahresanfang zeigt sich der Pictet Fonds besser als seine Kategorie und die Benchmark (MSCI Small Cap). Das ist nicht verwunderlich, da das Fondsmanagement bei der Aktienselektion nicht stur an einem Index hängt. Im Portfolio befindet sich eben auch ein hoher Anteil (42%) von Mid-Caps, die im Ein-Jahreszeitraum nicht so stark haben Federn lassen müssen wie Small-Caps. Über zehn Jahre genießt der Fonds noch die 112% Rendite aus dem Jahr 1999. In dem 115 Aktien umfassendem Portfolio sind 24 Untenehmen enthalten, die nicht im MSCI Europe Small Cap gelistet sind. Immerhin repräsentieren diese Unternehmen 20% des Gesamtportfolios. Insgesamt gibt es 30 Unternehmen mit einem Anteil von 25%, die weder im MSCI Europe Small Cap noch im MSCI Europe (breiter Markt) zu finden sind. Hierzu zählen zum Beispiel die Online-Jobbörse StepStone, der Medienrechtehändler Highlight Communications oder der Halbleiterzulieferer Dialog Semiconducter.

Bei der Sektoraufteilung sind vor allem Software-Aktien im Vergleich zur Benchmark übergewichtet. Der hohe Anteil (17%) an deutschen Unternehmen ist ebenfalls auffallend. Im MSCI Europe Small Cap und in der Kategorie beläuft sich der Anteil nur auf 10% bzw. 15%. Derzeit vermeiden die Fondsmanager Engagements in britischen Aktien. Anders ist der niedrige Anteil (15%) im Vergleich zur Benchmark (31%) und der Kategorie (24%) nicht zu verstehen. Vor einem Jahr hatten britische Unternehmen noch ein Gewicht von 21%. Britische Small-Caps haben in den letzt zwölf Monaten auf Eurobasis 40% an Wert verloren.

Der Nebenwertefonds hat ein Volumen von 175 Mio. Euro, damit ist er gut manövrierfähig. Die aktuelle Verwaltungsgebühr liegt bei 1,6% pro Jahr und die zuletzt ausgewiesene TER betrug 1,95%.

Danske Fund Europe Small Cap

Für Danske Capital müssen die Aktien eine Marktkapitalisierung zwischen 50 Mio. Euro 1,8 Mrd. Euro haben. Das Portfolio ist mit 30 Aktien stärker konzentriert als der Pictet Fonds (115) und der Nordea-1 (37). Die Top Ten Holdings repräsentieren 45% des Portfolios.

Seit dem Tiefpunkt Mitte März hat der Fonds erstaunliche 14% zulegt. Damit führt der Fonds seine Kategorie an. Auf drei Jahre gehört der Fonds ebenfalls zu dem oberen Zehntel nach Rendite. Im Vergleich zu seiner Benchmark und seiner Kategorie hat der Fonds derzeit nur einen Anteil von 6% an britischen Unternehmen. Aktien aus dem Königreich waren zuletzt vor drei Jahren mit mehr als 10% gewichtet. Während der Fonds im Drei-Jahresdurchschnitt eine Rendite von 19% pro Jahr vorweisen kann, sieht das Bild bei den Nebenwerten von der Insel mit -2,5% Rendite pro Jahr düster aus. Im selben Zeitraum war der Fonds zwischen 25% und 40% in nordeuropäische Aktien investiert. Aktuell ist der Anteil an niederländischen und deutschen Aktien im Fonds mit 20% bzw. 30% sehr hoch. In der Benchmark und der Kategorie haben beide Länder nur ein Gewicht von 5% bzw. 15%.

Der beachtliche Deutschlandanteil lässt sich auch an dem traditionell hohen Anteil an Industriematerialien (48%) im Fonds ablesen. Ansonsten wurden unternehmens- und haushaltsnahe Dienstleister ins Portfolio gekauft.

Das KGV für die erwarteten Gewinne liegt für den Fonds bei 13. Der Danske Fonds gehört mit einem Fondsvolumen von 63 Mio. Euro zu den kleineren seiner Kategorie. Der Anleger muss eine Verwaltungsgebühr von 1,6% pro Jahr entrichten.

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Über den Autor

Simon Nöth  ist Fondsanalyst bei Mornigstar