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Mischfonds: Marktrelevanz und Wachstum

Wie wichtig sind Mischfonds für Anleger heute? Was zeichnet sie aus? Warum Aktien-Renten-Fonds in der Erwartung der Anleger mehr sind als die Summe ihrer Teile. Rückblick und Ausblick über eine Produkt-Kategorie mit Hype-Potential. 

Ali Masarwah 23.03.2020

Natürlich gab es Mischfonds auch schon vor dem Jahr 2009. Dennoch ist es nicht falsch, die Geburt des modernen Mischfonds in der Schlussphase der Finanzkrise zu verorten. Damals war das Wundenlecken bei Anlegern angesagt. Aktienportfolios hatten Verluste von 40, 50 Prozent oder mehr verzeichnet. Rentenfonds, die strukturierte Produkte beigemischt hatten, hatte ebenfalls saftige Verluste erlitten, ja sogar einige sogenannte Geldmarkt-Plus-Fonds waren in sich zusammengefallen wie Kartenhäuser. 

2008 brachte den Stoff, aus dem Heldensagen gemacht sind

In damaligen Zeiten, als Helden noch rar waren, machten Fondsmanager wie Edouard Carmignac, dessen Flaggschifffonds Carmignac Patrimoine 2008 keinen Verlust erlitt, von sich reden. Der Mythos des vorausschauenden Fondsmanagers, der todesmutig Chancen wahrnimmt und Anleger vor hohen Verlusten war geboren. Der sich in der Folgezeit entwickelnde Run auf Mischfonds zeigt, dass Anleger nur allzu gerne bereit waren, die Auswahl von Aktien (-fonds) und Renten (-fonds) an den Meister der Asset Allocation zu delegieren.

Wer in der Finanzkrise mit einem vermeintlich gut austarierten Portfolio hohe Verluste erlitten hatte, verspürte fortan keine Lust mehr, sich selbst um die Asset Allocation zu kümmern. Das gilt übrigens nicht nur für Investoren, sondern auch für freie Finanzberater und Bankberater, die mit Mischfonds ihr eigenes Risiko – Stichwort: „Enthaftung“ – reduzieren wollten.  

Nur so ist zu erklären, dass Mischfonds ab 2010 extrem hohe Mittelzuflüsse verzeichneten. In dem Jahr lag der Marktanteil von Mischfonds am Vermögen der großen Fondsgattungen in Europa bei 12,5 Prozent, sie sammelten in dem Jahr aber bereits 16 Prozent der Mittelzuflüsse ein. Ende 2013 lag der Marktanteil von Mischfonds bei knapp 14 Prozent, sie vereinigten aber fast 30 Prozent der Mittezuflüsse auf sich. Auch in den Jahren 2014 und 2015 war der Anteil der Zuflüsse in Mischfonds doppelt so hoch wie der Anteil am verwalteten Fondsvermögen.

2018 war die Entwicklung besonders rasant. In einem unfreundlichen Aktienjahr, in dem Aktienfonds Abflüsse hinnehmen mussten, sammelten Mischfonds knapp 60 Prozent aller Zuflüsse in die wichtigen Langfristfonds (Aktien, Renten, Mischfonds, alternative Fonds) europaweit ein. Bei einem Marktanteil von gerade einmal 17 Prozent. 

Die untere Grafik illustriert die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Marktanteil und Mittelflüssen von Mischfonds in Europa seit 2010. Aus ihr geht allerdings auch hervor, dass die Wachstumsdynamik im vergangenen Jahr deutlich abebbte. So konnten Mischfonds 2019 nur knapp neun Prozent aller Zuflüsse auf sich vereinen. Das stellt – gerade im Vergleich zur Entwicklung der Vorjahre – eine Delle dar.

Eine Ursache hierfür dürfte die enttäuschende Performance etlicher Flaggschiffe sein, die gigantische Fondsvolumina aufweisen. Stellvertretend hierfür steht die unterdurchschnittliche Wertentwicklung beim oben bereits erwähnten Carmignac Patrimoine, dessen jahrelange Schwächephase Anleger mit hohen Abflüssen quittierten – immerhin gut 9,5 Milliarden Euro in den Jahren 2018 und 2019. 

Grafik: Mischfonds in Europa seit 2010 im Aufwind

 

Gleicht man die Mittelflussdynamik von Mischfonds ab mit der von Aktienfonds, dann wird deutlich, dass das Wachstum von Mischfonds in erster Linie auf Kosten von Aktienfonds ging. Setzt man die Mittelflüsse ins Verhältnis zum Fondsvermögen, dann fällt auf, dass seit 2010 Mischfonds organisch dynamischer wuchsen als Aktienfonds. (Die große Bedeutung von Zinsanlagen für Investoren führte dazu, dass Mischfonds Rentenfonds nicht so deutlich den Schneid abkaufen konnten). 

Im Ergebnis lässt sich also festhalten, dass Mischfonds in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Zählt man die Hedgefonds-ähnlichen Multistrategiefonds hinzu, die typischerweise verschiedene alternative Strategien auf sich vereinen und somit funktional ebenfalls als Mischfonds zu zählen sind, dann wird die Bedeutung von Mischfonds in Europa noch größer. Die wohl bekanntesten alternativen Mischfonds-Strategien sind der oft kopierte Global Absolute Return Strategies-Ansatz von Aberdeen Standard und der DWS Concept Kaldemorgen. Während erstere Strategie in Europa hoch erfolgreich war, konnte der DWS-Fonds in Deutschland im Vertrieb Furore machen. Wir werden im Kontext der weiteren Berichterstattung zu Mischfonds auf diese Fonds-Untergruppe näher zu sprechen kommen. 

Fazit und Ausblick 

So klar das Fazit zur Entwicklung von Mischfonds zwischen 2009 und heute ist, so ambivalent ist der Ausblick. Die sich abschwächende Nachfrage im vergangenen Jahr wirft die Frage auf, ob die Helden von gestern perspektivisch noch dieselbe Rolle für Anleger und Berater spielen werden wie in den vergangenen zehn Jahren. Gerade die schwache Performance etlicher Flaggschifffonds könnte die Erwartungen von Anlegern gedämpft haben. Doch dies würde unterstellen, dass Anleger und Berater aus dem Schaden klug geworden wären und als Konsequenz nunmehr das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen. 

Ein Abschied von Mischfonds, also? Möglich wäre das; aber angesichts der hohen Aktienverluste im Februar und März dieses Jahres und auch vor dem Hintergrund der Korrektur bei Risiko-Bonds erscheint dies nicht so wahrscheinlich, wie die Underperformance vieler Mischfonds in den vergangenen Jahren nahelegen könnte. Vermutlich werden 2020 neue Fonds in den Performance-Ranglisten nach oben gespült und neue Heldenlegenden gestrickt. Möglich also, dass die aktuelle Marktkorrektur den Anbietern von Mischfonds eine erneut gedeihliche Zukunft bescheren wird.

Die Analysen in diesem Artikel basieren auf unserem Tool für professionelle Anleger. Weitere Informationen zu Morningstar Direct erhalten Sie hier. 

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Über den Autor

Ali Masarwah

Ali Masarwah  Ali Masarwah ist als Chefredakteur für die deutschsprachigen Seiten von Morningstar verantwortlich.

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